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Miniaturen des AlltagsGlücks-Tage

Manche Tage sind zum Aus-der-Haut-fahren. Doch dann wieder trifft uns unvermittelt ein Glücksstrahl mitten im Alltag.

Eine kleine Geschichte aus dem Alltag.
Eine kleine Geschichte aus dem Alltag.
Olivier Samter

Es gibt Tage, da scheint einfach alles schiefzugehen: Das Auto gibt den Geist auf, ein wichtiges Dokument im Computer ist unauffindbar, und die Katze platziert eine halb verdaute Maus auf dem frisch gewaschenen Türvorleger.

Doch dann gibt es auch Tage, an denen unerwartet Erfreuliches passiert. So geschehen kürzlich an einem Frühsommertag: Seit Wochen vermisste ich mein Lieblingskochbuch. Auf der Suche danach hatte ich den Rezeptschrank ausgemistet, meine Lesestapel mit Büchern und Zeitschriften durchforstet, in Schubladen, unter Möbel und hinter das schwere Sofa gespäht – alles ohne Erfolg.

Da kam ich also an diesem Sommertag nach Hause und fand das Hundebett auf dem Sitzplatz. Der Gatte hatte es zum Saugen nach draussen gelegt. Mitten auf dem Polster lag: das Lieblingskochbuch. Keiner wusste, wie es dorthin gekommen und wo es die ganze Zeit gesteckt hatte. Aber das war mir auch wurst. Hauptsache, es war wieder da.

Am selben Tag gingen wir das erste Mal in diesem Jahr zum Schwimmen an den Zürichsee. Bevor ich mich in die Fluten stürzte, zwängte ich meine Füsse in Badeschuhe, die ich bereits vorige Saison getragen hatte. Nach einem erfrischenden Schwumm stellte ich sie zum Trocknen an die Sonne. Als ich später wieder danach griff, traute ich meinen Augen nicht: Im Schuhinnern lag mein seit langem vermisstes Armband mit Silberanhänger. Es hatte offenbar hier überwintert und nun sogar ein Bad im Zürichsee überstanden.

Was für eine Bilanz für einen ganz gewöhnlichen Frühsommertag.