Samstagern

Baupfusch an Marienkirche sorgt für Kosten und viel Ärger

In der vor drei Jahren erstellten Marienkirche muss wegen Fehlplanungen die komplette Innendämmung ersetzt werden. Experten sprechen von einem Totalschaden.

Die katholische Kirche in Samstagern wird im Gottesdienstraum voraussichtlich noch bis im August saniert.

Die katholische Kirche in Samstagern wird im Gottesdienstraum voraussichtlich noch bis im August saniert. Bild: André Springer

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Die Katholische Kirchgemeinde Richterswil/Samstagern wandert aktuell durch ein finsteres Tal. Die Marienkirche in Samstagern muss teuer saniert werden. Brisant: Das Gotteshaus ist gerademal drei Jahre alt. Die moderne, 2,2 Millionen Franken teure Kirche mit ihrer dunkelgrauen, schräg zum integrierten Glockenturm zulaufenden Fassade wurde erst im Februar 2012 durch Bischof Vitus Huonder eingeweiht. Viel gebracht zu haben scheinen die segnenden Worte jedoch nicht: Bei der Marienkirche wird aktuell die komplette Innendämmung rausgerissen und ersetzt. Ein aufwendiges Prozedere. Max Stenz, der die erste Expertise zum Bau der Kirche erstellt hat, spricht «von einem Totalschaden der Innendämmung». Stenz ist Architekt und hat zudem die Bauleitung der Sanierung übernommen. Das Problem beschreibt er folgendermassen: «Durch risikohafte Berechnungen des Bauphysikers und zudem unsachgemässe Ausführungen des Gipsers versagte die Wirkung der Innendämmung.»

Die Folge: Im Winter bildete sich Kondenswasser sowie Eis zwischen der Dämmung und der Sichtbetonmauer der Marienkirche. In der Folge wurde die Dämmung instabil und zeigt bereits Zerfallserscheinungen. Für die Sanierungsarbeiten bleibt die Marienkirche bis Anfang August geschlossen.

Honorar gestrichen

Wie hoch die Schadensumme ist, darüber schweigen sich alle beteiligten Parteien auf Anfrage aus. Dafür redet Max Stenz von Baupfusch. Gemäss Stenz hätten die gravierenden Baumängel vom ausführenden Architekten, der gleichzeitig die Bauleitung innehatte, erkannt werden müssen.

Andres Uhl von Forster & Uhl Architekten GmbH war eben jener Architekt. Er wehrt sich: «Nach dem Konstruktionsvorschlag des Bauphysikers strich die Bauherrschaft – die Kirchenstiftung – das weitere Honorar desselben.» Den Bauphysiker und seine fachliche Begleitung des Bauprozesses hätte es jedoch weiter gebraucht, sagt er. Die Architekten hatten damals zudem der Bauherrschaft einen anderen Gipser vorgeschlagen. «Die Kirchenstiftung entschied sich jedoch für das günstigste von fünf Angeboten.»

Experten sind sich einig

Nach wie vor überzeugt, dass sein Konstruktionsvorschlag der richtige war, ist der damals verantwortliche Bauphysiker Daniel Gilgen: «Wäre unser Mandat nicht fertig gewesen, hätten wir im weiteren Prozess die Baumängel durch die Gipserfirma sicherlich erkannt.» Dass die Baukommission angeblich das Honorar des Bauphysikers gestrichen haben soll, davon will Pfarrer Mario Pinggera nichts wissen: «Das stimmt einfach nicht.» Für ihn ist die Sachlage klar: «Der planende Architekt Andres Uhl hatte die Gesamtbauleitung und ist somit auch verantwortlich.»

Zwischenzeitlich wurden wegen des Baupfuschs mehrere Expertisen erstellt. Die Anwälte der beteiligten Parteien verhandeln aktuell mit den jeweiligen Versicherungen. Zum Gerichtsprozess wird es nicht kommen. Die hinzugezogenen Bauphysiker sind sich einig: Auch wenn die Arbeiten des Gipsers unsachgemäss waren, hätte bei der Innendämmung eine sogenannte Dampfsperre angebracht werden müssen. Diese hätte die Feuchtigkeitsbildung zwischen Dämmplatten und Betonmauern verhindert. Laut Architekt Andres Uhl wird ein Teil des Schadens durch den Gipser getragen. Den Restbetrag würden sich seine Versicherung und diejenige des Bauphysikers teilen. Die Konstruktionsänderung der neuen Innendämmung der Marienkirche fällt teurer aus als die alte. Diesen Mehrbetrag trägt die Bauherrschaft. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 19.04.2015, 21:11 Uhr

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