Gesundheit

Flyerversand des See-Spitals befeuert Konflikt mit den Hausärzten

Das See-Spital führt am Standort Kilchberg nun eine hauseigene Praxis. Diese ist in erster Linie für Patienten gedacht, die keinen klassischen Hausarzt mehr haben. Dennoch führt das Projekt zum Konflikt mit den Hausärzten.

Die neue hauseigene Praxis im See-Spital Kilchberg sorgt für Unmut bei den Hausärzten. Sie sprechen von einer «Geldmacherei auf Kosten der Patienten».

Die neue hauseigene Praxis im See-Spital Kilchberg sorgt für Unmut bei den Hausärzten. Sie sprechen von einer «Geldmacherei auf Kosten der Patienten». Bild: Michael Trost

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Ist das Schweizer Hausarzt-System ein Modell für die Zukunft? Im Bezirk prallen das Für und das Wider gerade aufeinander. Mitte Juni hat das See-Spital eine hauseigene Praxis am Standort Kilchberg eröffnet. Laut Mediensprecher Christian Bretscher wollte man die Praxis ohne grosses Tamtam eröffnen. Doch Anfang Juli hat das See-Spital die Bevölkerung der angrenzenden Gemeinden und Quartiere (Kilchberg, Adliswil, Langnau, Wollishofen und Leimbach) mit einem Informationsblatt darauf hingewiesen, dass nun «eine Praxis für alle im See-Spital Kilchberg» existiere. Die Praxis stehe allen Patienten ab 14 Jahren mit oder ohne Voranmeldung offen.

Für die Hausärzte in der Region ist damit eine Art Gentlemen-Agreement gebrochen worden. «Wenn jemand im Dorf eine neue Praxis eröffnet oder übernimmt, ist es ein ungeschriebenes Gesetz, dass man nicht als erstes versucht die Patienten der anderen Hausärzte abzuwerben», sagt Adrian Müller, Präsident der Bezirksärztegesellschaft.

Entlastung des Notfalls

Das See-Spital sieht die Flyer-Aktion jedoch nicht als Marketing-Kampagne für die Praxis. «Uns geht es darum, die Bevölkerung zu informieren und so unseren Notfall in Horgen zu entlasten», sagt Mediensprecher Bretscher. Zudem sei der Hinweis auch für die vielen Expats im Bezirk gedacht, die mit dem Hausarztmodell der Schweiz nicht vertraut seien und bei einer Krankheit oft das See-Spital aufsuchen würden. «Wir hatten schon bisher jeden Tag einige Patienten, die im Spital Hilfe suchen, jedoch auch in einer Praxis behandelt werden können», sagt Bretscher. «Diese Patienten mit einer leichten Erkrankung können sich nun direkt an unsere Praxis wenden.» Für Bretscher ist klar: «Solche Patienten haben keinen klassischen Hausarzt mehr und wollen das vielleicht auch nicht. Für sie schliesst die Praxis im See-Spital eine Lücke.» In diesem Sinne sei die Praxis in Kilchberg bereits gut angelaufen.

Was eigentlich gut klingt, hat aber auch eine andere Seite der Medaille. Gemäss Adrian Müller, der sein Votum als gewählter Sprecher der Hausärzte abgibt, hätten einige Hausärzte im Bezirk bereits eine regelrechte Abwerbung von Patienten durch die Praxis im See-Spital erlebt. So habe das See-Spital Patienten für präoperative Abklärungen direkt an die hauseigene Praxis überwiesen, obwohl diese einen Hausarzt in der Region hätten. Müller: «In einem anderen Fall wurde ein EKG durchgeführt, obwohl dieses eine Woche zuvor beim Hausarzt gemacht wurde.» Für den Präsidenten der Bezirksärztegesellschaft werden so die Gesundheitskosten künstlich in die Höhe getrieben.

Projekte auf Eis gelegt

Der Ärger der Hausärzte über die neue Praxis des Spitals geht so weit, dass sie mit dem See-Spital alle gemeinsamen administrativen Projekte auf Eis gelegt haben. So gibt es momentan beispielsweise keine weiteren Gespräche über eine gemeinsam betriebene Notfallpraxis in Horgen. Wie lange die Eiszeit zwischen den Hausärzten und dem See-Spital noch andauern wird, ist kaum vorauszusagen. Die Hausärzte werfen dem See-Spital mit der hauseigenen Praxis «Rosinenpickerei» vor. Beispielsweise weil diese nur von Montag bis Freitag geöffnet sei und so keine Unterstützung an den knapp besetzten Wochenenden und Nächten darstelle. Die Praxis sei somit überflüssig und treibe die Kosten in die Höhe. «Es ist einfach eine Geldmacherei des See-Spitals auf Kosten der Patienten», sagt Adrian Müller.

Auf Seiten des See-Spitals versucht man zu beschwichtigen. «Doppelspurigkeiten mit Patienten, die bereits bei einem Hausarzt sind, sollten nicht vorkommen», sagt Christian Bretscher. Man wolle den Hausärzten keine Patienten abwerben. «Sollte es in Zukunft zu solchen Vorfällen kommen, bitten wir die Hausärzte um eine Mitteilung.» So will das See-Spital Hand bieten, um die Situation zu beruhigen. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 11.07.2018, 16:59 Uhr

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