Richterswil

Den Grenzbach in neuem Licht sehen

Das Mülibachtobel ist Teil der Grenze zwischen Wollerau und Richterswil, die am Kulturfestival Riwo Grenzenlos im Fokus steht. Lichtkunstwerke schmückten Wald und Bach des Grenzabschnitts.

LED Lichter beleuchten das Mühlibachtobel.

LED Lichter beleuchten das Mühlibachtobel. Bild: André Springer

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Gegen 20 Uhr Samstagabends versammeln sich knapp 200 Personen am Eingang des Mülibachtobels in Richterswil. Es ist dunkel, im Hintergrund rauscht der Mülibach. Eine nächtliche Wanderung durch das Tobel macht normalerweise wenig Sinn, da der Weg hindurch uneben, teilweise steil und vor allem unbeleuchtet ist. Aber an diesem Abend wissen die Menschen, was sie im Wald erwartet: Licht – das Thema der vierten Veranstaltung des Kulturfestivals Riwo Grenzenlos.

Das Ziel des Festivals, den Dialog über die Grenze Richterswil–Wollerau zu fördern und diese so durchlässiger zu machen, ist im Mülibachtobel kaum besser zu erfüllen. Durch die 1.2 Kilometer lange Waldgrenze verläuft der Mülibach als Grenzbach und der Mülitobelweg in Teilabschnitten auf beiden Gemeindegebieten. «Das Tobel ist ideal als verbindendes Element. Mit Lichtkunstwerken wurde es so geschmückt, wie es noch kein Richterswiler und auch kein Wollerauer je gesehen hat», sagt Kuratorin Edith Werffeli, welche gemeinsam mit Carole Kambli das Festival organisiert.

Gemeindepräsident führt durch den Wald

In Gruppen von je knapp 30 Personen beginnen nun die geführten Touren Richtung Wald und zu den Lichtkunstwerken. Eine der Gruppen wird sogar vom Richterswiler Gemeindepräsident Marcel Tanner (FDP) angeführt. Ausgerüstet mit einer Taschenlampe, zeigt er seiner Gruppe den Weg zur ersten Brücke über den Bach und somit zur ersten Installation. Durch den Mülibach verläuft hier ein blauer LED-Streifen, welche die Grenzlinie symbolisieren soll. «1999 kam es im Tobel zu einem grossen Hangrutsch, und der Fussweg musste neu verlegt werden. Die Hangsicherung übernahmen beide Gemeinden gemeinsam, und seither führen fünf Brücken über den Bach», erzählt Tanner seiner Gruppe.

Gemeindepräsident Marcel Tanner bei einer der Führungen entlang des Mühlibachs.

Die Wanderung geht weiter durch fünf Minuten Dunkelheit, ehe die zweite Installation wartet. Für diese hat Martin Riesen, verantwortlich für sämtliche Lichtkunstwerke, Unterstützung von Schülerinnen und Schülern der dritten Oberstufe des Schulhauses Boden in Richterswil erhalten. Diese haben in Workshops die Formen der polygonalen Körper sowie das Design von Licht-Schatten-Wurf der Lampen anhand von Prototypen aus Karton erarbeitet. Der Künstler hat diese als Vorlage für seine Lampen aus Holzplatten genommen, deren Ausschnitte mit Laser realisiert wurden.

Mehr Teilnehmer als erwartet

Während des Anstiegs durch das Tobel kommt es immer wieder zu kurzen Wartezeiten, bis die einzelnen Gruppen nach den Installationen weiterziehen können. So viele Leute auf einmal seien wohl noch selten durch den Wald gewandert, sagt Riesen. Und auch Kuratorin Edith Werffeli gibt zu: «Am Freitag waren über 400 Personen da. Mit einem solchen Ansturm haben wir nicht gerechnet.» Das zahlreiche Erscheinen freue sie natürlich und zeige, dass mit dem Festival der Nerv der lokalen Bevölkerung getroffen wurde.

Immer schön dem Licht folgen: Eine nächtliche Wanderung durch ein Richterswiler Tobel lockte viele Besucher.

Während Marcel Tanner am Freitag gleich zwei Führungen machen musste, kann er es am Samstag ein wenig gemächlicher angehen. Als er seine Gruppe unter der Autobahnbrücke hindurchführt, sind die massiven Säulen der Brücke mit violettem Licht beleuchtet und im Hintergrund Kriegsgeräusche zu hören. Beides sind Symbole für die gemeinsame Geschichte der Gemeinden Wollerau und Richterswil. Die Autobahnbrücke wurde 1968 eröffnet und erschloss ab dann Richterswil mit Wollerau bis Pfäffikon. Die Kriegsgeräusche spielen auf die Villmergerkriege an, in denen die katholischen Schwyzer gegen die reformierten Zürcher kämpften.

Gemeinsames Essen zum Abschluss

Die letzte Installation im Wald unterhalb des Sternensees zeigt abschliessend exemplarische Fakten und Klischees zwischen den beiden Gemeinden auf. Sie werden auf zwei Leinwände, je eine links und rechts der Kantonsgrenze, projiziert. Einwohnerzahlen, Sehenswürdigkeiten oder Steuerverhältnisse je Gemeinde sind auf den Leinwänden zu sehen. Humorvoll wird dem «Grüezi» auf Richterswiler Seite ein «Hello» in Wollerau entgegengestellt.

Beim Haus und Atelier des Holzkünstlers Thomas Hausenbaur oberhalb des Waldes endet die Führung. Hier werden durch die Kulturkommission Wollerau Ghackets mit Hörnli und Getränke verteilt. Nach den Führungen in Kleingruppen erfüllt sich beim Essen und Trinken schliesslich das Ziel des Kulturfestivals: Richterswiler und Wollerauer tauschen, angeregt durch die Erlebnisse im Wald, beim geselligen Zusammenkommen ihre Eindrücke aus und verbringen den restlichen Abend gemeinsam.

Erstellt: 23.09.2019, 06:30 Uhr

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