Wädenswil

Die Energiegemeinden wollen informieren, statt den Mahnfinger zu heben

Die Energietage im Bezirk Horgen wurden in Wädenswil eröffnet.

Stadtrat Walter Münch (links) und Slampoet Simon Chen diskutieren über ihre Einkäufe.

Stadtrat Walter Münch (links) und Slampoet Simon Chen diskutieren über ihre Einkäufe. Bild: Patrick Gutenberg

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Simon Chens Hand kreist über den Plastiktomaten. Neben Chen geht suchend Stadtrat Walter Münch (FDP) vorbei, in der Hand ein orangefarbenes Einkaufskörbchen. Chen greift zu, das Biolabel scheint ihn überzeugt zu haben.

Er und Münch sind an diesem Abend als Promi-Shopper unterwegs. Sie setzen den Massstab für alle, die nach ihnen noch in diesem provisorischen Kleinsupermarkt auf dem Eidmattplatz in Wädenswil einkaufen werden. Das Ziel für die nachfolgenden Einkaufenden: nachhaltiger shoppen als der Stadtrat und der Kabarettist.

Schüler shoppen nachhaltig

Mit seinem Einkauf hat Walter Münch offiziell die anstehenden Energietage Zimmerberg eröffnet. Bis übernächsten Samstag finden im ganzen Bezirk unterhaltsame und informative Veranstaltungen statt, in welchen Bürgerinnen und Bürgern erklärt wird, wie sie sich klimafreundlicher und nachhaltiger verhalten können. «Wenn man weiss, wie, ist es einfach», sagt Rahel Thommen, Biologin und Expertin für nachhaltigen Konsum bei der Stiftung Biovision. Sie ist verantwortlich für den Kleinsupermarkt, in dem während der kommenden gut zwei Wochen mindestens 50 Schulklassen einkaufen und ihren Konsum analysieren werden.

Des Weiteren steht ein Podiumsgespräch mit den Nationalräten des Bezirks im Hotel Sedartis in Thalwil auf dem Programm, und am kommenden Dienstag sind die regionalen KMU zum Apéro riche nach Adliswil geladen, wo sie sich über Nachhaltigkeit austauschen werden. Diverse weitere Anlässe sind angesagt.

Programmverantwortlich für die Energietage ist Tom Porro, Geschäftsleiter der Fachgruppe Energiestädte des Bezirks Horgen. Diese Dachorganisation setzt im Bezirk Horgen den Volkswillen von 2017 um, als an der Urne das Ja zur Energiewende beschlossen worden war.

Zwang nützt nichts

«Mit Zwang erreichen wir aber nichts, wir wollen erklären und informieren. Mit diesem Vorgehen merken die Menschen meist schnell, dass sich die Tipps, die wir ihnen in der Energiewoche geben, problemlos in ihren Alltags integrieren lassen und dass sie obendrein Geld sparen können.»

Inzwischen hat sich auch SVP-Gemeinderatspräsident André Zürrer an den Einkaufskorb gewagt – und ist erstaunt. «Ich achte eigentlich nicht auf Nachhaltigkeit», gibt er zu. Dennoch wollte er mit Schweizer Produkten punkten. «Kann ja nicht sein», sagt der höchste Wädenswiler indes mit Blick auf die Auswertung seines Einkaufs. Die Butter, die Champignons und die Cervelats leuchten rot auf. «Das ist doch von Schweizer Tieren!», ruft er. Biologin und Nachhaltigkeitsexpertin Rahel Thommen klärt auf: «Die konventionelle Milchindustrie verfüttert auch Futtermittel aus Brasilien an Schweizer Kühe. Das wird also vom anderen Ende der Welt importiert. Nehmen Sie nächstes Mal ein Bioprodukt, die dürfen dieses Futter nicht verwenden.»

Einigkeit kommt dann aber doch noch auf: «Das lokale Produkt ist qualitativ immer besser», ist Zürrer überzeugt. Thommen ergänzt: «Und wegen des kürzeren Transportweges auch nachhaltiger.» Die Veranstaltungen der Energietage dauern noch bis zum 22. Juni an.

Mehr Informationen unter: https://www.energie2019.ch (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 14.06.2019, 07:16 Uhr

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