Adliswil

Adliswils neues Reservoir Rellsten fasst 700 Kubikliter Trinkwasser

Die Arbeiten am neuen Trinkwasserreservoir Rellsten sind beendet. Im Rahmen einer Führung wurde das neue Wasserreservoir am Mittwoch vorgestellt.

Normalerweise ist die Drucktür verschlossen und die Kammer mit Wasser gefüllt.

Normalerweise ist die Drucktür verschlossen und die Kammer mit Wasser gefüllt. Bild: Michael Trost

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Nach einer einjährigen Bauphase öffnete das neue Trinkwasserreservoir Rellsten am Mittwochabend seine Türen für die Presse. Sobald die Füsse die schwarze Matte mit Desinfektionsmittel überschritten haben, kann die entleerte Wasserkammer durch eine spezielle Drucktür betreten werden. Diese Türen wären bei gefüllten Kammern aufgrund des Wasserdrucks unmöglich zu öffnen. Im Inneren ist es kühl – beinahe wähnt man sich in einer Tropfsteinhöhle.

Im Innern der grauen Kammer befindet sich ein überdimensionaler Massstab. «4,75 Meter, das ist der höchste Wasserstand in den beiden Kammern. Bei einem höheren Stand wird das Wasser durch die Überleitung abgelassen», erklärt Andreas Luck, Hauptverantwortlicher der Bauleitung. Luck erklärt den Besuchern auf der Führung durch das Trinkwasserreservoir die Funktion jeder einzelnen Leitung und Klappe.

Einiges muss beim Bau eines Reservoirs berücksichtigt werden: Beispielsweise sollte bei der Installation einer Belüftung darauf geachtet werden, dass niemand das Wasser durch die Lüftung mit einer giftigen Flüssigkeit verschmutzen könnte.

Blumenwiese auf dem Dach

Das neue Reservoir Rellsten hat zwei Kammern mit einem Fassungsvermögen von insgesamt 700 Kubiklitern Wasser. Das sind zwar rund 300 Kubikliter weniger als im alten Reservoir, für die Wasserversorgung von Adliswil stellt das aber kein Problem dar. Ein Technikraum dient auf zwei Etagen der Steuerung und Überwachung des Reservoirs.

Der vier Millionen teure Bau ist unscheinbar grau, mit einer auffällig unregelmässigen Fassade. In zwei Jahren wird das Flachdach des Reservoirs aber bunt: Eine Wildblumenwiese wird für einen Farbtupfer sorgen und die Biodiversität in Adliswil fördern. Noch fehlt das Logo über dem Eingang – das ortsansässige Unternehmen konnte es für das Gebäude nicht fristgerecht fertigstellen. In der Begrüssungsrede weist Stadträtin Carmen Marty Fässler (SP) auf die lange und schwierige Planungsphase hin.

Durch eine Luke fällt der Blick auf das frische Trinkwasser von Adliswil. Fotos: Michael Trost

Schon im Mai 2003 wurde nach einer Zustandserfassung beanstandet, dass die zukünftige Trinkwassersicherheit im Reservoir Rellsten nicht mehr gewährleistet werden könne.

Klar war, dass das Reservoir aufgrund der veralteten Infrastruktur saniert werden musste. Es besass unter anderem keine Kanalisation, folglich hätte das Wasser bei einer allfälligen Verschmutzung in den nahe gelegenen Bach abgeleitet werden müssen. Das alte Trinkwasserreservoir befand sich zudem direkt bei der Luftseilbahn Adliswil–Felsenegg (LAF). Bei einer vollen Gondel senkte sich die Seilbahn nahe an das Reservoir. Bei Bauarbeiten wäre der Betrieb der Luftseilbahn deswegen beeinträchtigt gewesen. Deshalb fiel der Entscheid für einen Neubau, ein paar Meter südlich direkt neben dem Felseneggweg.

Reservoire gleichen sich aus

Weit verschoben werden konnte der Bau nicht, da für das Trinkwasserreservoir die Meereshöhe von 500 Meter über Meer mehr oder weniger eingehalten werden musste.

«Nur so kann das Reservoir Rellsten noch gut mit dem Reservoir Wacht am anderen Ufer der Sihl kommunizieren», erklärt Paolo Tripoli, Betriebsleiter Wasserversorgung der Energie 360 Grad AG. Hat eines der Reservoire mal zu wenig Wasser, gleichen sich die beiden Standorte aus. Würde eines viel höher liegen, wäre die Kommunikation zwischen den beiden Wasserreservoiren schwierig.

Rellsten ist nicht nur ein Trinkwasserreservoir, sondern dient auch als Wasserspeicher für die Feuerwehr. Zusätzlich kann das Stufenpumpwerk 40 Liter Wasser pro Sekunde in die höher gelegenen Reservoire Oberleimbach und Kopf pumpen. «Adliswil hat eine sehr sichere Wasserversorgung», sagt Tripoli von Energie 360 Grad. Er erklärt, dass die Stadt in erster Linie Wasser von den über 30 Quellen aus der Umgebung oder vom Grundwasser aus 10 bis 20 Meter Tiefe beziehe.

Die Rahmenbedingungen für den Bau eines neuen Trinkwasserreservoirs seien kompliziert gewesen, sagt André Hartmann, Werkbetriebsleiter Stadt Adliswil. Um die Trinkwasserversorgung für die Bevölkerung aufrechtzuerhalten, blieb das alte Reservoir während der Bauarbeiten am Netz. Ausserdem mussten die Abstände zu Wald und Gewässern eingehalten werden. Laut Hartmann hätten auch die Nachbarn «ihre Rechte eingefordert».

Virtuelle Führung für Bürger

Mit dem Neubau des Trinkwasserreservoirs Rellsten wird die bestehende Versorgungskette um ein weiteres Glied ergänzt und die sichere Trinkwasserversorgung der 19'000 Menschen gewährleistet werden. Rund 700 Meter lang wäre laut Tripoli der Güterzug, um das Wasser für den täglichen Bedarf der Adliswiler Bevölkerung zu transportieren.

In circa einer Woche wird für die Bevölkerung, die aufgrund der engen Platzverhältnisse nicht an der Führung eingeladen war, ein virtueller Rundgang durch das Wasserreservoir Rellsten im Internet zur Verfügung stehen.

Erstellt: 11.07.2019, 21:46 Uhr

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