Schifffahrt

Als sich die Schiffspassagiere auf dem Schoss sassen

Das Querschiff konnte nach dem Bahnunfall in Wädenswil am Mittwoch nicht alle Personen ans rechte Ufer mitnehmen. Das bringt eine legendäre Fahrt mit dem Querkurs in Erinnerung.

Die Tatsache, dass nach dem Bahnunfall in Wädenswil vom Mittwoch viele Passagiere auf Querschiffe ausweichen mussten, erinnert an eine legendäre Fahrt mit dem Querkursschiff «Stäfa» vor über 60 Jahren. Die MS «Stäfa», erbaut 1936, war eines der ersten Motorschiffe auf dem Zürichsee.

Die Tatsache, dass nach dem Bahnunfall in Wädenswil vom Mittwoch viele Passagiere auf Querschiffe ausweichen mussten, erinnert an eine legendäre Fahrt mit dem Querkursschiff «Stäfa» vor über 60 Jahren. Die MS «Stäfa», erbaut 1936, war eines der ersten Motorschiffe auf dem Zürichsee. Bild: Archiv Christian Dietz-Saluz

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150 Personen dürfen mit den im Querverkehr verwendeten Motorschiffen «Forch» und «Zimmerberg» befördert werden. Das war am Mittwochmorgen um eine Person zu wenig. Der entgleiste Güterwaggon in Wädenswil, der die linksufrige Bahnline ausgerechnet während des intensiven Berufsverkehrs blockierte, liess viele Pendler aufs Schiff ausweichen. Sie wollten von Männedorf und Stäfa aus mit der S-Bahn nach Zürich fahren.

Dabei gab es einen 151. Pendler, der vorschriftsgemäss in Wädenswil zurückgelassen wurde. Das ruft bei Josua Dürst eine legendäre Geschichte in Erinnerung. Der alt-ZSZ-Redaktor schrieb im 1985 erschienenen Buch «150 Jahre Dampfschiffe auf dem Zürichsee» (Verlag Th. Gut, Stäfa) eine Episode nieder, wie sich eine Überfahrt an einem sonnigen März-Sonntag vor über 60 Jahren mit dem ebenfalls auf 150 Plätze limitierten Schiff «Stäfa» ereignet hat.

Alle wollten ans Sonnenufer

Erzählt hat sie Dürst der frühere Kapitän Gottlieb Leuthold: «Das einzige Mittagsschiff fuhr um 13.45 Uhr von Wädenswil nach Männedorf und Stäfa. Auf diesen Kurs konzentrierten sich all die Sonnenhungrigen, die mit Vorliebe um diese Jahreszeit das mildere Gestade aufsuchen wollten. Viele waren enttäuscht, wegen Überlastung des Schiffes nicht mitfahren zu können.

Schon begann sich eine missmutige Stimmung breitzumachen. Begreiflicherweise war es nicht möglich, ein weiteres Schiff in so kurzer Zeit einzusetzen. Schimpfende Stimmen wurden laut, weil kein grösserer Kahn zur Verfügung stand. Zudem war mir klar, dass anderntags unhöfliche Reaktionen aufs Direktorenpult flattern würden. Dies wollte ich vermeiden, indem ich versuchte, allen die Überfahrt zu ermöglichen», erzählte der Kapitän.

Kinderwagen auf dem Dach

«Darauf rief ich in die grosse Schar, die weit über 150 Personen zählte, dass sie alle mitfahren können. ‹Drängt und zwängt euch dicht aneinander wie in einer Sardinenbüchse.› Sie alle stürmten ins Schiff hinein. Schliesslich zwängte sich auch noch der Letzte ins Schiff. Die Bänke waren nicht wie üblich schwach besetzt. Nein, dicht gedrängt sass Mann an Mann, und jeder hatte noch einen Fahrgast auf den Knien. Mir lachte das Herz im Leibe und mit mir freuten sich alle, die nun doch ans Sonnenufer fahren konnten», wird Leuthold im Buch zitiert.

Und weiter: «Einzig die vier Väter mit ihren Kinderwagen machten ein enttäuschtes Gesicht. Auch für sie fand ich eine Lösung. Ich qualifizierte sie als währschafte ‹Zürisee-Hegel› und offerierte ihnen, auf dem Dach mitzufahren.

Freudige Zustimmung! Breitspurig standen die vier stolzen Väter auf dem ‹Oberdeck› und hielten ihr Sprösslingsgefährt in ihren festen Händen. Im Schiff strahlten frohe und glückliche Gesichter. Wie wenig braucht es doch, unseren Mitmenschen eine Freude zu bereiten!» (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 07.09.2017, 15:08 Uhr

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