Kilchberg

Eine Coop Filiale kommt, die Post schweigt und die SBB hält sich ganz raus

Nach langjährigen Diskussionen bestätigt der Coop jetzt die Pläne für eine neue Filiale. Die Zukunft der Postfiliale und des leer stehenden Bahnhofsgebäudes bleibt jedoch weiter unklar.

Die Parzelle Süd-Süd bezeichnet das Areal am Ende der Parkplätze. Dort, wo jetzt unter anderem ein Schopf steht, soll ein grosser Coop hin.

Die Parzelle Süd-Süd bezeichnet das Areal am Ende der Parkplätze. Dort, wo jetzt unter anderem ein Schopf steht, soll ein grosser Coop hin. Bild: Patrick Gutenberg

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Die Bombe platzt gleich zu Beginn. «Auf das Areal Süd-Süd in Kilchberg kommt ein grosser Coop» sagt Fritz Ullmann, Leiter der Coop Immobilien der Region. Damit wird erstmals von Seiten der Genossenschaft das seit langem kursierende Gerücht bestätigt. Seit Jahren ist die Bahnhofstrasse als Zentrum der Gemeinde ein viel diskutiertes Thema.

An der Podiumsdiskussion der EVP Kilchberg soll nun Klarheit über die Zukunft des Dorfkerns geschaffen werden. Das Interesse der Bevölkerung ist gross. Über 120 Personen sind im Kirchgemeindehaus der reformierten Kirche Kilchberg erschienen, alle Plätze sind besetzt. Neben dem Vertreter von Coop, sind Judith Bellaiche (GLP), Gemeinderätin und Verantwortliche für den Bereich Hochbau und Liegenschaften, Sarah Cohen von der Abteilung Liegenschaften der Post, sowie mehrere Vertreter des lokalen Kleingewerbes an der Bahnhofstrasse sind anwesend. Andreas Kaplony (EVP) moderiert den Abend.

Konkrete Pläne

Ein 1100 Quadratmeter grosser, zweistöckiger Coop kommt auf das Gelände Süd-Süd, wo jetzt ein alter Schopf und ein Wohnhaus steht. Der Mietvertrag mit der kleinen Coop Filiale, die jetzt an der Bahnhofstrasse steht, läuft im September 2022 aus. «Unser Ziel ist es, den neuen Coop pünktlich zur Schliessung der alten Filiale zu eröffnen», sagt Fritz Ullmann. Neben der Einkaufsfiliale will Coop auch eine Einstellhalle mit 30 bis 40 Parkplätzen und mehrere Wohnungen bauen. 14 Wohnungen im mittleren Preissegment soll es auf dem Areal neben den SBB Geleisen geben. Die Idee eines Grossverteilers im Dorfzentrum wird von den Bürgern Kilchbergs gutgeheissen, auch die Kleingewerbler begrüssen es. Für sie bedeutet solch ein Publikumsmagnet mehr Kundschaft.

Dennoch ist nicht alles eitel Sonnenschein. Gleichzeitig mit dem Neubau des Coops, soll die gesamte Bahnhofstrasse saniert werden. Rolf Schmid vom Dorfladen «L`angolo sardo» spricht die Befürchtungen des Kleingewerbe aus: «Wenn die Bahnhofstrasse während der Bauarbeiten nicht befahren werden kann, dann geht es uns als Kleingewerbler ans Lebendige».

Dies anerkennt auch der Gemeinderat. «Es ist auch uns ein Anliegen, dass die Bahnhofstrasse zu jeder Zeit der Bauarbeiten befahrbar ist», sagt Bellaiche. Fehlende Parkplätze könnten, solange der Coop nicht steht, eventuell auf der Parzelle Süd-Süd geschaffen werden.

Stimmung in Saal

Die Stimmung im Saal ist gemischt. Die konkrete Zusage zu einem neuen Coop freut die Bürger. Es werden jedoch auch immer wieder Stimmen laut, die sich darüber beklagen, dass sich die Verhandlungen so lange hinziehen und es noch immer keinen konkreten Baustart gibt.

Judith Bellaiche erklärt die Lage: «Einerseits ist die Parzelle Süd-Süd ein kompliziertes Gelände, andererseits muss auch die ganze Bahnhofstrasse sorgfältig aufgegleist werden».

Die Gemeinde arbeite auf Hochtouren, um den Bürgern den Gestaltungsplan vorzulegen. Das frühestmögliche Datum für eine Abstimmung sei 2018.

Ein Grossteil der Fragen richtet sich jedoch nicht gegen die anwesende Vertreterin des Gemeinderats, sondern gegen zwei Abwesende: Die SBB und die Post.

Seit diesem Januar hat Kilchberg keinen bedienten SBB-Schalter mehr. Das Gebäude steht leer und über eine weiter Nutzung ist weder die Bevölkerung noch der Gemeinderat informiert. Die SBB hat die Einladung der EVP ausgeschlagen. «Sie haben mich darüber informiert, dass sie sich in laufenden Verhandlungen mit Interessenten befinden» sagt Moderator Andreas Kaplony. Wer die neuen Mieter des Bahnhofsgebäudes sein werden, darüber hätte die SBB aber keine Auskunft gegeben. Weiter kursieren seit längerem Gerüchte über die Schliessung der Postfiliale. Mit Sandra Cohen ist zwar eine Vertrerin der Post anwesend, als Liegenschaftlerin ist sie jedoch die falsche Person für die Fragen. Ausser der Aussage, die Post würde momentan verschiedene Lösungen prüfen, trägt sie nicht viel zur Diskussion bei. Weder wird eine Schliessung bestätigt, noch ein Weiterbestehen der Filiale garantiert.

Unverständnis und Wut ist bei den Bürgern Kilchbergs deutlich spürbar. Immer wieder werden scharfe Worte laut, viele sind der Meinung, die SBB und Post würden einer Konfrontation aus dem Weg gehen. Kaplony kann die Unmut der Kilchberger nachvollziehen:«Vielleicht haben die beiden Firmen ja gute Argumente für eine Schliessung, doch man hört sie einfach nicht.» (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 16.06.2017, 17:34 Uhr

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