Bezirksgericht Horgen

61-Jähriger hat Geld kassiert ohne die Ware zu liefern

Fast 300 Kunden warteten vergeblich auf die bestellten und bezahlten Artikel. Der Besitzer des Onlineshops soll das Geld für eigene Zwecke missbraucht und so seine Kunden betrogen haben. Er sagt, sein Geschäftspartner habe ihm Geld geschuldet.

Schamloser Internet-Händler vor dem Bezirksgericht Horgen: Der 61-Jährige habe über einen Onlineshop 292 Personen um insgesamt 56'000 Franken geprellt.

Schamloser Internet-Händler vor dem Bezirksgericht Horgen: Der 61-Jährige habe über einen Onlineshop 292 Personen um insgesamt 56'000 Franken geprellt. Bild: Keystone

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Schamlos soll er betrogen und seine Kunden getäuscht haben. So sieht es die Staatsanwaltschaft. Demnach hat der 61-jährige Schweizer zusammen mit einem Angestellten über einen Onlineshop Elektronik und Haushaltsartikel verkauft. Die Kunden mussten per Vorauskasse bezahlen. Doch nicht alle erhielten die Ware. 292 Personen stehen auf der Liste der Geprellten. Der Schaden beträgt rund 56 000 Franken.

So weit sind sich am Mittwoch am Bezirksgericht Horgen alle einig. Der Verteidiger weist den Betrugsvorwurf aber zurück. Sein Klient habe keinen Profit gemacht. Er hätte den Kunden die Gelder schon zurückerstattet. Das Problem sei der Geschäftspartner in Deutschland gewesen, der ihm noch Geld geschuldet habe.

Allerdings ist der Horgner kein Unbekannter. Schon vor diesem Verfahren stand er im Fokus der Justiz. Dies nachdem sich Kunden etwa beim «Kassensturz» über ihn beschwert hatten. Zwei Untersuchungen gab es zu einem früheren Zeitpunkt. Der Beschuldigte kam jedoch jeweils ohne Strafe davon. Die Klagen klangen ähnlich wie jetzt. Man warte lange auf Lieferungen, das Geld werde erst nach Beschwerden oder Drohung mit Betreibung zurückerstattet, dauernd würden Ausreden erfunden.

Schlechtes Geschäft

Vor Gericht beklagte sich der Beschuldigte, dass das Onlinegeschäft «sehr schwierig» sei. Er werde nun die Finger davon lassen. Zuvor hatte er über die Jahre mehrere Shops betrieben, immer wieder neue gegründet. Bestellt wurden die Waren in Deutschland, ein Lager besassen die Firmen nicht. Ein Geschäft schien das Ganze nicht gewesen zu sein. Das Geld zum Leben habe er von seiner Mutter bezogen, behauptete der 61-Jährige. Bei ihr wohnt er heute wieder, seine Eigentumswohnung musste er verkaufen. Er habe immer sehr bescheiden gelebt, so der Beschuldigte. Neue Kleider habe er sich nicht geleistet, bei einer Krankenkasse sei er schon lange nicht mehr.

Mieser Ruf im Internet

Die Staatsanwältin sieht den Betrug darin, dass der Beschuldigte alles tat, um die Kunden zu täuschen. So sei die Website des Shops professionell aufgezogen und bei Preisvergleichsdiensten registriert gewesen. Auch habe er vermieden, dass sein Name mit der Firma in Verbindung gebracht werde. So wurden beispielsweise als Geschäftsführer Personen angegeben, die nichts mit der Firma zu tun hatten. Und gegenüber Kunden habe sich der Beschuldigte unter anderen Namen gelmeldet. «Ich musste das tun, mein Name wurde im Internet mit Betrug in Verbindung gebracht», sagte der 61-Jährige. Dafür sei ein Kunde verantwortlich, der ihn wegen 50 Franken beim «K-Tipp» schlecht gemacht habe.

Für die Staatsanwältin ist das eine von vielen Ausreden. Auch bezüglich der Gründe für die ausbleibenden Lieferungen und fehlenden Rückerstattungen habe der Beschuldigte immer wieder neue Gründe genannt. Er habe immer wieder «dreiste Tricks» angewendet. Sie forderte eine bedingte Freiheitsstrafe von 19 Monaten.

Der Verteidiger wollte hingegen einen Freispruch. Das Geschäft habe schlicht nicht so funktioniert wie erhofft. Betrügen sei aber nie das Ziel seines Klienten gewesen. Er habe nicht einfach einen neuen Shop aufgebaut, sondern eine neue Geschäftsidee, den Verkauf von Kühlschränken und ähnlichem, ausprobiert. Über 2000 Kunden hätten keinen Grund für eine Beschwerde gehabt. Der Beschuldigte wies im Schlusswort vehement den Vorwurf zurück, ein Betrüger zu sein. «Zu 80 Prozent ist das Geschäft an den beteiligten Personen gescheitert», meinte er.

Die Richter haben am Mittwoch noch kein Urteil gefällt. Es wird den Parteien schriftlich zugestellt. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 06.09.2017, 17:33 Uhr

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