Horgen

Er porträtiert Männer, die sich in Diven verwandeln

In seiner ersten Fotoausstellung widmet sich der Horgner Pascal Bovey der Verwandlung von Männern in eine Kunstfigur. Spannung erzeugt er indem er die Vorher-Nachher-Portraits gegenüberstellt.

Der Horgner Fotograf Patrick Bovey setzt die Künstler als Mann und als Frau in Szene. Seine Werke sind in der Photobastei in Zürich ausgestellt.

Der Horgner Fotograf Patrick Bovey setzt die Künstler als Mann und als Frau in Szene. Seine Werke sind in der Photobastei in Zürich ausgestellt. Bild: Sabine Rock

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Seine Models heissen Gossipa, Vicky Goldfinger, Milky Diamond oder Jazzmin Dian Moore und haben zwei Gesichter. Darum hat jedes Model auch zwei Fotos in der ersten Ausstellung von Pascal Bovey. Der Neuenburger, der seit zehn Jahren in Horgen lebt, hat für sein erstes grosses Projekt mit dem Titel «Metamorphosis» Dragqueens fotografiert und die Künstler, die hinter diesen Figuren stecken, jeweils als Mann und als Frau abgelichtet. «Viel Zeit haben die Vorher-Nachher Shootings der insgesamt 15 Verwandlungskünstler gebraucht», sagt Pascal Bovey.

Jeweils eine Stunde benötigte der Fotograf für die Portraits und weitere zwei Stunden die Dragqueens für ihre Verwandlung vom Mann in ihre individuelle Kunstfigur. Auch diese Verwandlung hat Bovey in Bildern dokumentiert. Die Fotos sind bis 17. Juni in der Photobastei in Zürich zu sehen.

Eigene Motivationen

Die Portraitfotografie liegt Pascal Bovey besonders am Herzen. «Ich bin gerne mit Menschen zusammen», sagt er. Ihm sei es wichtig vor dem Shooting die Menschen, die für seine Portraits posieren, auch kennenzulernern. Auf diese Weise erfuhr er, aus welchen verschiedenen Motivationen heraus die Männer sich in Dragqueens verwandeln. Zum Beispiel um die weibliche Seite auszuleben oder um bei der Aids-Hilfe mitzuwirken.

Solche Werke stellt Fotograf Bovey in der Photobastei aus. Bild: pd/Pascal Bovey

«Durch Gespräche kann ich Vertrauen zu den Models aufbauen. So können sie sich besser öffnen und ihre Persönlichkeit ist auf den Fotos zu erkennen», sagt Bovey. So hat er es geschafft beide Persönlichkeiten der Künstler - die als Mann und die als Frau - perfekt in Szene zu setzen und zur Geltung zu bringen. Betrachtet man die Portraits, bemerkt man erst nicht, dass ein und dieselbe Person zu sehen ist. «Erst bei genauerem Hinsehen, vergleicht der Betrachter die Gesichtszüge, Nase, Augen und Mund», sagt Bovey. Das sei das Schöne an Portraitfotografie: «Man kann sie so lange anschauen und vergleichen wie man möchte.»

Erstes Portrait überzeugte

Auf die Idee für das Shooting kam Bovey während seiner Ausbildung an der CAP-Fotoschule in Zürich. Für sein Portfolio machte er Vorher-Nachher-Portraits von einer Dragqueen, die er persönlich kennt. «Die Resonanz an der Jahresendausstellung auf die beiden Fotos war sehr positiv und viele sagten mir, dass ich weitere Dragqueens fotografieren soll», sagt Bovey. Erst habe er befürchtet, dass diese sich nicht gerne zur Verfügung stellen würden. «Meine Bedenken waren aber unbegründet», sagt Bovey.

«Durch Gespräche kann ich Vertrauen zu den Models aufbauen.»Pascal Bovey

Einige der Dragqueens kannte er schon vor dem Projekt. Manche waren Bekannte von Freunden, die er einfach kontaktiert hat und wieder andere lernte er im letzten Jahr beim «Heaven Drag Race», der Dragqueen-Wahl in Zürich, kennen, wo er Backstage Fotos machen durfte.

17 Gesichter aus Horgen

Die Dragqueens sind nicht die ersten Portraits, die Bovey fotografiert hat. Der Kulturfonds Horgen rief letztes Jahr die Horgner Bevölkerung auf, im Rahmen des Projekts «Das Gesicht von Horgen» Porträtbilder einzureichen. «Ich musste nicht lange überlegen und habe 17 Personen für die Installation abgelichtet.» Auch in Zukunft möchte er sich weiterhin der Portraitfotografie widmen. «Mein Projekt ist mit der Ausstellung noch nicht beendet», sagt Bovey. Er möchte noch weitere Dragqueens auf Vorher-Nachher-Portraits festhalten. Und wer weiss, vielleicht holt er sich bei den Queens Tipps und taucht irgendwann selbst auf den Portraits auf – ausschliessen möchte er dies nicht.

Metamorphosis, bis 17 Juni jeweils Mittwoch bis Samstag von 12 bis 21 Uhr und Sonntag von 12 bis 18 Uhr in der Photobastei, Sihlquai 125, Zürich. Eintritt Gratis. Finissage am 17. Juni um 16 Uhr. Podiumsdiskussion mit bekannten Dragqueens am 13. Juni um 20 Uhr. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 08.06.2018, 15:13 Uhr

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