5G-Antennen erreichen den Zürichsee

Das 5G-Netz breitet sich immer schneller über die Schweiz aus. Auch rund um den Zürichsee strahlen bereits die ersten Antennen. Das sorgt auch für Skepsis und Kritik.

Antennen wie diese sollen die Schweiz mit einem schnelleren Internet versorgen. Auch am Zürichsee stehen bereits die ersten.

Antennen wie diese sollen die Schweiz mit einem schnelleren Internet versorgen. Auch am Zürichsee stehen bereits die ersten. Bild: Symbolbild/Keystone

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5G sorgt derzeit schweizweit für Schlagzeilen. Während die einen den neuen Mobilfunkstandard verteufeln, ist er für andere unabdingbar, um den digitalen und wirtschaftlichen Fortschritt zu garantieren. Die Mobilfunktechnologie der fünften Generation, angeboten von Swisscom, Sunrise und Salt, ermöglicht unter anderem ein schnelleres und stabileres Internet als dies mit den aktuellen Technologien 2G, 3G und 4G der Fall ist. Während Sunrise und Swisscom bereits die ersten Antennen umgerüstet haben, wird Salt in der zweiten Hälfte dieses Jahres starten.

Auch in der Zürichseeregion bestehen bereits erste Standorte für 5G-Antennen. Gemäss Karte des Bundesamtes für Kommunikation (Bakom) stehen am linken Zürichseeufer in Horgen, zwischen Freienbach und Richterswil sowie in Leimbach nahe der Adliswiler Stadtgrenze 5G-Antennen. Im Bezirk Meilen sind die Standorte Zumikon und Zollikerberg eingezeichnet. Die Karte des Bakoms ist jedoch mit Vorsicht zu geniessen. Sie zeigt nur jene Standorte, für welche die Mobilfunkanbieter eine 5G-Versuchskonzession erhalten haben. Das bedeutet, dass alle Antennen angezeigt werden, unabhängig davon, ob sie in Betrieb waren oder nicht. Wie das Bakom auf Anfrage mitteilt, werde es noch einige Wochen dauern, bis eine Karte mit den effektiven 5G-Antennen verfügbar ist.

Gesuche für neue Antennen oder Umrüstungen sind auch in den Gemeinden Oberrieden, Meilen und Küsnacht eingegangen. Die Mobilfunkanbieter reichen diese jedoch stets technologieneutral ein. Das heisst, die neuen oder umfunktionierten Antennen können für 2G, 3G, 4G oder 5G verwendet werden.

Antenne auf Arztpraxis

Mit einigen Gemeinden führen die Anbieter ein sogenanntes Dialogmodell. So auch mit Horgen. Sie ziehen die kommunalen Behörden beispielsweise beim Standortentscheid der Antennen mit ein. In Horgen liegt ein Gesuch für einen Austausch einer Antenne mit erhöhter Frequenz auf dem Gemeindehaus vor.

Die Mobilfunkanbieter müssen bei den Gemeinden ein Baugesuch einreichen, egal ob eine Antenne neu gebaut oder eine bestehende umfunktioniert wird. Doch keine Regel ohne Ausnahme. Im Hirzel sind zwei 5G-Antennen entstanden, ohne dass die Gemeinde über ein Baugesuch entscheiden konnte. Da grundsätzlich die Leistung der Antenne und nicht die Generation massgebend ist, können gewisse Umrüstungen in einem sogenannten Bagatellverfahren durch den Kanton alleine bewilligt werden. Dies ist dann möglich, wenn lediglich die Antenne ausgewechselt wird, ohne dass dies eine Leistungssteigerung zur Folge hat. Gemäss kantonaler Baudirektion prüft die Fachstelle rund zwei bis dreimal mehr Bagatellfälle als Baugesuche im ordentlichen Verfahren. Entsprechend ist es schwierig zu sagen, wie viele 5G Antennen effektiv in der Region stehen.

Die Angst vor Strahlung

In Küsnacht plant die Sunrise derzeit eine acht Meter hohe Antenne für rund 100 000 Franken nahe des Bahnhofs. Geplant ist sie auf einem Geschäftshaus an der Kohlrainstrasse 10, in welchem sich unter anderem eine Frauenarztpraxis befindet. Ein Gesundheitsrisiko? Die Sunrise verneint. «Der Bundesrat hat die Verordnung über den Schutz vor nichtionisierender Strahlung erlassen», sagt Sunrise-Sprecher Rolf Ziebold. «Die sehr strengen Grenzwerte dienen dem Schutz der gesamten Umwelt und insbesondere von Orten wie Spitälern, Alters- und Pflegeheimen oder Kindergärten.»

Hierzulande herrschen zehnfach strengere Grenzwerte für Strahlung als im Ausland. Die niedrigeren Grenzwerte haben letztlich mehr Antennen zur Folge. Die Sunrise rechnet, dass wegen der Grenzwerte über 65 Prozent der Anlagen nicht weiter mit 4G oder neu mit 5G ausgebaut werden können. Für die flächendeckende 5G-Versorgung seien daher rund 15 000 neue Antennen nötig. Würde der Grenzwert erhöht, müssten entsprechend weniger Antennen gebaut werden. Eine Erhöhung scheiterte 2018 im Ständerat.

Angst vor möglichen Gesundheitsschäden durch die Strahlung besteht nach wie vor. Kantone wie Genf, Jura und Waadt wollten mit Moratorien den Ausbau des 5G-Netzes verhindern. Der Bund wies sie diese Woche in die Schranken, die Moratorien seien rechtswidrig. Die Mobilfunkanbieter versuchen zu beruhigen. «Nach allem was heute wissenschaftlich bekannt ist, gibt es keine Gefährdungen aufgrund der Strahlung», sagt Sunrise-Sprecher Ziebold. Organisationen wie die «Ärztinnen und Ärzte für Umweltschutz» sehen das skeptischer. Man wisse bisher zu wenig über die Auswirkungen.

Erstellt: 08.05.2019, 15:17 Uhr

5G erklärt

Was ist 5G und was nützt es?

Was ist 5G?

Bei 5G handelt es sich um eine neue Generation des Mobilfunks – die fünfte, wie der Name verrät. Diese wird die bestehenden Mobilfunkstandards ergänzen. In der Schweiz haben die drei Anbieter Sunrise, Swisscom und Salt Anfang Februar die entsprechenden Frequenzen für 15 Jahre ersteigert. Den Löwenanteil schnappte sich die Swisscom und zahlte fast 196 Millionen Franken an den Bund. Salt zahlte 95 Millionen und Sunrise 89 Millionen Franken.

Warum braucht es 5G?

Die Menschheit produziert eine Unmenge an Daten. Experten rechnen, dass bis 2025 rund 175 Zettabytes an Daten existieren werden. Das ist eine Zahl mit 21 Nullen. Würde man alle diese Daten auf CDs brennen, gäbe es einen CD-Stapel, der über 23 mal von der Erde zum Mond reichen würde. Um diese Datenmasse bewältigen zu können braucht es ein schnelleres Netz.

Was bringt 5G?

Mit der neuen Technologie sollen Konsumenten das Internet zehn bis 20 Mal schneller nutzen können. Vor allem Videos sollen sich so schneller streamen lassen. Neben einem schnelleren Internet soll der neue Mobilfunkstandard weitere Technologien unterstützen. So soll 5G einerseits das sogenannte Internet der Dinge ermöglichen. Das sind beispielswiese vernetzte Haushalts- oder Industriegeräte. Andererseits fördert 5G auch das Steuern von Drohnen, selbstfahrenden Autos oder Überwachungskameras.

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