Zürichsee

Der Zürichsee ist wärmer denn je

Noch nie wurden im Zürichsee Temperaturen wie in diesem Jahr gemessen. Solche warmen Sommer haben einen Einfluss auf die Biodiversität des Sees.

Die Mitarbeiter des Limnologischen Instituts fahren alle zwei Wochen auf den Zürichsee und entnehmen dem Wasser Proben.

Die Mitarbeiter des Limnologischen Instituts fahren alle zwei Wochen auf den Zürichsee und entnehmen dem Wasser Proben. Bild: Sabine Rock

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Der Zürichsee hat Rekordwerte er­reicht: 26,5 Grad misst das Was­ser. Die Wassertemperatur ist heuer also bereits Anfang August ein halbes Grad wärmer, als sie durchschnittlich im gleichen Monat des Rekordsommers 2003 war.

Speziell ist dabei, dass diese Temperaturen sich bis weit unter die Wasseroberfläche halten. «26 Grad auf neun Meter unter der Oberfläche. – Das ist ein Rekord. Seit Messbeginn im Jahr 1972 war es in dieser Tiefe noch nie so warm», sagt Thomas Posch, Professor für Gewässerbiologie beim Limnologischen Institut der Universität Zürich in Kilchberg. ­Ende Juli

war der See 24 Grad warm. «Dass sich der See innert zwei Wochen um zwei Grad aufheizen kann und das bis auf zehn Meter unter der Wasseroberfläche, das ist nicht normal. Dafür braucht es wirklich hohe Lufttemperaturen», sagt Posch. Der Hitzesommer 2018 hat bereits vor Wochen einen weiteren Spitzenwert von 2003 überboten. An der Wasseroberfläche konnten bereits 27,5 Grad gemessen werden. Doch für den Experten sind diese Werte nicht sonderlich relevant. Denn im ersten Meter gibt es zwischen Tag und Nacht Schwankungen von bis zu 1,5 Grad. «Will man wissen, wie warm der See wirklich ist, dann muss man unter einem Meter messen. Dort bleiben die Tem­peraturen stabil», sagt Posch.

Wärme gefährdet die Fische

Derart warmes Wasser ist für gewisse­ Fischarten wie Forellen und Felchen eine grosse Belastung. Obwohl grössere Seen Hitzesommer wie diesen normalerweise gut ausgleichen können, kam es 2003 im Bodensee zu einem Sterben von Äschen. Dass so etwas auch den Fischen im Zürich­see droht, davon geht Thomas­ Posch aber nicht aus. Zum Fischsterben im Bodensee sei es in den Seeuntiefen gekommen. «Im Zürichsee ist selbst die flachste Stelle zwischen ­Stäfa und Rapperswil noch 24 Meter tief. Und unter zehn Metern fällt die Temperatur dann ab», sagt Posch. Wenn das Wasser oben also­ zu heiss ist für die Fische, können sie in die Tiefe flüchten.

Wärme fördert Bakterien

Während einige Organismen die Wärme scheuen, fördern solche Temperaturen das Wachstum von Bakterien. Der Grossteil von ihnen, die sich im Zürichsee befin­den, sind für den Menschen ungefährlich.

In den Uferregionen aber, wo sich viele Personen aufhalten, tauchen immer wieder gefähr­liche Fäkalbakterien auf. Doch laut Thomas Posch besteht auch bei den aktuellen Wassertem­peraturen kein Grund zur Sorge. «Das Wasser im See wird schnell genug ausgewechselt, sodass es nicht zu einer Häufung der Fäkalbakterien kommen wird.» (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 09.08.2018, 20:38 Uhr

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