Horgen

Eine App liefert Informationen zur Biodiversität

Die neue App «Naturpfade» soll die Bevölkerung für das Thema Biodiversität sensibilisieren und aufzeigen, wie Gemeinden die Artenvielfalt fördern. In Horgen kann die App bereits genutzt werden.

Der See und die Mauer am Seeuferweg sorgen laut der App für eine grosse Artenvielfalt.

Der See und die Mauer am Seeuferweg sorgen laut der App für eine grosse Artenvielfalt. Bild: Michael Trost

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Die Stadt gehört den Menschen. Diese Überzeugung wird kaum jemand anzweifeln, der sich alltäglich im städtischen Raum bewegt. Am Seeuferweg in Horgen kreuzen sich Velofahrer, Fussgänger und Seegänger. Was vielen aber nicht bewusst ist: Der Weg entlang der Eisenbahnstrecke führt quer durch mehrere «Wohnzimmer». Die städtischen Mitbewohner sind meist kleiner und leiser als der Mensch. Eidechsen hausen in der Natursteinmauer am Seeuferweg und im Schilf am Seeufer haben sich Enten niedergelassen.

Auf die Artenvielfalt in Siedlungsräumen soll die App «Naturpfade» der Stiftung Pusch aufmerksam machen. Die Stiftung setzt sich in Gemeinden, Schulen und Unternehmen mit verschiedenen Projekten für eine gesunde Umwelt ein. «Naturpfade» ist in Zusammenarbeit mit einer Zürcher Software - Firma und den Gemeinden Horgen, Andelfingen, Hünenberg (ZG), Zizers (GR) und Horw (LU) entstanden.

«Die weltweit sinkende Biodiversität macht Angst», sagt Marco Gradenecker, Abteilungsleiter Energie und Umwelt der Gemeinde Horgen. «Die Erkenntnis, dass für das Überleben der Menschheit eine grosse Vielfalt von Lebewesen und Lebensräumen wichtig ist, muss Fuss fassen. Mit der App «Naturpfade» möchte die Gemeinde einen kleinen Beitrag dazu leisten», erklärt Gradenecker.

Artenvielfalt am Seeuferweg

Wer die App mit dem grünen Igel als Logo öffnet, gelangt auf eine Übersicht der beteiligten Gemeinden. Per Klick auf die gewünschte Region erscheint eine Karte mit dem eingezeichneten Naturpfad. Die blauen Fähnchen markieren die zehn Schauplätze, die es laut der App in Horgen zu entdecken gibt. Schon von zuhause aus kann viel Spannendes erfahren werden. So gibt es rund um den Sihlsprung nicht nur Geschichten über Schmuggler, die dort die Sihl überquert haben - dank dem Waldkorridor können auch Tiere wie Rehe oder Füchse besser durch den Wald wandern.

Beim Standort Seeuferweg gibt es ebenfalls einiges zu entdecken: Die Strecke vom Seegüetli bis zum Meilibach gilt laut App als Brennpunkt der Biodiversität. Dank der Hecke, der Natursteinmauer und dem See fühlen sich hier nicht nur viele Tiere wohl. Auch Pflanzen gefährdeter Arten, wie zum Beispiel der knollige Geissbart, haben sich dort angesiedelt. Nähert man sich einem Schauplatz, werden ab einer Distanz von 40 Metern Bilder freigeschaltet. Mit richtig beantworteten Quizfragen können Punkte gesammelt werden.

Teilweise herrscht noch Unverständnis

«Viele Gemeinden leisten sehr viel, um die Artenvielfalt in den Siedlungen zu fördern. Ihnen fehlen jedoch oft die Mittel, um ihr Engagement sichtbar zu machen», sagt Projektleiter Remo Bräuchi von Pusch. Bräuchi erklärt, dass die App die Arbeit der Gemeinden und die Biodiversität für die Bevölkerung erlebbar machen soll. Eine Wildblumenwiese wirkt im Sommer attraktiv, wenn sie blüht. Im Winter wenn sie keine farbigen Blüten mehr hat, kann sie hingegen karg wirken. «Oft stossen naturnah gepflegte Flächen bei Einwohnerinnen und Einwohner auf Unverständnis. Sie halten zum Beispiel nicht gemähte Wiesen oder Böschungen für ungepflegt», sagt Bräuchi. Ihnen sei nicht bewusst, dass diese einem Zweck dienen: Die Pflanzen können so in Ruhe Samen bilden und sich vermehren. Auch bei der Heckenpflege werden an gewissen Stellen bewusst Holz und Laub zurück in die Hecke geworfen, damit Totholz entsteht und viele Kleintiere Unterschlupf und Nahrung finden.

«Unordnung ist in der Natur und für die Biodiversität aber besser als Ordnung», erklärt der Projektleiter. Dies gelte auch für den eigenen Garten, wo kleine Laub- und Asthaufen dem Igel ein willkommenes Winterquartier bieten würden. Ab dem Winter soll das Projekt Naturpfade auf weitere interessierte Gemeinden in der Region ausgeweitet werden.

Erstellt: 12.07.2019, 15:33 Uhr

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