Wädenswil

Ein Garten, eine Familie und viel Begeisterung für das Theater

Zum 15. Mal gastiert dieses Jahr das Theater Kanton Zürich im Garten der Wädenswiler Villa Flora. Die Gastgeber, Rita Blumenthal und ihre Familie, verbinden mit den Freilichtaufführungen unvergessene Erlebnisse.

Die Familie von Rita Blumenthal (mitte) stellt ihren Garten für Theateraufführungen zur Verfügung.

Die Familie von Rita Blumenthal (mitte) stellt ihren Garten für Theateraufführungen zur Verfügung. Bild: Sabine Rock

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Passender hätte es nicht sein können: Fledermäuse, die vor der Kulisse des Vollmondes durch die Nacht schwirren. Und darunter, auf dem Boden, spielt sich eine Szene aus «Dracula» ab. Oder ein Sturm, der mit rauschendem Getöse das Blattwerk der 120-jährigen Buchen durchwühlt, derweil auf der Bühne «König Hirsch», umgeben von den Geistern des Waldes, um sein Glück kämpft.Das stimmungsvolle Miteinander von Natur und Theater in dieser und anderer Variante könnte manchem Gast im Garten der Wädenswiler Villa Flora nicht unbekannt sein. Denn dort, bei Rita Blumenthal, Giovanni Menghini und den drei Kindern der Familie, finden jeden Juni Theateraufführungen im Freien statt. Dies im Rahmen einer Tournee, die das Theater Kanton Zürich quer durch den ganzen Kanton unternimmt.

Am 19. Juni steht Shakespeares «Sommernachtstraum» auf dem Programm. Just mit diesem Stück hat 2002 die besondere Beziehung der Familie Blumenthal-Menghini zum Theater begonnen: In jenem Jahr sah sie im Park der Villa Grünenberg in Wädenswil die Komödie in der Inszenierung ebendieses Theaters Kanton Zürich.

Spontane Begeisterung

Die 57-jährige Rita Blumenthal lässt den damaligen Aufführungsbesuch Revue passieren. In den Erzählungen der gebürtigen Bündnerin jagen sich die Superlative — über die Inszenierung, die Schauspieler, den Park, ihre Begeisterung. Noch an Ort und Stelle habe sie den Manager des Theaters angesprochen. Ob er sich vorstellen könne, künftig bei ihr, im Garten der Villa Flora, zu spielen? Dies, weil der Park der Villa Grünenberg infolge Verkaufs derselben für weitere Durchführungen nicht mehr in Frage gekommen sei. «Vor allem aber wollten wir unseren Garten für die Bevölkerung öffnen», ergänzt Menghini. Als Dank, dass ihnen die Stadt Wädenswil die Villa mitsamt Umschwung 2001 im Baurecht abgegeben hatte.

Und weil es einfach schade sei, an der Idylle des verwunschen-romantischen Fleckens Grün nicht mehr Leute teilhaben zu lassen. Für sie selber, sagt Blumenthal, sei der naturnahe Garten «fast besser als das Haus». Vögel, Erdkröten, Molche und Igel fänden darin, nebst vielen anderen Tieren, ihren Lebensraum. Komme dereinst der Moment, an dem sie aus dem Haus ausziehen müsse, werde sie sich wegen des Gartens die Augen ausweinen, veranschaulicht sie. Jedenfalls sei der Theatermanager nach einem Besuch überzeugt gewesen, und das Familienprojekt der besonderen Art habe seinen Lauf nehmen können.

Und nun also findet es heuer zum 15. Mal statt. Bereits im Februar kündige sich das Unterfangen an. Ab dann liege sie ihm und den Kindern regelmässig in den Ohren mit ihren bangen Fragen, sagt Menghini scherzend über seine Frau. Ob das Wetter — in vier Monaten notabene – wohl gut sein werde. Ob er denn wirklich am Tag der Vorstellung frei genommen habe.

Erstes Mal mit grosser Freude

2004 galt es für die Familie — zu der die heute 20-jährige Tochter Caterina und zwei Söhne im Alter von 25 und 34 Jahren gehören — erstmals ernst als Theater-Gastgeber. Ein hartes Jahr sei es gewesen mit der Restaurierung der Villa und dem noch Unbekannten des Theaterabends im eigenen Garten. Gelte es doch, im Vorfeld Flyer aufzuhängen, am Vorstellungsabend die Bar zu betreiben, die Abendkasse zu besorgen und überhaupt danach zu sehen, dass alles reibungslos ablaufe. Nichtsdestotrotz, «es war eine irrsinnige Freude», erinnern sich die Hausherren.

Die Freude ist geblieben. Unvergessene Erlebnisse verbindet die Familie mit den Theaterabenden, ohne je schlechte Erfahrungen gemacht zu haben. Caterina erinnert sich an die Schauspieltruppe der ersten Jahre, die die Kinder bis in die frühen Morgenstunden mit Geschichten unterhalten hätten.

Bemerkenswert sei auch die stets spontane Gästeschar, die sich nicht zu schade sei, nach einer Regenpause Tribüne und Bühne abzutrocknen — gemeinsam mit den Schauspielern. «Viele Besucher kommen allein schon wegen des stimmungsvollen Ambientes», sagt Blumenthal. Einen einzigen Wermutstropfen kenne sie: «Ich würde gern richtig für das Publikum kochen und aus einer grossen Pfanne schöpfen.» Da aber beisst sie bei ihrem Mann auf Granit: Zu aufwendig, zu schwierig zu kalkulieren. Immerhin lasse sie es sich nicht nehmen, drei verschiedene Suppen zu servieren.

«Ein Sommernachtstraum» Dienstag, 19. Juni, 20.40 Uhr. Ausweichdatum: Dienstag, 26. Juni, 20.40 Uhr. Bar und Suppe ab 19 Uhr. Vorverkauf: Telefon 052 212 14 42, info@tkz.ch. Villa Flora, Floraweg 9, Wädenswil. www.theaterkantonzuerich.ch (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 14.06.2018, 15:57 Uhr

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