Wädenswil

Bühnendichter kommen wieder ins Rampenlicht

Der Poetry Slam ist zurück in Wädenswil: Nach vier langen Jahren hat die Lesegesellschaft Wädenswil die Disziplin der schlagfertigen Bühnenpoeten wieder in ihr Programm aufgenommen.

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Der Poetry Slam, der Ringkampf der Bühnenpoeten, hat nach vier Jahren wieder zurück ins Programm der Lesegesellschaft Wädenswil gefunden.

Der Programmpunkt scheint eine grosse Lücke hinterlassen zu haben, die am Mittwoch von neun Sprachkünstlern mit selbstverfassten Texten gekittet wurde. «Die ausgeschriebenen Plätze waren innert sehr kurzer Zeit ausgebucht», berichtet Claudia Flade, Mitglied der Lesegesellschaft, sie hat den Anlass gemeinsam mit Gudula Langhardt auf die Beine gestellt. Nicht nur die Plätze auf der Bühne des renommierten Theater Ticino sind bei Wortakrobaten aus der ganzen Deutschschweiz begehrt, auch die Publikumsplätze sind voll besetzt.

Der Wädenswiler Coiffeur Jens Engelhardt, der als Moderator durch den Abend führt, zeigt hier ein weiteres Talent und begrüsst das Publikum sprachgewandt und mit Charme, als ob er nie etwas anderes getan hätte.

Lokal geht es auch auf der Bühne weiter, die Philipp Stauffer als erster der neun Slam-Poeten betritt. Der «Wädenswiler mit Migrationshintergrund» wie er sich selbst nennt, holt sich ein paar Lacher mit seiner Ausführung über das Leben in der digitalen Welt, die nach dem Prinzip «Zuckerberg oder Peitsche» funktioniere.

Wortgewandter Sport

Auch Jan Rutishauser, der nächste Slam-Poet, steht mit viel Freude auf der Bühne. Der St. Galler, eher Rampensau als scheues Reh, zeigt, wie ein Text in die Runde geschmissen werden kann. Schon beim Titel, «Der Wein – eine Lobrebe», hat er das Publikum in der Tasche.

Die Wucht von Worten muss aber nicht immer in derselben Lautstärke wirken, wie die Wortakrobatin Jennifer Unfug zeigt. Sie hinterlässt eine nachdenkliche Stille im Zuschauerraum, nachdem sie das Publikum mit besonnener Poesie am Schmerz über den Tod ihres Paten teilnehmen lässt. Auch Lukas Becker trifft mit seinen wohl gewählten Worten über die Wirkung eines Gedichtes aus Kindheitstagen auf das Leben einer an Alzheimer erkrankten Frau den Nerv der Zuschauer. Drei Texte, die das Publikum mit begeistertem Klatschen ins Finale einziehen lässt.

Dort zeigt die Wortakrobatin Jennifer Unfug ihr grosses Spektrum an literarischem Können. Ihr zweiter Text ist laut und bestimmt, so auch sie auf der Bühne, als sie ihre Wut über die «stille Erwartung an Frauen, schön anzuschauen zu sein» kundtut. Lukas Becker unterstreicht seine poetische Seite mit einem zweiten Text über eine Begegnung mit einem süchtigen Teenager in Kolumbien, der auch in gedruckter Form seine Magie bewahren würde.

Der dritte im Bunde, Jan Rutishauser, spielt mit seiner Schwierigkeit als Kind, lesen zu lernen. Im Text «Schwarz auf Weiss» überzeugt er wiederum mit unglaublichem Wortwitz und einem sprachlichen Repertoire, das ihm so schnell niemand nachmacht. Er ist es auch, der mit dem Pokal in Form einer Flasche «Jack Daniels» als Sieger zurück in die Ostschweiz fährt.





Erstellt: 13.02.2020, 15:00 Uhr

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