Thalwil

Ein historisches Ensemble ist nun komplett

Das Ehepaar Limacher hat eines der ältesten Häuser im Dorfkern gekauft und renoviert. Nicht ganz ohne ein Risiko einzugehen.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Wer in das Haus an der Oberdorfstrasse 13 zieht, bewohnt Räume mit einer langen Vergangenheit. Denn die Gebäudegruppe an der Oberdorfstrasse 13, 11 a und b ist Teil des historischen Oberdorfs, dessen älteste Bebauung aus dem 17. und 18. Jahrhunderts datiert ist.

Gegenüber der Gebäude liegt das ehemalige Wasch- und Gemeinschaftshaus aus dem 18. Jahrhundert. Laut Denkmalschutz ist das Ensemble damit «siedlungshistorisch höchst relevant».

Jetzt ist das Haus, das eines der ältesten Häuser in Thalwil ist und unter kantonalem Denkmalschutz steht, frisch renoviert und bezugsbereit. Welche Arbeit dahinter steckte, um das Haus in seinen jetzigen Zustand zu versetzen und all die von der Denkmalpflege vorgegebenen Auflagen einzuhalten, sieht man dem Haus heute nicht mehr an.

Ruedi Limacher, der zusammen mit seiner Frau Gitta Limacher die Liegenschaft besitzt, ist überzeugt: «Ohne das gute Zusammenspiel zwischen Gemeinde, Behörde und Architekten wäre es nicht möglich gewesen das Gebäude in dieses Bijou zu verwandeln – zudem in solch kurzer Zeit.»

100 Bewerber meldeten sich

Ruedi Limacher lebt mit seiner Frau seit 40 Jahren in Thalwil. Sie führten dort bis 2015 ein Reisebüro. Bereits vor 13 Jahren haben sie die Liegenschaft an der Oberdorfstrasse 11 erworben und renoviert. Als die Gemeinde Thalwil im Jahr 2018 das Haus an der Oberdorfstrasse 13 verkaufen wollte, war für Ruedi Limacher klar, dass er auch dieses erwerben möchte. «Die beiden Häuser bilden ein Doppelwohnhaus und sind durch Um- und Anbauten im Laufe der Zeit so ineinander verschachtelt, dass es fast unmöglich war, sie separat umzubauen», sagt Ruedi Limacher.

Doch es war nicht einfach das Haus zu erwerben. Aufrund gesetzlicher Vorschriften war die Gemeinde Verpflichtet das Haus öffentlich auszuschreiben woraufhin sich innert kürzester Zeit 100 Interessenten meldeten. Schliesslich war Ruedi Limacher der Höchstbietende. Da am Ende die Kaufsumme etwas über eine Million Franken betrug, musste der Verkauf an der Gemeindeversammlung im Juni 2018 gutgeheissen werden. «Einstimmig wurde dieser damals genehmigt», sagt Ruedi Limacher.

Doch ein Stimmberechtigter habe auch die Frage aufgeworfen, warum die Gemeinde überhaupt dieses alte Haus verkauft und es nicht an Asylanten vermietet, ergänzt Gitta Limacher. Die Antwort der Gemeinde lautete, dass es zu teuer wäre für die Gemeinde die Liegenschaft zu behalten zumal sie dringend renoviert werden musste.

Knackpunkt war die Treppe

Bis ins Detail abschätzen, was es bedeutet, die Liegenschaft umzubauen konnte Limacher mit dem Kauf nicht. «Es besteht immer ein gewisses Risiko bei einer solch alten Liegenschaft, die zudem unter Denkmalschutz steht, dass man den Umbau und die Renovation nicht so umsetzen kann wie man das gerne hätte», sagt Ruedi Limacher. Damit die für den Umbau beauftragten Architekten von Hotz Partner AG nicht ins Blaue planen, gab die Gemeinde ein Gutachten in Auftrag. Ein Schutzbrief mit genauen Vorgaben wurde verfasst.

Der grösste Knackpunkt sei die Treppe gewesen. «Eine schmale und steile Treppe führte in das Obergeschoss», beschreibt Gitta Limacher, «wie eine Hühnerleiter.» Auch dank des Fingerspitzengefühls der Architektin und Projektleiterin Lucie Kohout von der Hotz Partner AG wurde man mit dem Denkmalschutz einig und konnte die Treppe verlängern und um zehn Zentimeter verbreitern. «Erhalten mussten wir auch die alten Balken im Obergeschoss», sagt Limacher. Doch dadurch war die Zimmerdecke so niedrig, dass man kaum aufrecht stehen konnte.

«Es besteht immer ein gewisses Risiko bei einer solch alten Liegenschaft»Ruedi Limacher

Auch hier fand die Architektin eine Lösung. «Wir haben die Balken, die keine Funktion mehr hatten, erhalten, aber durften sie mit Erlaubnis des Denkmalschutzes so versetzen, dass wir eine bessere Raumhöhe erreichten», sagt Lucie Kohout. Auch das Gebälk des Dachstockes, das noch aus der Gründungszeit stammt, wurde von Farbe gereinigt und ziert nun das Obergeschoss. Da es sich beim hinteren Teil des Hauses um einen Anbau handelt durfte im Gegensatz zum vorderen Teil die Fassade verändert werden. Somit hatten die Eigentümer die Möglichkeit, eine Tür zum ebenfalls geschützten Gartenraum mit den alten Baumbeständen einzubauen.

«Unabhängig von den Auflagen des Denkmalschutzes waren auch wir daran interessiert, so viele alte Details wie möglich und damit den Charme des Gebäudes zu erhalten, aber wohnbar zu machen», sagt Limacher. Der älteste Teil des Hause stammt aus dem Jahre 1813. Damals wurde es erstmals in der Brandkatasterakte erwähnt. Als Besitzer war zu jener Zeit Caspar Kölliker eingetragen. Ab 1824 gehörte eine der Haushälften Heinrich Hotz. Es folgten einige Besitzerwechsel sowie Um- und Anbauten.

Erst 1974 übernahm die Gemeinde Thalwil die Liegenschaft und baute sie nochmals um bevor sie von Gitta und Ruedi Limacher gekauft wurde. Zuvor hatte ein Ehepaar in der Wohnung gelebt, dem die Gemeinde ein Wohnrecht auf Lebensdauer gegeben hatte. Nachdem die Frau des Mieters verstorben war, bewirtschaftete der Mann das Haus alleine bis er über 80 Jahre alt war und schliesslich ins Altersheim umzog, wo er verstarb.

Erstellt: 03.12.2019, 11:50 Uhr

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Blogs

Michèle & Friends Midlife-Crisis? Nehm ich!

Von Kopf bis Fuss Diese Frau erinnert sich an alles

Abo

Eine für alle. Im Digital-Abo.

Die Zürichsee Zeitung digital ohne Einschränkung nutzen. Für nur CHF 25.- pro Monat. Jetzt abonnieren!