Horgen

«Cosmos Schwan» begeistert mit Horgner Lokalbezug

Das Theaterstück «Cosmos Schwan» ist eine Zeitreise durch 5000 Jahre Horgner Geschichte. Im Stück lässt sich vieles wiedererkennen. Aber auch für Überraschungen ist gesorgt. 

Für viel Amüsement, aber auch für ernsthaftere Momente sorgt das Stück «Cosmos Schwan» beim Horgner Publikum. Foto: Patrick Gutenberg

Für viel Amüsement, aber auch für ernsthaftere Momente sorgt das Stück «Cosmos Schwan» beim Horgner Publikum. Foto: Patrick Gutenberg

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Die Rechnung kommt immer. Auch wenn man nicht mehr daran denkt. Das jedenfalls erfahren am vergangenen Donnerstagabend in Horgen 25 Personen. In der Kälte stehen sie um den Brunnen vor dem Schwanen, Horgens geschichtsträchtigem Gasthaus. Vor ihnen stehen der Gemeindepräsident und der Gemeindeschreiber. Eben noch hat Ersterer feierlich darüber gesprochen, warum auf der Brunnensäule der ortsbekannte Schwan thront. «Weil wir Neingesagt haben.» Nein dazu, ob sich Horgen das gefallen lassen müsste: dass nämlich ein Löwe auf dem Brunnen sitze. So, wie die letzten 175 Jahre. Nicht irgendein Löwe, nein. Ein Zürcher Löwe! Mit Zürcher Fahne! Dieser Seitenhieb gegen die Grossstadt geht den Anwesenden wie Honig die Kehle runter.

Aber dann kommt er eben: der Moment, in dem ihr Stolz, ein Horgner zu sein, jäh endet. Mit ernstem Gesicht stellt der Gemeindepräsident die Frage aller Fragen: Warum denn der Schwan auf einem Pfeil sitze? Sein Blick in die Runde widerspiegelt bodenlose Enttäuschung: Niemand weiss es.

Durch 5000 Jahre

Ganz so ernst ist die Sachlage aber doch nicht. Spricht doch der Gemeindepräsident von 1893 zum Publikum. Dieser wird nämlich verkörpert vom Schauspieler Oliver Kühn. Er und seine drei Mitspieler vom Theater Jetzt inszenieren seit November das Stück «Cosmos Schwan». Es ist eine Zeitreise durch gut 5000 Jahre Horgner Geschichte – in der der erwähnte Gasthof neben dem Schwanenbrunnen eine wichtige Rolle spielt. Apropos Rolle: Diese wechseln die Darsteller während des Stücks in munterem Rhythmus. Und manchmal scheinen sie auch ganz aus der Rolle zu treten. So fragt sich Kühn etwa, für was die unzähligen Proben gut gewesen seien. Wenn sie dann vor einem Publikum spielen müssten, das über alles andere Bescheid wisse, nur nicht über die Lokalhistorie. Auch das ist so ernst nicht gemeint.

Dass der Abend eine heitere Verknüpfung vom Damals mit dem Heute wird, steht für die Zuschauer schon gut drei Stunden zuvor ausser Zweifel. Die lange Dauer der Aufführung ergibt sich dadurch, dass diese mit einem Essen kombiniert ist, welches die Theaterhandlung auf seine Weise widerspiegelt. «Das Nebeneinander von Kunst und Kulinarik stand ganz am Anfang der Entstehung von ‹Cosmos Schwan›», sagt Monika Gysel, ehemalige Präsidentin des Verkehrsvereins Horgen (VVH).

Bedenken der Bewohner

In Zusammenarbeit unter anderem mit dem VVH hat Oliver Kühn das Stück verfasst. Die Spezialität des Ostschweizers ist es, auf einen bestimmten Ort hin ein Theater zu schreiben. Mit dem Schwanen sei er auf interessantes Terrain gestossen, das er durch intensive Recherchen in Archiven bearbeitet habe, sagt er. Da der Schwanen das Zentrum des Stückes spielt, kommt dieses nicht ohne die legendäre ehemalige Wirtin Josi Forrer aus, welche sich immer wieder zu Wort meldet. Es sind kurze Einsprengsel, die in der Essenspause aber für Gesprächsstoff sorgen. Wie auch die Pläne für ein Horgen mit modernisiertem Dorfkern und Flugplatz. In kurzen Videosequenzen sprechen einige Bewohner über ihre damaligen heimatschützerischen Bedenken. Ein eher nachdenklicher Moment in einer Inszenierung, die ansonsten für viel Amüsement sorgt und mit starkem Beifall bedacht wird.

Weitere Spieldaten: Freitag und Samstag, 8. und 9. Februar; Freitag, Samstag und Montag, 1., 2. und 4. März. Jeweils 19 Uhr (4. März ohne Essen), Restaurant Schwan, Zugerstrasse 9, Horgen.

(Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 02.02.2019, 10:03 Uhr

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