Zum Hauptinhalt springen

Höchstwert von 2011 übertroffenGoldpreis steigt auf Rekordhoch

Eine Feinunze Gold kostet am Montagmorgen über 1930 Dollar. Der Anstieg wird durch den USA-China-Konflikt und die Corona-Pandemie angetrieben.

Mehr Wert als jemals zuvor: Ein Mitarbeiter einer Metallfabrik hält ein Kilogramm Gold in der Hand.  (22. Juli 2020)
Mehr Wert als jemals zuvor: Ein Mitarbeiter einer Metallfabrik hält ein Kilogramm Gold in der Hand. (22. Juli 2020)
Foto: Bloomberg via Getty Images

Es ist eine der abgedroschensten Floskeln an den Finanzmärkten, aber sie passt: Gold glänzt wieder. Noch vor Kurzem sah das ganz anders aus. Doch die Pandemie verunsichert Anleger immer mehr – und gibt dem Edelmetall auch aus anderen Gründen Auftrieb. Wird die Rekordjagd andauern?

Vielen Anlegern gilt Gold als sichere Geldanlage in unsicheren Zeiten, doch zuletzt schien das «Krisenmetall» selbst in der Krise zu sein. Egal, was auch Schlimmes passierte – Gold war nie so recht gefragt. Fast schien es, als sei Gold an den Finanzmärkten aus der Mode gekommen. Doch inzwischen hat sich der Wind gedreht: Inmitten der Corona-Pandemie hat der Goldpreis am Montag seinen mittlerweile fast eine Dekade alten Rekord übertroffen. Mit 1944,71 US-Dollar kostete die Feinunze (31,1 Gramm) so viel wie nie zuvor.

Der alte Höchststand hatte bei 1921 Dollar gelegen. Erreicht wurde er im Spätsommer 2011, als an den Finanzmärkten die Euro-Krise tobte und der gemeinsame Währungsraum fast aus den Angeln gehoben wurde. So weit kam es nicht, doch damals waren viele Anleger verunsichert. Sie suchten in dem als wertstabil geltenden Edelmetall Schutz vor Währungsverlusten.

Wieder angesagt

Neun Jahre später ist Gold wieder angesagt. Und erneut sorgt eine grosse Krise dafür, dass materielle Ängste aufkommen. Dieses Mal ist es nicht nur eine Krise im Herzen Europas, sondern eine, die die ganze Welt erschüttert. Das Coronavirus hat dafür gesorgt, dass die meisten Volkswirtschaften nahezu gleichzeitig ihren Betrieb zeitweilig einstellen mussten. So etwas hat es in Friedenszeiten noch nicht gegeben. Es ist eine Krise wie gemacht für Gold.

Dabei ist Gold eigentlich keine besonders gute Geldanlage. Schaut man sich an, wie stark sein Preis im Zeitverlauf mitunter schwankt, kann man ins Grübeln kommen, warum oft von «wertstabilem» Gold die Rede ist. Das Argument wiegt umso schwerer, als die Goldanlage nur von Wertsteigerungen profitiert. Regelmässige Erträge wie Zinsen oder Dividenden gibt es nicht. Aber Gold hat einen Vorteil: Es ist selten. Das Edelmetall gilt vielen als Krisen- und Inflationsschutz, weil es nicht beliebig vermehrt werden kann.

Dass Gold gegenwärtig wieder so stark gefragt ist, hat aber noch weitere Gründe. Zunächst weiss niemand, wie sich die Corona-Pandemie, weiter entwickeln wird. Wird es einen wirksamen Impfstoff geben, der ein halbwegs normales Leben wie vor dem Virus ermöglicht? Ausserdem sind die wirtschaftlichen Folgen dieser Krise derart umfassend und tiefgreifend, dass die konkreten Auswirkungen noch gar nicht absehbar sind. Eine Ursache für die zuletzt stark steigende Nachfrage nach Gold ist die rapide steigende Verschuldung von Staaten und Unternehmen.

Auswirkungen auf Fördermenge

Hinzu kommt, dass die Corona-Krise auch unmittelbare Auswirkungen auf die Fördermenge hat. Experte Hans-Günter Ritter, Leiter Edelmetallhandel beim Handelshaus Heraeus, verwies auf Aussagen des Interessenverbands World Gold Council. Demnach sei die Minenproduktion in wichtigen Förderländern im ersten Quartal um drei Prozent auf das niedrigste Volumen seit 2015 gesunken.

Kritische Stimmen sagen, die Verschuldung führender Industriestaaten wachse in derart gigantischem Ausmass, dass sie sich auf herkömmlichem Wege, etwa durch starkes Wirtschaftswachstum, nicht tilgen lasse. Der Ausweg aus der Schuldenproblematik laute deshalb: Zinsen niedrig halten, Inflation ignorieren. Diesem Risiko einer schleichenden Geldentwertung wollen sich viele Anleger entziehen, indem sie Sach- anstatt Geldwerte halten. Grundstücke etwa – oder eben Gold.

Darüber hinaus sind die Zinsen in vielen Ländern faktisch nicht mehr existent. Über die genauen Gründe streiten sich die Gelehrten, doch sind sich Ökonomen relativ einig, dass nicht die extrem lockere Geldpolitik der Zentralbanken allein Schuld daran trägt. Zinslosen Anlagen wie Gold jedenfalls gibt der Wegfall der Zinsen Auftrieb. Denn dadurch fällt ein normalerweise schwerwiegender Nachteil – das Fehlen regelmässiger Erträge – kaum mehr ins Gewicht.

Wie geht es weiter?

Bleibt die Frage, wie es mit dem Goldpreis weitergeht. Wie vieles an den Finanzmärkten ist das nicht mit Sicherheit zu beantworten. Das zeigt sich allein daran, dass Gold einst abgeschrieben war und jetzt doch wieder hoch im Kurs steht.

«Zwar rechnen wir nicht mit einer starken Zunahme der Inflation, doch angesichts der Aussicht auf eine noch für sehr lange Zeit anhaltende Phase extrem niedriger Zinsen ist der Goldpreis auch mittelfristig gut unterstützt», sagte beispielsweise Rohstoffexpertin Gabriele Widmann von der Dekabank. Ihrer Einschätzung zufolge könnte es aber nach der aktuellen Rekordjagd durchaus zu einer Korrektur beim Goldpreis kommen. Vieles dürfte vom Fortgang der Corona-Krise und der Forschung nach einem Impfstoff abhängen. Gerade hier aber gilt: Sicher ist, dass nichts sicher ist.

Was das Gold zu Rekordwerten treibt

Gemessen in Schweizer Franken ist das Edelmetall so teuer wie nie. Was die Wertentwicklung treibt und wo die Risiken liegen – die vier wichtigsten Punkte.

Das Edelmetall hat schon zu allen Zeiten fasziniert und galt als besonders sichere Anlage: Goldbarren im Tresor der Schweizerischen Nationalbank.
Das Edelmetall hat schon zu allen Zeiten fasziniert und galt als besonders sichere Anlage: Goldbarren im Tresor der Schweizerischen Nationalbank.
Foto: Martin Ruetschi (Keystone)

SDA

15 Kommentare
    Ralph Künzle

    Hmmm? Wird nun Gold teurer, oder das Papiergeld wertloser?

    Fragen über Fragen...