Adliswil 

Ein Generationenwechsel an der Spitze der Feuerwehr

Während 28 Jahren war Marcel Kern Mitglied der Feuerwehr Adliswil, davon die letzten neun Jahre als Kommandant. Dabei erlebte er sowohl amüsante als auch tragische Einsätze.

Marcel Kern (links) gibt sein Amt als Feuerwehrkommandant an Michael Martin weiter.

Marcel Kern (links) gibt sein Amt als Feuerwehrkommandant an Michael Martin weiter. Bild: Sabine Rock

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«Wenn ich schlafen gehe, lege ich mir auch heute noch die Kleider so hin, dass ich auch mitten in der Nacht sofort einsatzbereit wäre», erzählt Marcel Kern. Und wenn er mit seiner Frau weggehe, achte er immer noch darauf, dass sie einen Schlüssel dabei habe. «Es könnte ja sein, dass wir wegen eines Einsatzes nicht gemeinsam nach Hause kommen.» Der 58-Jäh­rige muss lachen, wenn er an die ­Mödeli denkt, die sich während seiner Feuerwehrtätigkeit eingeschlichen haben – und die auch jetzt noch sein Leben bestimmen, obwohl er das Kommando über die Feuerwehr Adlis­wil Anfang April an Michael Martin abge­geben hat.

Es ist aber nicht weiter verwunderlich, dass Kern diese Gewohnheiten nicht von einem Tag auf den anderen ablegen kann. Denn immerhin war er 28 Jahre lang bei der Feuerwehr Adlis­wil tätig, die letzten neun Jahre als Kommandant. «Zur Feuerwehr Adlis­wil bin ich durch gute alte Mundpropaganda gekommen», erinnert sich Kern. «Sie sagten, sie bräuchten noch einen wie mich.» Kern, der zwar in Adlis­wil aufgewachsen war, dann aber einige Jahre ­ an anderen Orten gelebt hatte, nutzte nach seiner Rückkehr die Feuerwehr, um Leute kennen ­zu lernen.

An einem Strick ziehen

Bald schon faszinierten ihn aber ganz andere Dinge an der Feuerwehr und trugen nicht unwesentlich dazu bei, dass er für so lange Zeit blieb. An erster Stelle stehen das unkomplizierte Miteinander, die Kameradschaft und Freundschaft unter den Feuerwehrleuten: «Man sieht seine Kameraden eigentlich nicht so oft», gibt Marcel Kern zu bedenken. «Und dennoch weiss man, dass jeder Einzelne kommt, wenn es ernst gilt, und man gemeinsam an einem Strick zieht.» Daneben imponierte Marcel Kern immer auch die Zielstrebigkeit der Feuerwehr: Obwohl die Feuerwehr vielfach zu tragischen Si­tua­tio­nen gerufen werde, verliere sie ihr Ziel – das Helfen – nie aus den Augen. «Das Faszinie­rende ist, dass man innerhalb von 10 Minuten zu helfen beginnt.»

Marcel Kern wird aber nicht nur dies in Erinnerung behalten. In den knapp 30 Jahren Feuerwehr mit jährlich rund 100 Einsätzen kamen auch einige Ein­sätze zusammen, die Kern nie wieder vergisst: lustige und tra­gische. Mit einem Schmunzeln wird Kern wohl immer an jene Brände zurückdenken, bei denen Personen ihre Haus­tiere vermissten: «Es stellte sich nur zu oft her­aus, dass die Tiere so schlau ­waren, sich auf den Balkon zu flüch­ten und dort auf die Rettung zu warten.»

Gemeinsam verarbeiten

Dagegen bleiben andere Ein­sätze Kern in schmerzlicher Erinnerung: «Mir haben immer jene ­Fälle besonders zu schaffen gemacht, bei denen junge Menschen zu Schaden kamen.» Zum Beispiel, als sie eine Jugend­liche bergen mussten, die kurz nach den Lehrabschlussprüfungen tödlich verunglückt war. In diesen Momen­ten, in denen jede Hilfe ­ zu spät kommt, sei die Kameradschaft unter den Feuerwehrmännern wieder besonders wichtig: «Gemeinsam kann man einen solch tragischen Unfall besser verarbeiten.»

Für seinen Nachfolger, Michael Martin (siehe Kasten), hat der abtre­tende Marcel Kern nur einen Wunsch: «Ich hatte das Glück, dass immer alle Kameraden gesund von den Einsätzen zurück­gekommen sind. Das wünsche ich mir auch für meinen Nachfolger.» (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 17.04.2015, 08:28 Uhr

Der neue Kommandant

Der Nachfoger von Marcel Kern heisst Michael Martin

Der Nachfolger von Marcel Kern als Kommandant der Feuerwehr Adlis­wil ist dessen bisheriger Stellvertreter Michael Martin. Der 38-jäh­rige Vater einer Tochter ist seit 1999 Mitglied der Feuerwehr Adlis­wil. Seit sechs Jahren gehört er dem Stab an. Der Dienst als Feuerwehrmann ist für ihn ein Ausgleich zu seinem Beruf als Verkaufsleiter: «Ich schätze es, dass ich in der Feuerwehr Menschen helfen kann.» Diese soziale Ader scheint familiär bedingt zu sein, denn bereits sein Vater war bei der Feuerwehr. «Die Feuerwehr hat mich ein Leben lang beglei­tet», hält Martin denn auch ­lachend fest.

Der Zukunft sieht er gelassen entgegen. Grössere Verände­rungen sind nicht geplant, denn: «Als Stellvertreter konnte ich mich ja bereits jetzt einbringen.» Mit 65 Mitgliedern seien sie zudem gut aufgestellt. «Wünschenswert wäre einzig, dass mehr der Feuerwehrleute in Adlis­wil arbeiten, damit sie im Ernstfall sofort einrücken können.» (dl)

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