Wädenswil/Männedorf

6,6 Kilometer Seekabel müssen erneuert werden

Die Elektrizitätswerke des Kantons Zürich wollen die Stromkabel, welche zwischen Wädenswil und Männedorf im See verlegt sind, ersetzen. Dabei muss vieles beachtet werden.

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Seit 1940 liegen sie auf dem Grund des Zürichsees zwischen Wädenswil und Männedorf: zwei je 3300 Meter lange und 48 Tonnen schwere Mittelspannungskabel der Elektrizitätswerke des Kantons Zürich (EKZ). Bis heute sind die beiden Seekabel West und Ost in Betrieb.Von der Trafostation Seeweg in Wädenswil unterqueren die Kabel die Halbinsel Giessen und verlaufen unter dem Kiesplatz des Seeclubs in den See. Um zu verhindern, dass sich die Kabel überkreuzen, wurden sie mit einem Abstand von circa 100 Metern zueinander verlegt.

Die Seekabel dienen als sogenannte «redundante 16 kV-Versorgung» der Region Männedorf. Das heisst, wenn die Stromversorgung durch das Unterwerk Stäfa ausfällt — wie etwa im Januar 2018 als vom Sturm Burglind entwurzelte Bäume die Stromversorgung am rechten Zürichseeufer lahmlegten — wird die Region stattdessen unter anderem über die Leitungen im See mit Elektrizität versorgt. «Damit eine Region sicher mit Elektrizität versorgt ist, braucht es mindestens zwei voneinander unabhängige Stromquellen», sagt Anette Hirschberg, Mediensprecherin der EKZ.

Über die Jahre sind die beiden Kabel zwischen Wädenswil und Männedorf fast vollständig im Seegrund versunken. Wie genau sie im See verlaufen und ob sie sich inzwischen doch überkreuzen, kann deshalb nicht vollständig eruiert werden. Auf Männedorfer Seite führen die Kabel entlang der Grundstücksgrenze zwischen dem Parkplatz des Segelclubs und der Liegenschaft an der Seestrasse 338. Danach queren die Kabel die Seestrasse und verlaufen weiter zur Trafostation Pumpwerk.

Leitungen mit mehr Kapazität

Nun nach fast 80 Jahren ist es an der Zeit, die in die Jahre gekommene Stromleitung zu ersetzen. «Seit der Inbetriebnahme der Seekabel ist die Region Männedorf/Stäfa stark gewachsen. Mit dem noch immer steigenden Energiebedarf können diese alten Leitungen nicht mehr mithalten», erklärt Hirschberg. Damit die Seekabel ihren Teil zur Versorgung der Region beitragen können, müsse eine neue Leitung mit höherer Kapazität gezogen werden. Zusammen mit dem neuen Stromkabel soll auch ein Glasfaserkabel im See verlegt werden. «Letzteres ist Bestandteil des EKZ-Kommunikationsnetzes, welches die Unterwerke verbindet. Es dient zur Kontrolle, Überwachung und Steuerung der Stromversorgung», erklärt Hirschberg.

Bereits 2016 hat die EKZ mit dem Ausbau der Stromversorgung im Raum Stäfa begonnen. Dazu gehört auch der Bau des neuen Unterwerks Stäfa, welches im Juli seinen Betrieb aufnehmen und das alte Unterwerk ersetzen soll.

Derzeit sucht die EKZ nach einem Unternehmen, welches nicht nur die bestehenden Kabel aus dem See bergen und entsorgen kann, sondern auch das neue Kabel liefert und verlegt. Das entsprechende Plangenehmigungsgesuch ist bis am 8. Juli bei der Infrastruktur Männedorf und bei der Abteilung Planen und Bauen in Wädenswil aufgelegt. «Wir rechnen damit, die Arbeiten im August vergeben zu können», sagt Hirschberg. Im November wolle man mit den Vorbereitungen der Bergungsarbeiten beginnen.

