Langnau

Die Hühner und der Löwe des Sihltals

Im Landgasthaus Löwen kommt es zu einem Wirtewechsel. Nach zehn Jahren verlässt André Lesser, der ehemalige Koch der «Güggeli-Farm», das historische Restaurant am Unteralbis.

Das Bild hat den Moment festgehalten, als André Lesser den Löwen 2009 übernommen hat. Nun ist diese Ära vorbei.

Das Bild hat den Moment festgehalten, als André Lesser den Löwen 2009 übernommen hat. Nun ist diese Ära vorbei. Bild: Archiv Werner Zuber

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In der Küche des Landgasthauses Löwen Unteralbis stehen bald neue Köche am Herd. Nach zehn Jahren in Langnau legt André Lesser die Kochmütze nieder: «Wir hatten eine schöne Zeit hier und freuen uns, dass wir den Nachfolgern einen intakten Betrieb weitergeben können», sagt Lesser.

Einen konkreten Grund für seinen Weggang nennt er nicht, Widrigkeiten mit den Eigentümer habe es aber nie gegeben.«Der Löwen ist eine Institution in Langnau, und ich hoffe, dass wir mit unserem Team etwas dazu beitragen konnten.»

Heisse Flügeli, alte Mauern

Lessers Weggang erinnert Gourmands und Schlemmer an ein schmerzliches Kapitel: Der gebürtige Deutsche war vor seiner Zeit im Löwen jahrelang Koch in der Adliswiler Grüt-Farm. Das Restaurant galt kantonsweit als die Adresse für Pouletliebhaber. Flügeli à discrètion lockten seit den 1960er-Jahren scharenweise Familien, Wochenendausflügler und Wettesser ins Sihltal.

2009 wurde es unter grossem Protest geschlossen. Das Unternehmen Mövenpick hatte als Betreiberin der Grüt-Farm den Mietvertrag nicht verlängert, heute steht auf dem Gebiet ein Wohnhaus. Als bekannt wurde, dass André Lesser den Löwen übernommen hat, war das ein Trost für die Zürcher Pouletliebhaber.

Bis heute nimmt das Schwiizer Güggeli eine ganze Seite in der Speisekarte ein, und die «knusprig frittierten und pikant gewürzten» Flügeli können für 27 Franken à discrétion bestellt werden.

Doch nicht nur die Hühnchen haben Tradition, auch das Landgasthaus Löwen selber blickt auf eine lange Geschichte zurück. Schon vor knapp 500 Jahren wurden hier am Unteralbis hungrige und durstige Gäste bewirtet. Die Wirtschaft wird bereits 1530 im Verzeichnis der Wirtshäuser der zürcherischen Landschaft aufgeführt. Damit ist der Löwen eines von 200 Gasthäusern, die heute noch das alte Tavernenrecht besitzen.

Bald stehen neue Köche hinter dem Herd des Traditionsrestaurants. Archiv Moritz Hager

Per Ende Juli läuft Lessers Pachtvertrag aus. Danach wird das Landgasthaus an der Albisstrasse von einem jungen Wirteduo geführt, von Marco Vinzens (35) und Nemanja Todorovic (26). Seit drei Jahren führen die zwei einen eigenen Take-away-Laden in Zürich-Enge. Das Konzept sei erfolgreich, doch seit einiger Zeit «brenne es ihnen in den Fingern», erzählt Vinzens. «Wir sind beide Köche durch und durch und haben uns wieder nach einer richtigen Küche gesehnt.»

Von der kalten Küche zum Führen eines Restaurants mit rund 150 Plätzen zu wechseln, das macht den in Zürich lebenden Gastronomen keine Sorgen. «Wir haben beide jahrelange Erfahrung in der Gastronomie, bringen die nötigen Kenntnisse mit und wissen, was es bedeutet, ein Restaurant zu führen», sagt Vinzens.

Pächter geht, Güggeli bleibt

Als neue Pächter wollen die zwei vieles beim Alten belassen. «Die gut bürgerliche schweizer Küche entspricht uns, und diesen Schwerpunkt wollen wir auch weiterführen», erzählt Marco Vinzens.

Dennoch soll es auch Raum für neue Ideen geben.«Wir wollen einen speziellen Fokus auf Cordons bleus legen und neue Kreationen ausprobieren.» Viel Wert legen die Gastronomen auch auf eine möglichst regionale Herkunft ihrer Produkte. Geplant ist, dass die Nachfolger das Restaurant Mitte August eröffnen. Die Flügeli-Fans können jedoch aufatmen: Die Pouletflügeli haben auch nach dem Pächterwechsel ihren festen Platz auf der Speisekarte. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 12.04.2019, 17:03 Uhr

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