Horgen

14 Horgner Kandidaten stellten sich bissigen Fragen

Zu Gast auf der Bühne des Schinzenhofsaals waren am Montagabend 14 Kandidaten. Die Anwärter auf einen Sitz im Gemeinderat und das Schulpräsidium stellten sich kritischen Fragen zu aktuellen Themen in Hinblick auf die Wahl.

Die 14 Kandidaten für den Horgener Gemeinderat und das Schulpäsidium auf der Bühne des Schinzenhofsaals. (Ganz rechts: Moderator der Podiumsdiskussion Arthur Schäppi)

Die 14 Kandidaten für den Horgener Gemeinderat und das Schulpäsidium auf der Bühne des Schinzenhofsaals. (Ganz rechts: Moderator der Podiumsdiskussion Arthur Schäppi)

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Drei neue Kandidaten fordern die bisherigen Gemeinderäte, die alle ihr Amt behalten wollen, heraus. Am Montagabend stellten sie sich auf dem Podium im Schinzenhofsaal den kritischen Fragen von Moderator Arthur Schäppi, Journalist der Zürichsee-Zeitung. Die rund 200 anwesenden Stimmbürger hatten auf diese Weise die Gelegenheit, sich eine Meinung darüber zu bilden, wem sie an der Wahl vom 15. April ihre Stimme geben.

Zu gewissen Themen nahmen auch die drei Anwärterinnen auf das Schulpräsidium Stellung. Die alle eine Gemeinsamkeit haben, wie Schäppi zu Beginn des Podiums anmerkte: «Keine der drei Kandidatinnen bekleidete bisher ein politisches Amt.» Ob es nicht kritisch sei, gleich nach dem Präsidium zu greifen, zumal dies kein bisheriger Gemeinderat wage, wollte Schäppi wissen. «Ich fühle mich gerüstet», antwortete Karin Mari-Lutz (SVP). Sie sei Präsidentin einer Regionalbank und wisse daher, wie man ein Team führt. Zudem besitze sie kommunikative Fähigkeiten und könne daher vermitteln. Sie sei gewillt, gute Lösungen zu finden.

Christa Stünzi (GLP) zählt auf die Kollegialbehörde und möchte das Gespräch mit den Schuleinheiten und den Eltern suchen. «Als Juristin kann ich zuhören, auf mein Gegenüber eingehen und reagieren», sagte sie.

Bereits die vergangenen sechs Jahre hat sich Nathalie Böttinger (FDP) für die Schule Horgen eingesetzt und wolle dies auch weiter tun. «Ich fühle mich dem Amt gewachsen», sagte sie. Warum die FDP als stärkste Partei nicht lieber auf einen weiteren Sitz im Gemeinderat verzichten möchte, wendete sich Schäppi an Nathalie Böttinger. «Wir bringen eine Konstante in den Gemeinderat», erwiderte sie.

Mari-Lutz entgegnete auf die Frage, warum sie für das Schulpräsidium kandidiere: «Ich habe mir lange überlegt, ob ich für den Gemeinderat kandidiere, aber das Schulpräsidium ist das, was mich interessiert.»

Christia Stünzi begründet ihre Kandidatur damit, dass sie ursprünglich aus dem Hirzel kommt und die GLP für den Hirzel vertrete.

Dauerthema Hallenbad

Verschont von Arthur Schäppis kritischen Fragen, für die er sich unter anderem aus dem bissigen Repertoir der Horgner Fasnachtszeitung G’hörscht bediente, blieben aber auch die bisherigen und neuen Kandidaten für den Gemeinderat nicht. Die Frage, ob nicht eher zahm statt scharf auf seinen Wahlplakaten stehen müsste, ging an den bisherigen Gemeinderat Joggi Riedtmann (SP). «Auch wenn ich das linke Feigenblatt im Gemeinderat bin, habe ich trotzdem Durchsetzungsfähigkeit», sagte Riedtmann.

Auf die Kritik, wonach die Verbreiterung des Seeuferwegs bei der Sust sowie die Bauarbeiten an der Glärnischstrasse extrem teuer geworden seien, konterte Gemeinderätin Antonia Dorn (SVP) mit dem Hinweis, dass beides von den Stimmbürgern abgesegnet gewesen sei. Zudem sei es nicht zu Kostenüberschreitungen gekommen. Und von den Kosten für die Verbreiterung des Seeuferweg-Abschnitts übernehme der Kanton ohnehin 80 Prozent.

