Horgen

An der Pforte zum Paradies

Das Theater T-Nünzg feiert am Freitag Premiere seines neuen Stücks «Die Erziehung der Engel» von Esther Vilar. Darin greifen die Schauspielerinnen und Schauspieler das Tabuthema Tod auf.

Gott (Annette Bernhard) gibt eine letzte Weiterbildung für frisch Verschiedene, wie sie zu Engeln werden.

Gott (Annette Bernhard) gibt eine letzte Weiterbildung für frisch Verschiedene, wie sie zu Engeln werden. Bild: Michael Trost

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Mit dem Theaterstück «Die Erziehung der Engel» der argentinisch-deutschen Ärztin und Schriftstellerin Esther Vilar will das Theater T-Nünzg zum Nachdenken anregen und aufrütteln. Was passiert, wenn wir sterben? Gibt es Gott? Solche und andere Fragen werden aufgegriffen. «Unser aller Leben ist zeitlich begrenzt, der Tod ist aber immer noch eines der grössten Tabuthemen», sagt Regisseur Otti Marty. Im Stück gebe es auch lustige Szenen, aber keine Schenkelklopfer. «Wir sehen Theater nicht nur als 08/15-Unterhaltung, es muss nicht immer zum Lachen sein. Man darf auch mal ein ernstes Thema aufgreifen.»

Die Schauspielerinnen und Schauspieler mussten sich denn auch stark mit den Themen Tod, Leben nach dem Tod, Gott oder Göttin auseinandersetzen. Das Stück spielt in einer grossen Wartehalle. Ist es eine Wartehalle am Flughafen, am Bahnhof oder das Wartezimmer von Gott im Himmel? So genau definiert ist es nicht. Fest steht nur, dass alle Frauen und Männer, die diesen Raum betreten, tot sind. Gestorben aufgrund eines Unfalls, eines Herzinfarkts oder aus anderen Gründen.

Keine Parallelen

Die 19-jährige Aida Patak steht zum ersten Mal bei einer grösseren Produktion auf der Bühne. Die Zürcherin hat im Gymnasium beim Schultheater zum ersten Mal Theaterluft geschnuppert und war sofort fasziniert von der Schauspielerei. «Ich wollte unbedingt weitermachen und bin so auf das Theater T-Nünzg gestossen», erzählt die junge Frau. Beim Casting, das sie für ihre Rolle bestreiten musste, rechnete sie sich zwar keine grossen Chancen aus, doch sie bekam die Rolle. Aida Patak spielt eine Feministin, die jedes Klischee erfüllt: Sie mag keine Männer, in ihren Augen sind Männer an allem schuld. Parallelen zu ihrem wahren Ich gibt es keine. Das macht es umso herausfordernder für sie, die Rolle authentisch zu spielen. Hilfe und gute Tipps bekommt sie von Regisseur Marty und anderen Schauspielkollegen, die schon länger auf der Theaterbühne stehen.

Der Pfarrer, der auch in den Warteraum kommt und die Begegnung mit Gott kaum abwarten kann, ist dann aber ziemlich schockiert, als er erfahren muss, dass Gott eine Frau ist. Und diese behauptet sogar noch, dass es gar keine Hölle gebe. Es handle sich lediglich um einen Interpretationsfehler. Nun ist der Pfarrer total verwirrt. Ein Toter nach dem anderen betritt den Wartesaal, jeder hat seine Geschichte und Wahrheiten, aber auch Lügen.

Theater als Heilungsprozess

Evelyne Heiderich aus Horgen hat sich einen grossen Traum erfüllt. Mit 73 Jahren steht sie nach Jahrzehnten – sie spielte als Jugendliche schon gern Theater – wieder auf der Bühne. «Eigentlich hätte ich damals gerne weitergemacht, aber das Leben kam dazwischen», erzählt sie. Sie habe gewusst, jetzt oder nie, und sich beim Theater T-Nünzg beworben. In ihrer Rolle spielt sie die Witwe eines bekannten und reichen Künstlers. «Ich bin total oberflächlich, nur aufs Geld aus, einfach ein total fieses Stück», beschreibt sie ihre Figur. Auch sie hatte zuerst grosse Mühe, in die Rolle hineinzufinden, hat diese doch keine Ähnlichkeiten mit ihrer Person. «Als ich mich damit auseinandergesetzt und es auch zugelassen habe, kamen Gefühle in mir hoch, die ich lange unterdrückt hatte», verrät sie. Trauer, Frustration und Wut. Dies half ihr, ihre Figur zu gestalten und dieser Ausdruck zu geben. Und auch privat sei es ein Heilungsprozess für sie gewesen.

14. bis 28. Juni, jeweils 20 Uhr. Festhütte Käpfnach, Horgen. Spieldaten, Informationen und Tickets unter: www.t-nuenzg.ch oder Telefon: 079 607 08 80. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 11.06.2019, 17:16 Uhr

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Blogs

Michèle & Friends Midlife-Crisis? Nehm ich!

Von Kopf bis Fuss Diese Frau erinnert sich an alles

Bonus-Angebote

Bonus-Angebote

Alle Bonus-Angebote im Überblick.