Langnau

Doppelter Ärger wegen Doppelspur

SVP-Kantonsrat Urs Waser hat sich in die Debatte rund um den Doppelspurausbau der SZU eingeschaltet — mit einer Anfrage an den Regierungsrat. Waser, Anwohner und der Gemeinderat zeigen sich enttäuscht über die Antwort.

Die Langnauer kämpfen mit einem auffälligen Plakat gegen Landenteignungen.

Die Langnauer kämpfen mit einem auffälligen Plakat gegen Landenteignungen. Bild: Manuela Matt

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Doppelt veräppelt fühlen sich die Langnauer wegen des geplanten Doppelspurausbaus der Sihltalbahn (SZU): Landenteignungen plus schlechtere Zugverbindungen kommen mit dem Gleisausbau der SZU auf sie zu. Diese Haltung drückt allein schon der Titel der jüngsten Anfrage von SVP-Kantonsrat Urs Waser aus: «Ist Langnau das Bauernopfer der Raumentwicklung der Stadt Zürich?».

Diese Ansicht führt er damit aus, dass die «überproportionale Siedlungsentwicklung» in Zürich auf Kosten des Gartendörflis in Langnau realisiert werden solle. Im Nachgang an die Antwort des Regierungsrats müsse diese Frage nun mit «Ja» beantwortet werden, sagt der SVP-Kantonsrat.

Keine Alternative

Der Regierungsrat weicht nämlich nicht von seiner bisherigen defensiven Haltung ab. «Eine Lösung ganz ohne Landerwerb ist nicht möglich», steht in der Antwort des Regierungsrats mehrmals. Das Gleis soll so verlaufen, dass das sogenannte Gartendörfli-Quartier quasi zum Gleis-Quartier mutiert, da sie künftig dem Lokführer der SZU fast das Gipfeli reichen können. Der Abstand von aktuell 9 Metern wird auf die Hälfte schrumpfen. Die wenig kompromissbereite Antwort des Regierungsrats überrascht Anwohner wenig — so sagt Theres Wyss vom Gartendörfliweg: «So klingt es schon lange — wir werden bloss wiederholt vertröstet.»

Eine andere Planungsvariante zieht der Regierungsrat nicht in Betracht. Eine solche forderten bereits im Dezember die Kantonsräte Davide Loss (SP, Adliswil) und Judith Bellaiche (GLP, Kilchberg) mit einem Vorstoss. Die Gemeindepräsidentenkonferenz des Bezirks Horgen weibelt dafür, dass die Kantonsräte das Postulat entgegen des Willens des Regierungsrats überweisen.

Veloweg verschieben

Die Ideen in Wasers Anfrage ähneln teils jenen im Postulat. Beide verlangen sie unter anderem eine Geschwindigkeitsreduktion auf der Sihltalstrasse, welche eine Verschmälerung der Strasse begünstigen könnte. Eine solche widerspräche aber der Funktion und Gestaltung dieser Strasse, lautet die abschlägige Antwort.

Auch von der Idee Wasers, den Veloweg zu verlegen, hält der Regierungsrat offenbar wenig. «Als einzige alternative Route kämen die Verbindungen entlang der Sihl infrage.» Das würde zu einem Engpass führen, da der Fussverkehr künftig zunehmen wird und schon jetzt Radfahrer und Fussgänger in Konflikt stünden. Waser wirft ein, dass alle Parteien Kompromisse eingehen sollten, so auch die Velofahrer, die durchs Dorf geführt werden könnten, um Platz zu gewinnen. Er bedauert, dass die Idee eines Tunnels oder einer Überdachung gar nicht erst geprüft wird.

«Schutz der Minderheiten»

Die abschlägigen Antworten bedauert auch der Langnauer Gemeinderat Rolf Schatz (GLP): «Dem Schutz der Minderheit wird überhaupt keine Beachtung geschenkt.» Tatsache sei doch, dass gerade entlang der Sihl eine Entflechtung des Fuss- und Radweges entstehen solle. «Das wäre doch die Gelegenheit für eine sinnvolle Lösung gewesen. Ebenso die Temporeduktion, welche immerhin nochmals einen Meter für die Anwohner bringen würde», sagt Schatz. Für die Anwohner sei jeder Zentimeter Land, der nicht enteignet werde, ein Gewinn. Es bleibe zu hoffen, dass der Kantonsrat Gegensteuer gebe und das erste Postulat überweise. So gibt sich Schatz kämpferisch.

Waser kann der Antwort des Regierungsrats indes auch Positives abgewinnen: Erstmals habe der Regierungsrat die Landreserven des Kantons nahe der Haltestelle Wildnispark-Höfli als Teil der Lösung in Betracht gezogen. Der Regierungsrat unterstreiche des Weiteren nicht nur die Möglichkeit, das Albis-seitige Trottoir aufzuheben, sondern stelle auch systematisierte Busanschlüsse auf den Viertelstundentakt der SZU in Aussicht.

«Nicht nur ein Butterbrot»

Ausserdem erklärt der Regierungsrat, die SZU werde mit den Grundeigentümern nach Lösungen suchen. «Dann erwarten wir aber eine rechte Entschädigung, nicht nur ein Butterbrot», sagt Wyss im Namen aller Gartendörfli-Bewohner. Sie verstehe nicht, warum an dieser Streckenführung festgehalten werde — immerhin seien mindestens zehn Parteien betroffen, die mit Sicherheit dagegen vorgehen werden und dadurch das ganze Projekt massiv verzögern könnten.

Die SZU aber will den Gleisausbau so schnell wie möglich umsetzen. Auch Waser streicht hervor, dass aus der Antwort des Regierungsrat ja hervorgehe, dass sie sich bewusst seien, dass Einsprachen von Anwohnern das Projekt verzögern könnten. Der SZU sei aber an einer raschen Umsetzung gelegen — das steht dem diametral entgegen. Also müsse man an einem Strang ziehen.

Als nächsten Schritt sieht der SVP-Kantonsrat nun, dass alle Parteien zusammensitzen und weiter Lösungsvorschläge wälzen. «Dank der Anfrage haben wir nun noch ein paar zusätzliche Aspekte gewonnen, die wir gebündelt bei weiteren Verhandlungen in die Waagschale werfen können», sagt Waser resümierend. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 12.07.2018, 18:40 Uhr

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