Langnau

Eine Paartherapie kann auch unterhaltsam sein

«Die Wunderübung» ist eine Komödie mit Tiefgang über ein zerstrittenes Paar, das sich von einer Therapie nicht mehr allzu viel erhofft. Am Freitag ist im Turbine-Theater Premiere.

Der Therapeut (Peter Niklaus Steiner) versetzt das Paar (Susanne Kunz und Patric Gehrig) gedanklich in dessen Anfänge.

Der Therapeut (Peter Niklaus Steiner) versetzt das Paar (Susanne Kunz und Patric Gehrig) gedanklich in dessen Anfänge. Bild: Manuela Matt

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Szenen einer Ehe. Sie sagt: «Ich allein bin für alle Problemlösungen in der Familie verantwortlich.» Er kontert: «Du siehst in allem ein Problem.» Derlei Anwürfe richtete sie an ihren Mann auch in der Therapie, zu der sich das lange verheiratete Paar entschlossen hat. Der Therapeut konstatiert einen «fortgeschrittenen Kampfzustand». Er zieht alle Register seines Könnens, wie das Imaginieren schöner Bilder vom Anfang der Beziehung oder mal den Versuch, die Rollen zu wechseln. Er will das herausfiltern, was noch an Positivem in der Beziehung vorhanden ist. Weitere Therapieschritte kündigt er mit sanften Gong-Klängen an, doch vorerst beisst er auf Granit.

Kann da nur noch ein Wunder oder eine Wunderübung diese Ehe retten? Ein Anruf gibt dem Geschehen eine ganz neue Wendung. Doch mehr sei hier nicht verraten.

Zwei Streithähne professionell stoppen

Die schnell ausrastende Ehefrau gibt die ehemalige Fernsehmoderatorin Susanne Kunz, die dem Fernsehen ganz Adieu gesagt hat und sich nun auf der Bühne und im Film ein neues Standbein aufbaut. Die 41-jährige ausgebildete Schauspielerin verkörpert die sich nicht verstanden fühlende Gattin glaubhaft, und es ist erfreulich, sie nun mal nicht als heitere Quizmasterin, sondern als ernsthafte Darstellerin kennen zu lernen. Ihr Gegenüber ist mit Patric Gehrig auch gut besetzt, als Ehemann, der doch für ein rechtes Einkommen sorgt, mal eine, wie er sagt, bedeutungslose Affäre hatte und oft hilflos den steten Anwürfen seiner Frau gegenübersteht.

Der Dritte im Spannungsdreieck ist Theaterleiter Peter Niklaus Steiner als Therapeut, er führte auch Regie. «Die Wunderübung» ist eine Eigenproduktion des Turbine-Theaters und der Kaiserbühne in Kaiserstuhl, die Steiner seit drei Jahren auch leitet. Als Paartherapeut stoppt er die Streithähne professionell, mal mit sanfter Stimme, mal energisch. «Die Herausforderung war, zu kapieren und darzustellen, worum es bei dem Paar eigentlich geht und wie er versucht, sie zu knacken», erklärt er. Prinzipal Steiner und sein «Star» Susanne Kunz haben schon mehrmals zusammengearbeitet. «Diese Inszenierung hat grossen Spass gemacht, weil wir uns alle sehr gut verstehen», sagt Kunz. «Wenn man auf der Bühne streitet, hat man zu Hause gar nicht mehr das Bedürfnis», meint sie lachend. Diesen Sommer wird sie auf der Freilichtbühne im Sihlwald in «Die Mordnacht von Zürich» ebenfalls auftreten.

Humorvoller Blick auf Paartherapeutenzunft

«Die Wunderübung» ist das erste Theaterstück von Bestsellerautor Daniel Glattauer, bekannt für seinen E-Mail-Roman «Gut gegen Nordwind», der hier sein Gespür für bissige Dialoge und seine Beobachtungsgabe zeigt. «Das Stück lebt von den Dialogen, die Bühne bleibt immer gleich», sagt Regisseur Steiner.

Fazit: ein unterhaltsamer Theaterabend, der auch einiges an Erkenntnisgewinn vermitteln könnte, denn vermutlich hat schon jeder mal ähnliche Dialoge wie das Ehepaar geführt. «Die Wunderübung» kann auch als humorvoller Blick auf die Paartherapeutenzunft gesehen werden. Empfehlenswert.

17. Januar bis 8. März, jeweils 20 Uhr (an Sonntagen 17 Uhr), Turbine-Theater Langnau. Tickets und Infos: www.turbinetheater.ch. Vorverkauf auch in der Albis-Drogerie, Langnau.

Erstellt: 15.01.2020, 21:40 Uhr

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