Video: So wurde 2017 das Seekabel zwischen Thalwil und Herrliberg aus dem See geholt

Umweltschutz im Fokus

Dabei gibt es viel zu beachten. Neben dem Gewässerschutz auch die Schonzeiten für Fische und Brutvögel. «Deshalb müssen die seeseitigen Arbeiten von Januar bis Februar ausgeführt werden», sagt Hirschberg. Ein weiterer Aspekt ist, dass neben den Kabeln der EKZ auch verschiedene Trinkwasserleitungen in den See führen. So liegt etwa die Wasserleitung des Gruppenverbands Zürich-Oberland über den EKZ-Kabeln. Auch eine Seeleitung der Gemeindewerke Männedorf, Wasserleitungen des Zweckverbands Seewasserwerk Männedorf, sowie eine Wärmepumpeleitung der Peach Property Group AG verlaufen in der Nähe der Seekabel. Abklärungen mittels Echolotuntersuchungen und Tauchern haben gezeigt, dass die Abstände der Leitungen von den zu ersetzenden Kabeln zwischen zehn Metern und 270 Metern varieren.

Da die Wasserleitungen unter anderem der Trinkwasserversorgung dienen, muss bei der Bergung der Seekabel darauf geachtet werden, dass das Wasser bei den Öffnungen der Leitungen nicht verunreinigt wird. Hirschberg gibt Entwarnung: «Die Trübung des Wassers bei der Bergung der Kabel wird vergleichbar sein mit jener während einem Gewitter.» Deshalb seien keine zusätzlichen Massnahmen nötig. «Vor Beginn der Bauarbeiten muss zudem in einem Notfallkonzept dargelegt werden, wie dem Umweltschutz Rechnung getragen wird.»

Im Gegensatz zu den alten Seekabeln wird das neue in einem Kabelschutzrohr verlegt. «Diese Bauweise entspricht dem heutigen Stand der Technik und ist besser für die Umwelt. Ausserdem bietet das Rohr zusätzlichen Schutz für die Kabel», sagt Hirschberg.

Erstellt: 14.06.2019, 15:18 Uhr

Seekabel verlegen und bergen — gestern und heute

Die Bergung der Kabel zwischen Wädenswil und Männedorf ist die zweite, welche die EKZ seit 2017 durchführt. Vor zwei Jahren wurden die beiden Seekabel zwischen Thalwil und Herrliberg aus dem See gehogen. Da diese Kabel bereits seit 2009 nicht mehr in Betrieb waren, wurden sie nicht ersetzt. Wie 2017 wird nächstes Jahr auch zwischen Männedorf und Wädenswil eine schwimmende Arbeitsplattform— ein sogenannter Ponton— mit einer grossen Kabelrolle zum Einsatz kommen. Darauf werden die aus dem See gehogenen Kabel aufgerollt. Bloss eine Handvoll Arbeiter sind für diese Arbeitsschritte nötig.

In einem ersten Schritt werden die Kabel in Ufernähe freigelegt, zerschnitten und versiegelt, damit kein allfällig im Kabel verbliebenes Isolieröl auslaufen kann. Das auf dem Land zur Trafostation verlaufende Kabelstück wird dann aus dem Boden gezogen, während für den im See liegenden Teil Ponton und Kabelrolle— eine sogenannte Bobine— eingesetzt werden. Da sich im Laufe der Jahre eine gut 15 Zentimeter dicke Sedimentschicht über den Kabeln abgelagert hat, muss bei der Bergung der Kabel ein sogenannter Sedimentabstreifer am Kabel befestigt werden. Dieser sorgt in einer Tiefe von circa 20 Metern dafür, dass das Wasser in den oberen Schichten durch die Bergung nicht zu sehr getrübt wird.

Dort wo die Seekabel in der Nähe von Seewasserleitungen verlaufen, kommen Taucher zum Einsatz. Im Falle einer Kreuzung von Seekabeln und Leitungen wird das Seekabel geschnitten, versiegelt und einzeln geborgen. Wieder an Land werden die total gut 100 Tonnen Kabel dann in ihre einzelnen Bestandteile zerlegt und fachgerecht entsorgt.

Die letzten Seekabel

Bei der Verlegung der Kabel im Jahr 1940 dürfte weit mehr Personal im Einsatz gewesen sein, als dies bei der Bergung er Fall sein wird. Als 1954 etwa die Kabel zwischen Herrliberg und Thalwil verlegt wurden, boten die Elektrizitätswerke über 50 Männer auf. Die Kabel wurden damals von einem Floss aus im Wasser verlegt und in Ufernähe mit Zementsäcken beschwert.

Die Kabel zwischen Wädenswil und Männedorf sind die letzten im Zürichsee, welche die EKZ in den nächsten Jahren ersetzt. Verkabelt bleibt der See dennoch. So sind im Kantonalen Richtplan weitere Kabel-,sowie Erdgasleitungen im See eingezeichnet.

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