Ob seine Partei sich nicht besser in Sportpartei umtaufen sollte, wendete sich Schäppi an den neuen Kandidaten Rico Brazerol (BDP). «Nicht nur das Hallenbad ist mir wichtig, sondern Sport ganz allgemein», sagte Brazerol, denn Sport könne fast alles: er sei präventiv, integrativ und Lebensschule. Für seine Kandidatur als Gemeinderat warf er zudem seine sieben Jahre als Kantonsrat in die Waagschale.

Kaum vergessen hätten die Stimmbürger die katastrophale Hallenbadabstimmung, richtete sich Schäppi an den bisherigen Gemeinderat Beat Nüesch (FDP). «In der Grundsatzfrage haben wir alles richtig gemacht. Die Thematik muss sich der Gemeinderat jedoch nochmal anschauen.»

Der Gemeinderat solle sich erst bewusst werden, was für ein Hallenbad er überhaupt will, vielleicht schaffe man es dann in der nächsten Legislatur, eines zu bauen, erwiderte Riedtmann.

Für weitere vier Jahre will auch Gemeindepräsident Theo Leuthold (SVP) antreten. Als Motivation gab er die Integration des Hirzels an. Sehr intensiv habe die Gemeinde während der letzten Legislatur am Zusammenschluss gearbeitet und nun gehe es an die Umsetzung.

Mit Lob überschüttet die Fasnachtszeitung die bisherige Gemeinderätin Daniela Mosbacher (FDP). Schäppi will wissen, ob zum Beispiel die massiv tieferen Ausgleichszahlungen an den Kanton alleine der Verdienst der Finanzvorsteherin sind. «Ich habe noch nie behauptet, dass es absolut mein Verdienst ist. Wenn ich wieder den Bleifuss anhabe, brauche ich meine Gemeinderatskollegen», sagte Mosbacher. Den Bleifuss zu haben sei allerdings wichtig, denn eine Gemeinde habe ganz schnell Ideen, das Geld wieder zu verbrauchen und das auf Kosten der kommenden Generationen.

Mit dem neuen Kandidaten Alfred Fritschi (SP) könne eine Verjüngung des Gemeinderates nicht erreicht werden, führte Schäppi ins Feld und fragte, ob es nicht sinnvoller gewesen wäre, eine junge freche Juso in das Gremium zu portieren. «Es braucht nicht eine Verjüngung, sondern frischen Wind und dieser muss Kompetenz und Ideen haben», sagte Fritschi. Dafür fühle er sich fit.

Ebenfalls neu in den Gemeinderat möchte Markus Uhlmann (GLP). «Ich rede nicht des Redens willen, sondern mir geht es um die Sache. Ich bin lösungsorientiert und ich bin der Meinung, dass wir in dieser Gemeinde etwas machen müssen», sagte Uhlmann.

Angesprochen auf die fehelnden Toiletten im Pflegewohnheim antwortet Gemeinderat Hans-Peter Brunner (FDP): «Die Redaktoren der Fasnachtszeitung waren wohl noch nie in einer Wohngemeinschaft, denn da hat nicht jedes Zimmer eine Toilette.» Es sei ein klares und modernes Konzept, das nicht jeden aber einige anspreche.

Parlament ist keine Option

Nicht ein Schuss in den Ofen, aber in die Luft sei die Ahndung von Littering mit 100 Franken, gab der bisherige Gemeinderat Peter Wirth (parteilos) zu. Man könne es sich nicht leisten, Polizisten wegen möglicher Umweltsünder acht Stunden lang irgendwo zu positionieren. «Aber die Ausrüstung der Polizei mit Tasern finde ich sackstark», sagte Wirth.

Dass man so wenig von der Abteilung Werke höre, sei kein Kommunikationsproblem, wie Gemeinderätin Gerda Koller (CVP) versichert. Zum Beispiel sei der Ausbau des Glasfasernetzes ausführliches Thema an der Gemeindeversammlung gewesen. Sie sei froh, dass sie den CVP-Sitz wieder verteidigen dürfe.

Am Ende stellten sich die Kandidaten den Fragen aus dem Publikum. Gefragt nach einem Parlament waren sich fast alle Kandidaten einig, dass dies keine Option für Horgen sei. Fritschi entgegnete: «Frischer Wind braucht mehr Demokratie» und Uhlmann ist der Meinung, dass dieses Thema ausdiskutiert werden müsse. Gemeindepräsident Theo Leuthold stellte sich klar auf den Standpunkt: «Wenn die Gemeindeversammlung so gut funktioniert wie in Horgen, dann müssen wir dem Sorge tragen.»

Erstellt: 20.03.2018, 16:54 Uhr

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