Wohnungsbau

Eine einst erfolgreiche Wohnbauform verschwindet

In Elementbauweise wurden in den 60er Jahren auch am Zürichseeufer ganze Siedlungen erstellt. An diesen nagt jedoch der Zahn der Zeit und sie müssen moderneren Wohnformen weichen, wie zum Beispiel die Siedlung im Wädenswiler Hangenmoos.

Ausgedient hat die in Elementbauweise erstellte Siedlung Hangenmoos. Die einst für Familien konzipierten Gebäude werden abgerissen.

Ausgedient hat die in Elementbauweise erstellte Siedlung Hangenmoos. Die einst für Familien konzipierten Gebäude werden abgerissen. Bild: Manuela Matt

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In Etappen verschwinden Siedlungen aus dem Wädenswiler Ortsbild. Bald wird auch die Siedlung der Hangenmoos AG an der Holzmoosrütistrasse einer neuen, grösseren und zeitgemässeren Überbauung weichen.

Mit dem Abriss der 19 Gebäude und damit 253 Wohnungen der Hangenmoossiedlung verschwindet auch die einzige Plattenbausiedlung aus dem Wädenswiler Ortsbild. Ein Relikt aus den 60er Jahren, das zur damaligen Zeit als Lösung für das Wohnungsproblem diente und zum Ziel hatte, preisgünstige Wohnungen für die Arbeiter der Region zu erstellen.

Vorgefertigte Elemente

Gesprochen habe man damals aber nicht vom Plattenbau, wie er in Zeiten der DDR geprägt wurde, sondern von der Elementbauweise, sagt der Wädenswiler Historiker Adrian Scherrer. Doch genau wie beim Plattenbau gehe es darum, möglichst viele Bauteile in Handwerksbetrieben oder Fabriken herstellen zu lassen und auf der Baustelle nur noch zu montieren. Dank der Elementbauweise konnten die benötigten Wohnungen rascher erstellt werden. Mit dem 1950 üblichen handwerklich erstellten Wohnraum wäre dies nicht möglich gewesen. Denn meist dauerte damals der Bau eines Mehrfamilienhauses mehr als ein Jahr.

In Wädenswil hat Architekt Hans Fischli seine Spuren auch im Elementbau hinterlassen. Er entwickelte standardisierte Haustypen und Grundrisse. Gut sichtbar ist dies bei der Siedlung Gulmenmatt in Wädenswil, die noch konventionell gebaut wurde, im Grunde aber bereits eine Elementbau-Architektur darstellt. Diese bildete eine gute Basis für den Übergang zur Elementbauweise. Die ersten Elemente erstellte er für einen entsprechenden Produzenten. Später wurde nach Fischlis Plänen in dieser Bauweise die Siedlung Hangenmoos in Wädenswil gebaut.

Bauzeit wurde verkürzt

Auch in den anderen Gemeinden am Zürichsee gab in den 60er Jahren ein Bauboom. In Horgen hat Walter Hegetschweiler (1914-1978), Gründer der Baufirma Horbag zusammen mit K. Trüb, die Erstellung von vorfabrizierten Mehrfamilienhäusern in Massivbauweise entwickelt, wie im Horgner Jahrheft 2009 nachzulesen ist.

Auch Hegetschweiler verfogte damit das Ziel, die Bauzeit stark zu verkürzen. Er erreichte dies indem er den Wohnungs-Grundriss geeignet gestaltete und die Sanitärbereiche an einer Stelle im Gebäude zusammenfasste sowie industriell gefertigte Tragwerkelemente erstellte. Im Jahr 1965 entstanden so neun Mehrfamilienhäuser mit 160 Wohnungen an der Einsiedlerstrasse im Horgner Gebiet Chalchofen beim heutigen Waldegg-Center, die noch immer existieren. «Was für die damaligen Herausforderungen eine passende Lösung war, ist heute allerdings ein Auslaufmodell», sagt Adrian Scherrer. Daher verschwinde die Elementbauweise nach und nach von der Bildfläche und mache moderneren Wohnformen Platz.

Die Baubewilligung für den Neubau ist bereits erteilt, doch die Eigentümerin, die Hangenmoos AG, wartet noch auf die Abrissbewilligung. Mit den Abbrucharbeiten könne laut Franka Comalini von der Hangenmoos AG Anfang des nächsten Jahres begonnen werden. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 12.11.2018, 20:31 Uhr

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