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Richter verurteilen Adliswiler wegen Tötung zu zehn Jahren Gefängnis

Ein 62-Jähriger soll seine Partnerin geschlagen und erwürgt haben. Er sagt, sie sei häufig gestürzt, weil sie Alkoholikerin war. Dass sie erwürgt wurde, bezweifelt er.

Das Bezirksgericht Horgen befasst sich am Mittwoch mit einem Tötungsdelikt.
Das Bezirksgericht Horgen befasst sich am Mittwoch mit einem Tötungsdelikt.
Patrick Gutenberg

Eigentlich scheint der Fall klar: Eine Frau starb Ende Oktober 2017 in einer Wohnung in Adliswil. Sie wies massive Verletzungen auf, darunter Rippenbrüche, Nasenbeinbruch und einen Kehlkopfbruch. Die Rechtsmediziner stellten fest, dass die Frau durch Strangulation ums Leben gekommen ist. Die einzige Person, die in der möglichen Tatzeit bei ihr war, ist ihr Partner.

Am Bezirksgericht Horgen bestätigt der trotz des Vorwurfs locker wirkende 62-Jährige, dass er vom 30. Oktober, ab 23 Uhr, bis am 1. November um 6 Uhr fast durchgehend in der Wohnung war. Dass er seine Partnerin getötet hat, bestreitet der Schweizer aber vehement. Er zweifelt den Tod durch Strangulation an. Die Verletzungen hätte sie sich zuziehen können, weil sie häufig gestürzt sei. Seine Partnerin sei eine starke Alkoholikerin gewesen. Er habe ihr geholfen auf die Beine zu kommen.

Der 30. Oktober sei ein Glückstag gewesen, endlich habe er ihre Finanzen in Ordnung gebracht. Dass er sich kurz vor Mittag schon drei oder vier Kafi Luz genehmigte, findet er angemessen. Mit Alkohol habe er kein Problem, er trinke nur an freudigen Anlässen. Dass er gewalttätig sein soll, vor allem unter dem Einfluss von Alkohol, sei falsch. Diese Behauptungen stammten von Adliswils Randständigen, die seien ein «Sauhaufen» und «Abschaum vom Feinsten». Offenbar meint er die Leute, mit denen seine Partnerin verkehrte.

In diesem Gebäude an der Glärnischstrasse in Adliswil kam 2017 die Frau ums Leben. Bild: Archiv Sabine Rock
In diesem Gebäude an der Glärnischstrasse in Adliswil kam 2017 die Frau ums Leben. Bild: Archiv Sabine Rock

Streit in der Beiz

Doch was geschah in seinen Augen? Nach dem vormittäglichen Abstecher kehrte er am Abend zurück in die Beiz im Adliswiler Zentrum. Die Partnerin war schon da. Wieder stand Kafi Luz auf dem Menü. Eine «Strichliliste» habe er nicht geführt, viele seien es aber nicht gewesen. Nachdem sie gegangen war, geriet er mit anderen Gästen in Streit. Einen zerrte er an den Haaren vom Stuhl. Andere prügelten auf ihn ein, er wurde aus der Beiz verwiesen. Draussen sei er erneut niedergeschlagen worden. Der Richter sagt, auf dem Video einer Überwachungskamera sei zu sehen, dass er stark schwanke und gestützt wird. «Das liegt am Niederschlagen, nicht am Alkohol», führt der Beschuldigte aus.

Auf dem Heimweg sei er mehrfach umgefallen, teilweise im Gebüsch aufgewacht. Er könne sich an vieles nicht mehr erinnern, habe eine Teilamnesie. Zuhause habe er die Freundin auf dem Boden vorgefunden. Er gab ihr mehrere Ohrfeigen, aus «medizinischen Gründen». Sie sei aber nicht aufgewacht. Darauf habe er sie in die Badewanne getragen. Dies als «lustige Bestrafung», weil er ihr Trinkverhalten nicht toleriert habe. Am nächsten Morgen sei ihm aufgefallen, dass ihr Gesicht ganz rot war. Darauf habe er sie ins Bett getragen und ihr ein Pyjama angezogen.

DNA-Spuren am Hals

Für den Staatsanwalt ist die Sache klar: Er hat sie geschlagen und erwürgt. Dafür würden auch die DNA-Spuren des Mannes unter ihren Fingernägeln und an ihrem Hals sprechen. Er verlangt eine Freiheitsstrafe von 15 Jahren wegen vorsätzlicher Tötung. Der Verteidiger will einen Freispruch. Es könnte auch sein, dass sie im Suff an ihrer Zunge erstickt sei. Der Beschuldigte wünscht sich, dass «das Zeug» endlich vorbeigeht. Zuvor wehrte er sich wortreich gegen den Ausdruck Strangulation.

Die Bezirksrichter folgen dem Staatsanwalt. Der 62-Jährige wird wegen vorsätzlicher Tötung verurteilt. Es sei absurd, zu behaupten, dass die Frau nicht durch Strangulation gestorben sei, sagt der Vorsitzende Richter. Selbst Laien würden das erkennen. Die Strafe senken die Richter aber. Dem Täter könne nur ein Inkaufnehmen des Todes, ein sogeannter Eventualvorsatz, nachgewiesen werden, kein Vorsatz. Sie verurteilen ihn zu zehn Jahren Gefängnis. Das Urteil kann noch ans Obergericht weitergezogen werden.

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