Wädenswil

Feuersalamander trifft seltenen Pilz

Am Mittwoch ist die neue Ausstellung im Schlosspark Wädenswil eröffnet worden. Sie zeigt Werke von Studenten der Zürcher Hochschule der Künste zum Thema «Umgang mit der Natur».

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Dieser eine Griff zur Schaufel sollte unvergessen bleiben. Marina Kupper war dabei, lehmhaltigen Waldboden im Schlosspark Wädenswil zu sammeln. Sie brauchte ihn für ein künstlerisches Experiment. «Und da schaute ich ihm direkt in die Augen», erinnert sie sich, «einem Feuersalamander.» Gross war der Schrecken – nachhaltig der Eindruck: Die Begegnung mit dem Amphibium habe sie bis in ihre Träume verfolgt, sagt Kupper. Was das in ihr ausgelöst hat, ist am Mittwochabend zu sehen gewesen: in Form gebrachte künstlerische Inspiration.

Kupper ist Studentin des Fachs Art Education an der Zürcher Hochschule der Künste (ZHDK). Mit sieben Kollegen aus dem sechsten Semester gestaltet sie derzeit die Ausstellung «Welcome to No Explain Land» im Schlosspark Wädenswil. Dabei handelt es sich um ein Kooperationsprojekt zwischen der ZHDK und dem Verein Landart. Solche künstlerischen Interventionen finden bereits seit 2009 statt; jeweils einmal jährlich.

Hohe Sensibilität

«Vergraben» heisst das Werk, in dem Kupper ihr Aufeinandertreffen mit dem Salamander verarbeitet hat. Ein Titel mit Programm: Denn bald nach der Vernissage vom Mittwoch wird es die Studentin in der Erde in dem kleinen Bachtobel vergraben. «Damit will ich dem Salamander das Haus zurückgeben, das ich ihm damals zerstört habe», erklärt sie. So hat sie aus Erde, Lehm und aufbereitetem Ton organisch geformte Hohlkörper geschaffen.

«Wir haben den Fokus dieser Ausstellung auf den Umgang mit der Natur und ihren Ressourcen gelegt», erklärt Aldo Mozzini. Er leitet das Projekt seitens der Schule. In der Umsetzung seien die Studenten indes frei gewesen. Dadurch sind denn auch die unterschiedlichsten Werke herausgekommen – nur schon, was die Ausdrucksmittel anbelangt. Eines aber ist ihnen gemeinsam: Sie zeugen allesamt von einer hohen Sensibilität gegenüber der Natur.

Dass das Verhalten der Menschheit gegenüber der Natur im Allgemeinen nicht gerade sensibel ist, darauf macht etwa Simon Mauchle aufmerksam. Sein Beitrag «Trans Plant» hat die Gestalt zweier grasbewachsener Sessel. Im Rasen hinter ihnen sind schnittmusterartige Flächen ausgefräst. Diese symbolisieren den Raubbau an der Natur. Stiefelspuren mit der Aufschrift «Sorry» in der versehrten Erde zeigen eine, allerdings halbherzige, Einsicht in den schädlichen Umgang mit den Ressourcen. Denn dass sie halbherzig ist, symbolisiert die Blickrichtung der Sessel: den Verwüstungen abgewandt, hin zum idyllischen See.

Inspiriert haben Mauchle unter anderem Satellitenbilder, die die Zerstörung der Natur denn auch unübersehbar dokumentieren. Demgegenüber hat sich Remo Bolt dem Unscheinbaren, Werdenden gewidmet: Für sein Projekt «Löwenmähne» hat er sich intensiv mit der Welt der Pilze beschäftigt. Konkret hat er Teilen von Baumstämmen die Brut des Speisepilzes Löwenmähne eingeimpft und diese nun in der Nähe des Wasserfalls im Park aufgestellt.

Jahrelange Pilzzucht

Im Jahr 2025 soll der Pilz dann herangewachsen sein. Ein Langzeitprojekt, das nicht zuletzt den Rhythmus des eigenen Lebens hinterfrage. «Mir war zudem wichtig, einen einheimischen Pilz zu verwenden», sagt er. Dieser, der dereinst als korallenartiges, weisses Gebilde zu sehen sein wird, steht hierzulande auf der Roten Liste. Damit lade sein Projekt ein, Unbekanntes mit allen Sinnen zu entdecken: Die Parkbesucher seien denn auch aufgefordert, das Werden des Pilzes in seinen verschiedenen Stadien zu beobachten und ihn später zu degustieren.

Die Sinne auf wieder andere Weise schärft Sophie Haldemann mit ihren liebevoll gezeichneten Vogelporträts. Diese stehen indes in einem krassen Gegensatz zu den Texten auf den Tafeln: Sie sprechen die schwierigen Lebensumstände der Vögel im Nebeneinander mit der modernen Zivilisation an: So bieten diese und die übrigen der acht Kunstwerke je ganz eigene, lohnende Einblicke in so ganz verschiedene Aspekte des grossen Kosmos Natur.

Schlosspark Wädenswil, Agroscope, Schloss 1. Die Ausstellung kann noch bis 22. August besichtigt werden. Der Schlosspark ist täglich von 9 bis 21 Uhr geöffnet. Eintritt frei.

Erstellt: 24.05.2019, 10:21 Uhr

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