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Schiessanlage bleibt weiter offen

Einmal mehr wird der Betrieb der Jagdschiessanlage Embrach verlängert. Naturschützer fühlen sich vor den Kopf gestossen.

Die Jagdschiessanlage Embrach ist veraltet.
Die Jagdschiessanlage Embrach ist veraltet.
Johanna Bossart

«Es ist davon auszugehen, dass die Anlage nach Ablauf der Laufzeit des Baurechtsvertrags im Jahr 2015 nicht weiter betrieben wird.» Diesen Satz schrieb der Regierungsrat im September 2009, vor fast zehn Jahren. 2015 wurde die Jagdschiessanlage Embrach, die sich in einer geschützten Auenlandschaft befindet, aber mitnichten geschlossen. Die geplante Ersatzanlage in Bülach war von einer Realisierung weit entfernt. Statt 2015 sollte der letzte Schuss in Embrach deshalb spätestens am 31. Dezember 2019 fallen.

Seit Montag ist nun klar, dass auch danach noch weitergeschossen wird. Die Baudirektion teilte mit, dass die Jagdschiessanlage bis spätestens 2024 in Betrieb sein wird, um Jägerinnen und Jägern ihr freiwilliges und obligatorisches Schiesstraining zu ermöglichen. Ein Baugesuch für die neue Anlage in Bülach wird frühestens Ende Jahr erwartet. Sollte diese Schiessanlage in Bülach vor 2024 fertig gestellt sein, würde der Standort in Embrach entsprechend früher still gelegt.

Anzahl Schüsse nimmt um 70 Prozent ab

«Das ist eine absolute Unverschämtheit», sagt Marianne Trüb, Präsidentin des Vereins Pro Töss-Auen. Seit Jahren kämpft der Verein für eine Schliessung der Jagdschiessanlage. Grund dafür ist die Schadstoffbelastung, welche die Anlage im Naturschutzgebiet verursacht, ausgelöst durch die Verwendung und Ablagerung schadstoffhaltiger Wurfscheiben wie etwa Tontauben und Munition oder Schrotbecher aus Plastik. Das Schiessen würde zudem Eichen entlang des Tössufers buchstäblich abrasieren und dadurch niederhalten. Letztes Jahr hat der Verein deswegen gar Strafanzeige und eine Aufsichtsbeschwerde gegen die Baudirektion eingereicht. Eine weitere Aufsichtsbeschwerde wurde an die Gemeinde Embrach adressiert. Nun wird der Verein eventuell weitere rechtliche Schritte in Betracht ziehen.

Der Kanton plant zwar seit 2011 den Bau der neuen Anlage in Bülach. Er argumentiert aber, dass er bis zur Fertigstellung gesetzlich dazu verpflichet sei, Jägerinnen und Jägern das Schiesstraining zu ermöglichen. Und auf Anlagen ausserhalb des Kantons auszuweichen, das gehe nicht, sagt Urs Philipp, Leiter der Fischerei- und Jagdverwaltung. «Jagdschiessanlagen sind Mangelware. Oftmals gibt es nur eine pro Kanton. Und die sind in den Öffnungszeiten eingeschränkt.» Ausserkantonale Anlagen hätten schlicht nicht die Kapazität, um auch noch den Jagenden aus Zürich das Training zu ermöglichen. «Natürlich habe ich ein gewisses Verständnis dafür, dass der weitere Betrieb der Anlage in Embrach für Frustrationen sorgen kann. Aber das Ziel der Baudirektion bleibt, das Gebiet in Embrach schnellstmöglich dem Auenschutz übergeben zu können, während das Training für die Jäger sichergestellt ist. Um beides korrekt und richtig zu machen, dauert es jetzt halt etwas länger.»

«Jagdschiessanlagen sind Mangelware. Oftmals gibt es nur eine pro Kanton. Und die sind in den Öffnungszeiten eingeschränkt.»

Urs Philipp, Leiter Fischerei- und Jagdverwaltung des Kantons Zürich

Der Kanton ändert derweil aber die Art des Trainings in Embrach. Ab 2020 ist es nicht länger möglich, auf Wurftauben zu schiessen. Somit verbleiben noch die Kugelschiessanlage und die Blechhasenanlage für Schrottschüsse in Betrieb. Bei diesen beiden Anlagen werden neue Kugelfangeinrichtungen installiert. Dadurch sollen keine Wurftaubenfragmente, Projektile und Stahlschrott mehr in die Umwelt gelangen. Die Anzahl der insgesamt abgegebenen Schüsse reduziert sich um 60 bis 70 Prozent.

Diese Massnahmen begrüsst Marianne Trüb zwar. «Aber einmal mehr macht der Kanton halt nur das, was er unbedingt muss. Es wäre ein gutes Zeichen gewesen, hätte man etwa das Wurftaubenschiessen per sofort eingestellt, statt es noch bis Ende Jahr weiter zu erlauben.» Trüb ist zudem vorsichtig optimistisch. «Möglicherweise führt ja ab Mai jemand die Baudirektion, der die Sache noch aus einem anderen Blickwinkel betrachtet und nicht vor allem die Interessen der Jäger vertritt.»

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