Wädenswil

Chefbrauer verlässt das Wädi-Bräu

Eine weitere negative Nachricht für die Wädi-Brau-Huus AG: Braumeister Sebastian Fleck geht zur Konkurrenz. Zur Nachfolge und der weiteren Zukunft gibt sich Geschäftsführer Christian Weber bedeckt.

Braumeister Sebastian Fleck (links) und Christian Weber werden sich seltener sehen.

Braumeister Sebastian Fleck (links) und Christian Weber werden sich seltener sehen. Bild: Patrick Gutenberg

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Noch an der Generalversammlung zeigte sich Braumeister und Verwaltungsrat Sebastian Fleck als Vermittler zwischen wütenden Aktionären und seinen Verwaltungsratskollegen der Wädi-Brau-Huus AG. Jetzt wird bekannt, dass er bald einen neuen Arbeitgeber haben wird. Am 1. September wird er bei Turbinenbräu in Zürich als Braumeister anfangen. Er ersetzt dort den bisherigen Braumeister, der seinerseits das Unternehmen verlässt, wie Turbinenbräu-Geschäftsführer Adrien Weber gegenüber dieser Zeitung bestätigt.

Warum dieser Schritt genau zum jetzigen Zeitpunkt erfolgt, bleibt vorerst unbeantwortet. Fleck, der sechs Jahre bei Wädi-Bräu gearbeitet hat, weilt zurzeit in den Ferien.

Er bleibt Verwaltungsrat

Nach der krawalligen Generalversammlung im Juni mit dem Kapitalschnitt ist der Abgang des süddeutschen Braumeisters ein weiterer herber Schlag für die Wädenswiler Brauerei. Mehrheitsaktionär Christian Weber antwortet entsprechend vorsichtig auf Fragen. Was das für die Brauerei bedeutet, beantwortet er nicht. Auch seine persönlichen Gedanken zum Schritt des Braumeisters behält er für sich.

Zunächst stellt Weber aber klar, dass Sebastian Fleck der Brauerei als Verwaltungsrat erhalten bleibt. Wäre es nicht so, hätte der Verwaltungsrat das an der Generalversammlung bekanntgegeben, sagt er. Damals dürfte allerdings auch schon bekannt gewesen sein, dass der diplomierte Braumeister in Zukunft an einem anderen Ort brauen wird. Was gegenüber den anwesenden Aktionären nicht erwähnt wurde.

Niveau halten

Zu weiteren Personalfragen und Massnahmen, um die Brauerei zukunftsfähig zu machen, äussert sich Weber zurzeit nicht. Diese würden zuerst intern kommuniziert und zu gegebenem Zeitpunkt nach aussen getragen. Zur Zukunft der Brauerei teilt er nur so viel mit: «Wenn es um die personelle Besetzung der Brauerei geht, gilt nach wie vor, dass die Qualität unserer Bierspezialitäten das Wichtigste für einen nachhaltigen Erfolg auf dem Markt ist und diese auch in Zukunft auf dem bestehenden Niveau gehalten werden wird». Damit lässt er offen, ob der Braumeister ersetzt wird oder ob mit dem heutigen Personal, einer Brauerin und einem Brauer, weitergemacht wird.

An der Generalversammung vom 27. Juni war viel die Rede davon, dass die Personalkosten gesenkt werden mussten. Dabei stand allerdings das Gasthaus im Vordergrund, nicht die Brauerei. Betont wurde auch, dass Einsparungen beim Personal nicht reichen werden, um die Zukunft zu sichern.

Achtmal mehr Bier pro Jahr

In Zürich-Altstetten stösst Braumeister Sebastian Fleck in andere Dimensionen vor. Turbinenbräu, das unter anderem die Biere Sprint und Rekord produziert, kommt auf einen Jahresausstoss von 17000 Hektolitern Bier. Das ist mehr als acht mal soviel wie bei der Wädi-Brau-Huus AG.

In Zürich hat sich die 1997 gegründete Brauerei als urbane Nachfolgerin von Hürlimann etabliert, das seit 1996 bei Feldschlösschen in Rheinfelden gebraut wird. Turbinenbräu beliefert weit über 100 Beizen, seit einigen Jahren auch in anderen Städten wie Genf, Freiburg, Basel oder Bern. Bis zum rasanten Aufstieg der Winterthurer von Doppelleu (Chopfab) war Turbinenbräu die grösste Brauerei des Kantons.

Im Frühling 2018 war die Zürcher Brauerei in den Schlagzeilen, weil ein neues Saisonbier die Gemüter in Nepal erhitzte. Das Bier hiess Birendra, nach dem ehemaligen nepalesischen König. Auf der Etikette war zudem das Konterfei des Königs zu sehen. Offenbar eine Beleidigung für viele Nepalesen. So hat sich sogar die Schweizer Botschaft in Kathmandu in die Angelegenheit eingemischt.

Erstellt: 12.07.2019, 17:12 Uhr

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