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Lieferplattform Eat.ch wird orangeHolländer liefern uns jetzt das Essen nach Hause

Die Corona-Krise bescherte Eat.ch-Chef Dominic Millioud rekordhohe Bestellungen. Nach der Fusion mit der holländischen Takeaway.com gehört das einstige Liefer-Start-up jetzt zu den grössten der Welt. Auch die Kunden profitieren.

Eat.ch gehört jetzt zur holländischen Takeaway.com. In der Schweiz bestellen Kundinnen und Kunden aber weiterhin auf Eat.ch.
Eat.ch gehört jetzt zur holländischen Takeaway.com. In der Schweiz bestellen Kundinnen und Kunden aber weiterhin auf Eat.ch.
Eat.ch

Wer am heutigen Dienstag auf Eat.ch sein Mittagessen bestellt, sieht orange. Verschwunden ist das Logo, das in seinen Farben an einen Regenbogen erinnert. Neu sehen die hungrigen Kunden ein oranges Haus mit Messer und Gabel darin. Eat.ch ist jetzt offiziell in holländischer Hand.

Und Kunden, die sich besonders gut auskennen in der Welt der Schweizer Lieferdienste merken: Takeaway.com gibt es nicht mehr. Beide Marken laufen in der Schweiz neu unter Eat.ch. Dabei gehört der Lieferdienst jetzt zur holländischen Takeaway.com.

Der Name bleibt bestehen

«Eat.ch ist die Marke unter der wir gegründet wurden und auf die wir die letzten 12 Jahre gesetzt haben. Wir wollen dieses lokale Couleur beibehalten», sagt Dominic Millioud, Eat.ch-Chef. Es sei nicht die richtige Entscheidung, die Marke zu wechseln. Doch der Lieferdienst ist schon lange nicht mehr schweizerisch. 2015 übernahm die britische börsenkotierte Firma Just Eat das 2007 gegründete Schweizer Start-up.

Und seit dem 15. April ist die Übernahme durch Takeaway.com unter Dach und Fach. In einem Aktientausch haben sich beide Unternehmen zusammengeschlossen. Das einstige Liefer-Start-up Eat.ch spielt jetzt in der Liga der grössten Lieferdienste der Welt mit: 155’000 Restaurants zählt der neue Lieferriese weltweit.

Takeaway.com allein brachte im vergangenen Jahr fast 160 Millionen Bestellungen zu 19,5 Millionen Kunden. Und Eat.ch-Mutter Just Eat bearbeitete allein im ersten Quartal dieses Jahres über 65 Millionen Lieferungen. Von der Fusion der beiden Plattformen in der Schweiz profitiert der Kunde: Ihm stehen jetzt mehr Restaurants zur Auswahl.

«Jetzt ist der falsche Moment, um zu sparen. Wir haben noch genug Luft nach oben, um weiterzuwachsen.»

Dominic Millioud, Eat.ch-Chef

In der Schweiz ändert sich für Eat.ch wenig: Ende Jahr läuft zwar der Mietvertrag am Sitz in Zürich aus, aber der Standort soll in der Schweiz bleiben. Millioud wird weiterhin das Geschäft in der Schweiz führen, Entlassungen sind keine geplant.

«Jetzt ist der falsche Moment, um zu sparen. Wir haben noch genug Luft nach oben, um weiterzuwachsen», sagt Millioud. Denn der Gesamtmarkt für Essenslieferdienste in der Schweiz wächst rasant: 2018 lag der Gesamtumsatz bei 1,2 Milliarden Franken und stieg bis heute auf 1,4 Milliarden. Erst ein Drittel der Bestellungen laufen online. «Wir investieren weiter, der Markt steht noch am Anfang», sagt er.

Mit Anfragen überrannt

Wie schnell und unerwartet Wachstum geschaffen werden kann, zeigte sich bereits in den ersten Tagen nach dem Corona-bedingten Lockdown der Restaurants. «Wir wurden mit Anfragen überrannt», erzählt der 41-jährige Millioud. In der Anfangszeit seien so viele Anfragen von Restaurants reingekommen, die gar nicht alle bearbeitet werden konnten. Seit Beginn der Krise seien Hunderte neue Restaurants auf die Plattform aufgeschaltet worden.

«Wir wurden mit Anfragen überrannt», sagt Eat.ch-Chef Dominic Millioud. Ab Beginn des Lockdown am 16. März verdoppelten und verdreifachten sich die Bestellungen bei Eat.ch in verschiedenen Regionen der Schweiz.
«Wir wurden mit Anfragen überrannt», sagt Eat.ch-Chef Dominic Millioud. Ab Beginn des Lockdown am 16. März verdoppelten und verdreifachten sich die Bestellungen bei Eat.ch in verschiedenen Regionen der Schweiz.
Foto: Dominique Meienberg

Erst im Januar hatte Eat.ch die Marke der 500’000 Bestellungen geknackt. Corona gab dem Wachstum in den vergangenen Monaten einen enormen Schub. Doch bevor die Bestellungen richtig durch die Decke gingen, verzeichnete die Lieferplattform Mitte März eine kleine Delle: «Die Unsicherheit der Kunden war gross. Statt Essen zu bestellen, wurde Klopapier gekauft», sagt Millioud.

Doch ab Beginn des Lockdown am 16. März verdoppelten und verdreifachten sich die Bestellungen in verschiedenen Regionen der Schweiz. Stärkster Tag war in der gesamten Schweiz der 1. Mai. Schweizweit gingen die Bestellungen um 7 Uhr morgens um 140 Prozent, um 8 Uhr morgens um 160 Prozent hoch.

Jetzt hätten sich die Bestellungen auf einem hohen Niveau eingependelt. Die Pizza sei immer noch die Nummer eins. Aber auch andere Gerichte, wie zum Beispiel Momos, tibetische Teigtaschen, seien sehr oft bestellt worden. Überdurchschnittlich oft bestellten die Schweizerinnen Cheeseburger (+130 Prozent) und Tacos (+110 Prozent). Auch Mousse au Chocolat und Tiramisu erfreuten sich grosser Beliebtheit.

Wein- und Bierbestellungen stiegen

Doch nicht nur Essen wurde häufiger bestellt. Auch Bier und Wein liessen sich die Schweizerinnen und Schweizer nach Hause liefern. So wurde während des Lockdown doppelt so viel Bier wie vorher bestellt und 70 Prozent mehr Wein – vornehmlich roter. Dass die Restaurants nun seit dem 11. Mai wieder geöffnet sind, würde der Bestellwilligkeit der Kunden keinen Abbruch tun, sagt Millioud.

So schnell wie die Bestellungen bei Eat.ch stiegen, ging auch die Transformation der Website vonstatten. Nur an den Fenstern der fast 3000 Schweizer Partnerrestaurants schillert noch das alte, regenbogenfarbene Logo, das so schnell nicht ausgewechselt werden konnte. Gänzlich hat Holland in der Schweiz also noch nicht Einzug gehalten.