Au

Freude in Wädenswil – Ernüchterung in Horgen

Die Gemeinden sind froh, dass nun Klarheit über den Standort der Mittelschule herrscht. Kantons­rat Rico Brazerol äussert jedoch Bedenken, ob der Au-Park die richtige Wahl ist.

Die Besitzerin des Au-Parks, die Intershop AG, präsentiert erste Entwürfe, wie der Gymistandort in der Au dereinst aussehen könnte.

Die Besitzerin des Au-Parks, die Intershop AG, präsentiert erste Entwürfe, wie der Gymistandort in der Au dereinst aussehen könnte. Bild: Visualisierung Intershop AG

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Die Gerüchte rund um den Standort der geplanten Mittelschule am linken Zürichsee-Ufer haben sich bestätigt. Wie der Regierungsrat am Donnerstag bekannt gab, möchte er in der Au/Wädenswil auf dem früheren Alcatel-Areal eine neue Kantonsschule bauen. Dafür kauft er für rund 20 Millionen Franken eine Fläche von 10 880 Quadratmeter Land von der Intershop Gruppe des Financiers Martin Ebner.

Das Warten hat damit ein Ende. Der Regierungsrat kündigte bereits Ende 2015 einen Entscheid über den Standort der Mittelschule an. Dieser wurde jedoch immer weiter hinausgeschoben. Alle involvierten Parteien sind froh, dass die Würfel nun gefallen sind, denn in einem Punkt sind sie sich einig: ein Gymnasium am linken Zürichsee-Ufer ist dringend nötig.

Quatierläden oder ein Café

Die neue Mittelschule wird nun ein Bestandteil der geplanten Arealentwicklung im «AuPark», dem ehemaligen Alcatel-Areal respektive AuCenter-Areal. Dieses liegt zwischen der Halbinsel Au und einem Wohngebiet. «Der Entscheid ist ein wichtiger Meilenstein in der Entwicklung des Gestaltungsplans», sagt Cyrill Schneuwly, Chief Executive Officer der Intershop AG.

Die Option einer Mittelschule hat die Intershop AG bereits in einem Architekturwettbewerb berücksichtigt und im privaten Gestaltungsplan weiter und detaillierter geplant. «Neben der Mittelschule ist im AuPark eine Mischnutzung angedacht. «Wir planen Wohnungen für den Mittelstand sowie grosszügige Gewerbe- und Dienstleistungsflächen für die Quartierversorgung», sagt Schneuwly. Angedacht seien auch Quartierläden oder ein Café. Eine grosszügige öffentliche Parkanlage, soll zum Verweilen einladen. Ab Ende November soll der Gestaltungsplan öffentlich aufliegen. Zu einem Informationsabend lädt am Donnerstag, 7. Dezember, die Stadt Wädenswil ins AuCenter ein.

«Wir freuen uns über den Entscheid und sind froh, dass dieser nun endlich gefallen ist», sagt Philipp Kutter (CVP), Stadtpräsident von Wädenswil. Dieser sei ein positives Signal für die ganze Region, stärke Wädenswil als Bildungsstandort und sei eine Chance für den Ortsteil Au. Der Standortentscheid gebe der Arealentwicklung des AuParks einen grossen Schub. «Die ganze Zeit musste man zweispurig planen: das Areal mit und ohne Gymnasium», sagt Kutter. Nun könne man endlich den AuPark konkret entwickeln.

Dieses Projekt bringe neben der Mittelschule auch einen öffentlichen Park, einen Grossverteiler und sei darum interessant für den Ortsteil Au. Zudem würden sich dank der neuen Mittelschule auch Synergien ergeben. «Der Kanton hat sein Interesse bekundet, sich an der geplanten Dreifachturnhalle beim nahe gelegenen Schulhaus Ort zu beteiligen», sagt Kutter. Die Turnhalle war schon einmal ein Projekt der Stadt Wädenswil, wurde aber im Mai 2016 in einem ersten Anlauf vom Parlament zurückgewiesen. «Nun werden wir das Projekt nochmals vorbringen», sagt Kutter. Er ist überzeugt, dass dank der Mittelschule die Dreifachturnhalle nun politisch und finanziell tragbar ist.

Stolpersteine in Wädenswil

«Ich bin nicht gegen den Standort Au, sondern für den Standort Horgen», sagt Kantonsrat Rico Brazerol (BDP), Präsident der Interessengemeinschaft der Horgner Sportvereine (IGHS) und einer der Initianten des Campus Allmend in Horgen. Den Entscheid des Kantons kann er nicht nachvollziehen: «Das Land in der Allmend gehörte bereits dem Kanton. Wenn er sich neben diesem also noch ein weiteres Land für rund 20 Millionen Franken leisten kann, geht es ihm finanziell nicht so schlecht.»

Hinzu käme, dass eine Umzonung und ein Gestaltungsplan in der Allmend nicht nötig geworden wären. «Auch hätte keine zeitliche Unsicherheit bestanden, denn der Kanton hätte direkt mit der Realisierung der Mittelschule beginnen können», sagt Brazerol. Eine Mittelschule hätte seiner Meinung nach dem Bezirkshauptort Horgen gut gestanden. In Wädenswil hingegen, sieht Brazerol einige Stolpersteine für den Regierungsrat: «Die Umzonung und der Wohnungsbau inklusive Gewerbe wird noch viel Diskussion geben und für rote Köpfe sorgen.» Ob die Mittelschule damit innert sinnvoller Frist realisiert werden könne, stellt Brazerol in Frage. Dass der Regierungsrat sich mit seinem Entscheid so lange Zeit gelassen hat, bezeichnet Brazerol als «Hinhalte- und Zermürbetaktik».

Vermutung wurde Tatsache

Der Horgner Gemeindepräsident Theo Leuthold (SVP) hat bereits vor einigen Tagen seine Vermutung zum Standortentscheid ausgesprochen. «Wir haben damit gerechnet, dass der Regierungsrat die Au als Standort wählt», sagt Leuthold. Denn das Land in der Allmend in Horgen gehört bereits dem Kanton. Hätte er die Allmend favorisiert, hätte er den Entscheid also viel früher bekannt geben und mit dem Projekt starten können. Leuthold bedauert zwar den Entscheid: «Wir hätten im Bereich der Sportanlagen Synergien nutzen können.»

Doch die Gemeinde habe alle Eventualitäten durchgespielt. «Wir haben nun mit der Planung eines neuen Primarschulhauses im Zentrum einen anderen Weg eingeschlagen», sagt der Gemeindepräsident. Der Beschluss des Regierungsrats würde die Gemeinde Horgen nun darin bestärken auf diesem weiter zu fahren. (zsz.ch)

Erstellt: 10.11.2017, 09:40 Uhr

Hierhin kommt die Mittelschule Zimmerberg (anklicken für grössere Ansicht). (Bild: Quelle GIS Browser, Grafik da)

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