Schiffszuschlag

«Die Entlassungen stimmen mich nachdenklich»

Der Aufpreis für Fahrten mit Kursschiffen auf Zürichsee und Limmat fordert erste Opfer. Rund einem Viertel des Personals des Pächters der Gastronomie an Bord wird gekündigt. Das lässt auch den ZSG-Direktor nicht kalt.

Roman Knecht, Direktor der Zürichsee-Schifffahrtsgesellschaft, steht im Bug der Stadt Rapperswil und sagt: «Die Erwartungen sind eingetreten, ­natürlich habe ich trotzdem gehofft, dass es weniger wird.»

Roman Knecht, Direktor der Zürichsee-Schifffahrtsgesellschaft, steht im Bug der Stadt Rapperswil und sagt: «Die Erwartungen sind eingetreten, ­natürlich habe ich trotzdem gehofft, dass es weniger wird.» Bild: Patrick Gutenberg

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Um wie viel sind die Fahrgastzahlen auf den ZSG-Schiffen in diesem Jahr zurückgegangen?
Roman Knecht: Im ersten Halbjahr betrug der Rückgang 19 Prozent, inklusive Juli und August entspricht der Rückgang den Erwartungen: ein Viertel gegenüber dem Vorjahr.

Haben auch Sie es so erwartet?
Die Erwartungen sind eingetreten, natürlich habe ich trotzdem gehofft, dass es weniger wird.

Warum gingen im Juli und ­August die Fahrgastzahlen dermassen hoch – um 35 Prozent – zurück?
Im Moment wäre es zu speku­lativ, das zu erklären. Aber es ­besteht die Annahme, dass der Rückgang wohl zu einem grossen Teil auf den Schiffszuschlag zurückzuführen ist.

Weiss man, wo die Fahrgäste am meisten fehlen? Oder verteilt sich der Rückgang linear?
Es gibt keine Auswertung. Bei den Limmatbooten sind die Auswirkungen am sichtbarsten.

In der ZSZ hat Roland ­Thalmann, der Pächter der Bordgastro­nomie, seine Einbussen offengelegt. Sie betragen 20 bis30 Prozent. War das in diesem Ausmass zu erwarten?
Die Bordgastronomie ist eine eigenwirtschaftliche Firma. Daher möchte ich das nicht beurteilen. Grundsätzlich ist man davon ausgegangen, dass weniger Fahrgäste auch bei der Gastronomie spürbar sein werden. Man muss es jedoch im Gesamtkontext sehen: Das Verpflegungsverhalten hat sich gewandelt, was zu einem Rückgang der Gastronomienachfrage geführt hat. So wurde beispielsweise das Lunchschiff eingestellt.

Was heisst das für die ZSG: weniger Geld aus der Gewinnbeteiligung an der Bordgastronomie?
Der Rückgang hat Auswirkungen auf den Pachtzins, der eine Umsatzkomponente beinhaltet. Die ZSG wird es daher spüren.

«Die Erwartungen sind eingetreten, natürlich habe ich trotzdem gehofft, dass es weniger wird.»
Roman Knecht, Direktor der Zürichsee- Schifffahrtsgesellschaft

Muss der Pachtvertrag neu ausgehandelt werden?
Wir stehen in intensivem Austausch und unterstützen den Gastronomen, denn wir wollen eine für beide Seiten gute Lösung.

Wie nahe geht es ihnen,wenn ein von Ihnen abhängiges Unternehmen Personal ­entlassen muss?
Das beschäftigt mich. Es stimmt nachdenklich und macht betroffen.

Wie ist die Stimmung bei Ihrem Personal?
In erster Linie ist unser Auftrag, den Schiffszuschlag umzusetzen. Wir leben mit diesem Entscheid und versuchen das Beste daraus zu machen. Das gilt für alle Stufen in diesem Unternehmen. Manchmal fällt dies leichter, manchmal schwerer. Das ist menschlich.

Ist der Personalwechsel in der ZSG höher als in anderen Jahren?
Bis jetzt haben wir in diesem Jahr eine unterdurchschnittliche Fluktuationsrate.

Geht die Rechnung mit 3 Millionen Franken Mehreinnahmen unter dem Strich mit dem Schiffsfünfliber wirklich auf?Ist der Schiffszuschlag auch für 2018 in Stein gemeisselt?
Diese Frage wird der Zürcher Verkehrsverbund im neuen Jahr beantworten können. Mein Auftrag ist es, den Schiffszuschlag um­zusetzen. Entscheidend ist, was unter dem Strich von den Mehreinnahmen durch den Zuschlag bleibt.

Wer entscheidet, und wird sich die ZSG in die Diskussion mit ihren Erfahrungen einbringen?
Die Tarifhoheit liegt beim ZVV. Wir sind in ständigem Kontakt mit dem ZVV.

Rund ein Viertel weniger ­Fahrgäste bedeutet auch für den Selbstfinanzierungsgrad der ZSG keine Verbesserung: Wie gross ist dieser jetzt im Vergleich zu 2016?
Das ist die entscheidende Frage, aber leider kann ich sie jetzt noch nicht beantworten, das wird der ZVV bekannt geben. Ich bin sehr gespannt auf die Zahlen.

Muss man befürchten, dass bei leereren Schiffen der Kursfahrplan gekürzt wird und sogar die Flotte reduziert werden könnte?
Der Fahrplan für die kommenden zwei Jahre steht. Kürzungen und Flottenreduktionen sind darin nicht vorgesehen. Wir wollen unser Angebot grundsätzlich der Nachfrage anpassen, das ist unabhängig vom Schiffszuschlag. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 15.09.2017, 08:53 Uhr

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