Hirzel

Das Wort «Aufgeben» gibt es für ihn nicht

Daniel Gerber nimmt Ende Monat an den Berufs-Europameisterschaften in Budapest teil. Als Elektroinstallateur will der Hirzler die Goldmedaille in die Schweiz holen. Dafür trainiert er jede freie Minute.

Der ehrgeizige Elektroinstallateur Daniel Gerber kämpft ab dem 26. September um den ersten Platz an den Euro Skills Competitions.

Der ehrgeizige Elektroinstallateur Daniel Gerber kämpft ab dem 26. September um den ersten Platz an den Euro Skills Competitions. Bild: Moritz Hager

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Daniel Gerber steht konzentriert vor seiner Elektroinstallation. Bei Feller in Horgen kann er jederzeit ungestört für seinen grossen Wettkampf trainieren. Der 23-jährige Elektroinstallateur nimmt vom 26. bis 28. September an den Euro Skills Competitions, den Berufs-Europameisterschaften, in Budapest teil. Dafür opfert er jede freie Minute.

Seit zwei Jahren bereitet er sich auf seinen grossen Einsatz vor. Seit etwa zehn Monaten sehr intensiv. Dass er in Budapest seinen Berufsstand, Elektroinstallateur, vertreten darf, ehrt ihn. Es ist für ihn eine einmalige Chance, weil Teilnehmer höchstens 25 Jahre alt sein dürfen und die Europameisterschaften nur alle zwei Jahre stattfinden. Der Hirzler will nicht nur dabei sein, sondern am Schluss zuoberst auf dem Siegertreppchen stehen. «Natürlich will ich die Goldmedaille holen», sagt der ehrgeizige junge Mann. Am wichtigsten ist ihm aber, dass er sein Bestes geben wird.

Diagnose Leukämie

Dass Daniel Gerber einmal an einer Euro Skills Competion mitmachen kann, das war nicht immer klar. Denn bis dahin war es ein steiniger Weg. Daniel Gerber war ein Spitzensportler. Als Skirennfahrer wollte er durchstarten und Karriere machen. Er fing die Lehre zum Elektroinstallateur bei Ammann Elektro in Horgen an. Dort wurde ihm ermöglicht, eine Sportlerlehre zu absolvieren, so hatte er immer noch genügend Zeit zum Trainieren. Daniel Gerber brachte gute Leistungen, bei der Arbeit wie auch in der Schule. So hätte es weiter gehen können.

Doch das Schicksal machte ihm einen Strich durch die Rechnung. «Ende des ersten Lehrjahres bekam ich die Diagnose Leukämie», sagt Daniel Gerber. Der 23-Jährige erzählt ganz ruhig von dieser schweren Zeit, er hadert nicht mit seinem Schicksal, sondern hat es angenommen und gegen die Krankheit gekämpft. Zwei Jahre lang bekam er Chemotherapie. «Es war knapp, ich wäre fast gestorben», sagt er. Die Krankheit und der Kampf dagegen haben ihn noch stärker gemacht. «Seit ich die Leukämie besiegt habe, gibt es das Wort Aufgeben für mich nicht mehr.» Er geniesse und schätze sein Leben, jede Minute davon.

Konzentration auf Ausbildung

Nach einer Weile konnte er langsam wieder in den Beruf einsteigen. Doch mit dem Spitzensport wars vorbei. »Ich hatte einen solch grossen Trainingsrückstand und das Risiko für Verletzungen war zu gross», erzählt er. Deshalb entschied er sich, sich voll und ganz auf seine Ausbildung zum Elektroinstallateur zu konzentrieren. Und er gab Vollgas, schloss sie ausgezeichnet ab. Während eines überbetrieblichen Kurses wurde Daniel Gerber von Experten darauf angesprochen, bei den Berufs-Regionalmeisterschaften der Kantone Zürich, Schwyz und Schaffhausen mitzumachen.

«Es war knapp, ich wäre fast gestorben.»Daniel Gerber

Sein Sportler- und Kampfgeist war wieder geweckt, er schaffte es unter die besten Acht. Weitere Trainings und Ausscheidungswettkämpfe folgten und so schaffte er es 2016 an die Berufs-Schweizermeisterschaften. Ganz knapp verpasste er den zweiten Platz und somit das Ticket an die Berufs-Weltmeisterschaften, die 2017 in Abu Dhabi stattfanden. Doch mit dem dritten Rang war er zur Teilnahme an den Euro Skills Competitions in Budapest qualifiziert. «Zuerst hat es mich schon gefuchst, dass ich nicht an die Weltmeisterschaften konnte», gesteht er.

Doch im Nachhinein sei es gut so, wie es ist. «Ich hatte mehr Zeit, mich vorzubereiten und im Rahmen der EM-Vorbereitungen viel erlebt.» Er konnte sein Beziehungsnetz erweitern, eine Russlandreise erweiterte seinen Horizont. Er bekam Mentaltraining, Medienschulung und Teambildung.

Grosse Unterstützung

Daniel Gerber ist gut vorbereitet und bereit für seinen Einsatz in Budapest. Etwa 70 Prozent seiner Aufgabe, die er während drei Wettkampftagen erfüllen muss, sind ihm bekannt. «Ich weiss zwar einen Grossteil dessen, was ich machen muss, aber die Reihenfolge ist unbekannt.» Er muss nicht nur die Installation perfekt erstellen, sondern auch Messungen und Programmierungen vornehmen. Die reine Wettkampfzeit beträgt 18 Stunden. «Wir stehen unter einem extrem hohen Zeitdruck», so Daniel Gerber. Anfangs, bei seinen ersten Trainings, dachte er, dass er das niemals schaffen würde. Doch viele Übungsstunden später ist er überzeugt, dass es ihm gelingen wird.

Unterstützung erfährt er nicht nur von seiner Familie. Auch Freunde und Nachbarn reisen mit nach Budapest, um den Wettkämpfer vor Ort anzufeuern. «Ohne meinen tollen Arbeitgeber und meine Familie und Freunde wäre dies gar nicht erst möglich», ist Daniel Gerber überzeugt. Danken will er es ihnen, in dem er die Goldmedaille in die Schweiz holt. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 11.09.2018, 14:32 Uhr

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@zsz.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 044 928 55 82. Mehr...

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Bonus-Angebote

Bonus-Angebote

Alle Bonus-Angebote im Überblick.