Bezirksgericht Horgen

Freispruch für Feuerpolizist nach dem Brand im «Tre Stelle»

Vier Jahre nach dem Grossbrand, der das Restaurant Tre Stelle und das Hotel Sternen in Gattikon zerstört hat, stand ein Feuerpolizist vor Gericht. Angeblich hätte der Brand verhindert werden können, wenn er den Pizzaofen kontrolliert hätte. Doch er wusste nichts von dem Einbau.

Der Grossbrand in Gattikon bleibt wohl ohne strafrechtliche Folgen. 2014 ging der Dachstock des Hotels Sternen in Flammen auf.

Der Grossbrand in Gattikon bleibt wohl ohne strafrechtliche Folgen. 2014 ging der Dachstock des Hotels Sternen in Flammen auf. Bild: Archiv Reto Schneider

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Er frage sich schon, warum er überhaupt vor Gericht stehe, sagt der 64-Jährige gleich zu Beginn. Fehler habe er keine gemacht. Als Thalwiler Feuerpolizist ist er für periodische Kontrollen in öffentlichen Gebäuden, Schulhäusern und Hotels zuständig. Eine solche tätigte er im Januar 2012 im Hotel Sternen in Gattikon. Jenes Hotel, das im März 2014 ein Opfer der Flammen wurde.

Das Feuer entstand im Kamin des Pizzaofens des Restaurants Tre Stelle im Erdgeschoss. Ein strafrechtliches Fehlverhalten konnte damals weder dem Pächter, noch seinen Angestellten nachgewiesen werden. Doch die Staatsanwaltschaft fand einen anderen potenziellen Schuldigen — den Feuerpolizisten. Er wird wegen fahrlässigem Verursachen einer Feuersbrunst angeklagt.

Balkenwerk ausgetrocknet

Der Gemeindeangestellte hätte nach Auffassung der Staatsanwaltschaft den 2009 eingebauten Pizzaofen abnehmen müssen. Zudem habe er das Kontrollheft, in dem etwa die Reinigungen durch den Kaminfeger, aber auch der Einbau des Ofens vermerkt sind, nicht konsultiert. Hätte er den Kamin kontrolliert, wäre ihm aufgefallen, dass eine Kanalwand nicht verschraubt war und zwei Russ-Türchen nicht angebracht waren, heisst es in der Anklageschrift.

Wegen dieser drei Verfehlungen konnte der Brand entstehen. Denn aus den drei Öffnungen strömte bei jeder Nutzung des Pizzaofens heisse Luft in den Dachstock. Das Balkenwerk trocknete aus, was die Zündtemperatur gesenkt hat. So kam es zum verheerenden Glimmbrand am 19. März 2014. Der Schaden betrug 2,1 Millionen Franken.

Gefordert wird eine bedingte Geldstrafe von 150 Tagessätzen zu 120 Franken sowie eine Busse von 1500 Franken. Weitere Ausführungen der Staatsanwaltschaft gibt es am Donnerstag nicht zu hören, sie ist nicht am Gericht erschienen. Anwesend ist nur ein der Vertreter der Gebäudeversicherung, der einen Schadenersatz von 2,1 Millionen geltend macht. An einer strafrechtlichen Verurteilung ist er nicht interessiert.

Gegen eine solche wehrt sich der Beschuldigte vehement. «Ich kann nicht 500 Schrauben kontrollieren», meint er etwa. Vor allem aber sei es gar nicht seine Aufgabe gewesen, den Ofen zu kontrollieren. Das heisst, eigentlich schon, doch der Grundeigentümer hätte eine Bewilligung für die wärmetechnische Anlage beantragen müssen, was er versäumt hat. Wäre dies passiert, hätte der Feuerpolizist während dem Bau Kontrollen durchführen, allerdings keine Endabnahme machen müssen.

Nicht als neu erkennbar

Verantwortlich für den fehlerhaften Kamin sei der Ofenbauer, zeigte sich der Beschuldigte überzeugt. Er selber sei nicht für eine periodische Kontrolle im Restaurant zuständig gewesen. Bei Räumlichkeiten mit weniger als 100 Plätzen liege die Verantwortung für die periodischen Kontrollen beim Hausbesitzer. Zudem galten Hotel und Restaurant als separate Einheiten.

Dass er den neuen Ofen bemerkt habe, als er das Restaurant betreten hatte, bejahte er. Doch: «Der Ofen war nicht als neu erkennbar, er war auf alt getrimmt». Im Restaurant war er nur, um einen Angestellten zu suchen, der ihn durch das Hotel führen könnte. Hätte er das Kontrollheft angeschaut, wäre ihm nicht aufgefallen, dass ein neuer Ofen eingebaut wurde, meint er. Da er jeweils nur die neusten Einträge der Kaminfegerbesuche anschaut, hätte er den Eintrag des Ofens auf einer anderen Seite nicht gesehen, präzisiert seine Verteidigerin. Sie fordert einen Freispruch und bemängelt die lange Verfahrensdauer. Diese sei für ihren Mandanten und dessen Familie sehr belastend gewesen.

Der Richter kommt zum gleichen Schluss. Der Feuerpolizist wird freigesprochen Zusätzlich erhält er eine Genugtuung von 500 Franken wegen der langen Verfahrensdauer. Gemäss dem Richter ist der 64-Jährige «weit hinten in der Verantwortlichkeitskette». Die Fehler seien viel früher gemacht worden, beim Einbau und bei dem nicht eingereichten Bewilligungsgesuch.

Die Unterlassungen des Feuerpolizisten seien hingegen nicht ausreichend, um zu behaupten, dass sonst der Brand hätte vermieden werden können. Strafrechtlich dürfte der Brand ohne Konsequenzen bleiben, auch wenn das Urteil noch nicht rechtskräftig ist. Auf dem Zivilweg wird aber weiter darum gestritten, wer für den hohen Schaden aufkommen muss. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 17.05.2018, 17:38 Uhr

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