Wädenswil

100 Jahre «und es bitzeli meh»

Die FDP Wädenswil hat ihr 100-Jahr-Jubiläum mit zwei Jahren Verspätung gefeiert. Das aber mit Stil.

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Die Anekdote mit der verspäteten Jubiläums-Feier ist am Samstag auf der Halbinsel Au mehrfach kolportiert worden. Parteipräsident Franz Blankl sprach von 100 Jahren und «es bitzeli meh», welche die FDP feiere.

Positiv an der Verspätung sei, dass Hütten und Schönenberg nun auch dazugehörten. OK-Präsidentin Felicitas Taddei erzählte: Kurz nach ihrer Wahl zur Parteipräsidentin fragte sie den Historiker Peter Ziegler nach Gründung der FDP, wann die FDP eigentlich gegründet wurde. Sie habe geahnt, dass es Zeit für das Jubiläum sein müsste. «Noch am Telefon konnte er das Datum sagen: 25. Mai 1917.»

Der 100. Geburtstag war zwar verpasst. Felicitas Taddei packte aber umgehend die Organisation der Jubiläumsfeier an. Diese hat am Samstag stattgefunden. Sie begann beim Weinbaumuseum mit einem öffentlichen Apéro und Reden, unter anderem von Regierungsrat Ernst Stocker (SVP) aus Wädenswil. Er ging auf die Bedeutung der Parteien ein: «Sie sind so wichtig, dass sie sogar in der Zürcher Kantonsverfassung erwähnt werden.»

Wie auf dem Hochseil

Die geladenen Gäste feierten im Landgasthof Au den Geburtstag der FDP weiter. Die Rednerinnen gingen auch hier auf die Ausstrahlung und Bedeutung der FDP ein. Felicitas Taddei, die auch im Gemeinde- und dem Stadtrat politisiert hatte, fand Parallelen zwischen der Politik und dem Circus Knie. Nicht nur, weil er auch nicht vor genau 100 Jahren gegründet wurde und jetzt auf Jubiläums-Tournee ist. Sondern auch weil auch Politiker Leistungsbereitschaft zeigten und ein Gespür entwickeln müssten, um sich auf dem hohen Seil weiterbewegen zu können.

FDP-Nationalrätin Doris Fiala ging auf die Werte des Freisinns ein, die seit je Bestand hätten: Freiheit und Verantwortung. Die Risiken und Herausforderungen seien heute global, vieles könne man nicht im Alleingang meistern. Der Konsens habe unser Land stark gemacht, sagte sie. Kantonsrats-Fraktionspräsident Thomas Vogel betonte, wie bedeutend es sei, sich für das Gemeinwohl zu interessieren und sich dafür zu engagieren.

Eine Aussensicht auf die FDP Wädenswil warf Stadtpräsident Philipp Kutter. Dessen Partei, die CVP, hatte vor zwei Jahren ihren 100. Geburtstag gefeiert. «Die Freisinnigen haben den modernen Staat aufgebaut», sagte er. Die FDP habe lange Zeit die Macht verkörpert. Er wünsche sich eine starke FDP als Partner.

Zum Jubiläum hat sich die FDP eine Festschrift geschenkt. Der Wädenswiler Historiker Peter Ziegler, selbst FDP-Mitglied, hat das 60 Seiten umfassende Werk zur Geschichte der Partei verfasst. Die Quellenlage der ersten 50 Jahre sei dürftig, sagte Walter Tessarolo bei der Präsentation. Der Historiker habe aber Dokumente in verstaubten Kästen ausfindig gemacht. Peter Ziegler, der in Wädenswil grosse Anerkennung geniesst, erhielt eine Standing Ovation.

Erstellt: 20.05.2019, 17:08 Uhr

Die Geschichte der FDP Wädenswil

Geschichtsprofessor Peter Ziegler gibt in der Festschrift zum 100-Jahr-Jubiläum der FDP Einblicke in die FDP Wädenswil. Der Wunsch zur Gründung einer Ortspartei sprang an einem April-Sonntag im Jahr 1917 an einer Versammlung der Kantonalpartei im Hotel Engel in Wädenswil. Nicht einmal einen Monat später konstituierte sich ein Gründungskomitee. Peter Ziegler zählt auf, welche Herren ihm angehörten. Unter ihnen sind Namen, mit denen auch heutige Wädenswiler noch etwas verbinden können wie Buchdrucker Adolf Stutz, Fabrikant Heinrich Blattmann-Ziegler oder Malermeister Otto Gut.

Peter Ziegler arbeitete minutiös das Wirken, das Auf und Ab und die Verdienste der Partei auf. Seine Schrift ist mit überraschenden Details gespickt. So erfährt man, dass die Freisinnigen 1920 über das Frauenstimmrecht diskutierten. Oder dass sie am 23. Dezember 1928 im Hotel Engel feierten, weil der freisinnige Wädenswiler Bundesrat Robert Haab für 1929 zum Bundespräsidenten gewählt wurde. Erstaunlich auch, dass die Eingliederung der Sekundarschule schon Mitte des letzten Jahrhunderts ein Thema war. Sie scheiterte bereits 1944.

Peter Ziegler führt akribisch Listen. So dokumentiert er beispielsweise die FDP-Parteipräsidenten. Oder die Themen der Vorträge, welche die FDP organisierte. Oder die FDP-Vorstösse und FDP-Traditionsanlässe. Oder Ergebnisse von FDP-Strassenumfragen. Man erkennt in diesen Listen nicht nur die Freude des Historikers am Detail. Sondern auch die Bedeutung der Partei für die Stadt. Viele Errungenschaften gehen auf die FDP zurück, lange war sie die stärkste Partei in Wädenswil. Peter Ziegler spart auch Negatives nicht aus. So dokumentiert er etwa den Mitgliederschwund. Dass er selber für die FDP politisierte, ist der Festschrift ebenfalls zu entnehmen. Er wurde 1974, als Wädenswil erstmals ein Parlament wählte, für die FDP in den Gemeinderat ein, den er 1983/84 präsidierte. Parteipräsident war er von 1984 bis 1986. (dh)

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