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Seeufer in ThalwilGemeinderat stellte sich virtuell den Fragen zum neuen Hafen

Am 31. Januar stimmt Thalwil an der Urne über den Projektierungskredit zur Erweiterung des Hafens Farbsteig ab. Es gibt einige Kritiker.

Der Hafen Farbsteig soll seeseitig um 56 Plätze erweitert werden.
Der Hafen Farbsteig soll seeseitig um 56 Plätze erweitert werden.
Archivfoto: Moritz Hager

Dreimal musste Thalwil im letzten Jahr die Gemeindeversammlung verschieben, an der über wichtige Projekte abgestimmt worden wäre: den SBB-Gestaltungsplan Talevo, den Gestaltungsplan Seeufer Bürger und den damit zusammenhängenden Projektierungskredit zur Erweiterung des Hafens Farbsteig. Zumindest bei Letzterem geht es jetzt vorwärts. Am 31. Januar entscheidet Thalwil an der Urne über den Projektierungskredit von 400’000 Franken. Der Gemeinderat hat das Projekt in einem Video vorgestellt.

Die Grundidee der Seeuferumgestaltung, mit der die Hafenerweiterung zusammenhängt, ist es, die Badis Bürger I und II zu einer durchgehenden Anlage umzubauen. Die Mieter der 56 Bootsplätze in der Bootshabe Bürger, die dafür aufgehoben werden müsste, fänden zukünftig Platz im ausgebauten Hafen Farbsteig. Die Hafenerweiterung und die Seeuferumgestaltung stehen wiederum in Zusammenhang mit dem vom Kanton geplanten Hochwasser-Entlastungsstollen zwischen Sihl und Zürichsee. Dessen Auslaufkanal kommt genau unter dem Boden des Bürger I zu liegen.

Der zuständige Gemeinderat Richard Gautschi (parteilos) geht in einem Informationsvideo der Gemeinde auf das Leitbild Zürichsee 2050 ein. Dieses besagt, dass sich die vorhandenen Bootsplätze auf dem Niveau von 2012 stabilisieren und auf Hafenanlagen konzentrieren sollen. Auch deshalb mache eine Integration der Bootshabe in den Hafen Farbsteig Sinn. Ob der Kanton für die Bootshabe Bürger im 2023 eine neue Konzession erteile, sei fraglich. Zudem sei sie in schlechtem baulichem Zustand.

Reine Formsache?

In einer virtuellen Runde hat sich der Gemeinderat diese Woche den Fragen und der Kritik der Bevölkerung gestellt. Wobei – eine Fragerunde unter echter Anwesenheit der Bevölkerung wäre wohl kritischer ausgefallen. Denn auch wenn sich die Ortsparteien für das Projekt ausgesprochen haben, hat es mit der Interessengemeinschaft Pro Badi Bürger I durchaus auch eine Gegnerschaft.

Im 30-minütigen, virtuellen Event aber war es Thalwils Kommunikationsbeauftragte Joana Büchler, die diverse Fragen an den Gemeinderat weiterleitete, welche man auch während des Livestreams noch schriftlich stellen konnte. Ein Nachhaken bei unvollständigen Antworten blieb aus.

Ein Thalwiler – Büchler nannte keine Namen – stellte die Frage, wieso die Bootshabe Bürger überhaupt aufgehoben werden soll. Damit ging er mit der Gegnerschaft rund um die IG Pro Badi Bürger I einig, die auf einen anderen Satz im Leitbild Zürichsee 2050 fokussiert: Bestehende Anlagen hätten eine Bestandsgarantie. Eine neue Konzession für die Bootshabe sei also alles andere als unwahrscheinlich, sondern reine Formsache.

In der Fragerunde krebste Gautschi zurück: «Ich gebe zu, im Video kommt es sehr absolut rüber, wie es eigentlich nicht gedacht gewesen war. Es ist nicht so, dass wir die Konzession für die Bootshabe Bürger nicht mehr bekämen.» Man habe beim Kanton immer wieder nachgefragt, dieser könne einfach noch keine klare Antwort liefern. Der Punkt sei der, dass die Gemeinde die Bootshabe nicht behalten wolle. «Die 56 Bootsplätze wollen wir aber nicht verlieren», betonte Gautschi mehrmals.

Erst ein Vorprojekt

Weitere Fragen bezogen sich auf die Umweltbelastung durch die Hafenerweiterung. Gautschi sagte, die Gemeinde habe diverse Varianten geprüft. Die einzige Möglichkeit sei es, den Hafen Farbsteig mit seinen 134 Plätzen seeseitig zu erweitern und neue Landverbindungen zu schaffen. Der Kanton verbiete es, weitere Uferabschnitte zu nutzen. Über die Frage nach ökologischen Ersatzmassnahmen seien weitere Gespräche mit dem Kanton nötig.

Bei der Hafenerweiterung handelt es sich nämlich erst um ein Vorprojekt, wie Gemeindeingenieur Andy Fellmann während der Fragerunde erklärte. Genehmige das Volk den Projektierungskredit am 31. Januar, nähme die Gemeinde die Gespräche mit dem Kanton wieder auf und arbeite das Projekt aus. Anfang des nächsten Jahres würde das Bewilligungsverfahren beginnen, Ende 2022 der Bau. Ende 2023 wäre die Hafenerweiterung abgeschlossen, und der Badi-Umbau könnte beginnen. So der Zeitplan der Gemeinde.

Finanzierung noch unklar

Die Finanzierung sei derzeit noch nicht geklärt, sagte Gautschi. Der Hafen ist im Besitz der Bootshafen Farbsteig AG, an der die Gemeinde mit 52 Prozent beteiligt ist. Diese private Aktiengesellschaft müsse die Finanzierung an die Hand nehmen. Eine Bankenfinanzierung erhält sie nicht. Über ein mögliches Darlehen der Gemeinde müsste das Stimmvolk befinden.

Zwischen 5,9 und 8,3 Millionen Franken kostet die Hafenerweiterung insgesamt. Darin enthalten sind auch die Kosten für die Verlängerung des ZSG-Stegs um rund 26 Meter. Diese wäre notwendig, damit das Kursschiff den Steg trotz des erweiterten Hafens Farbsteig noch ansteuern könnte.

Bezirksratsentscheid hängig

Nur wenn der Projektierungskredit für den Hafen Farbsteig sowie der Gestaltungsplan Seeufer Bürger angenommen werden, finden die Arbeiten so statt, wie es die Gemeinde vorsieht. Bei einer Ablehnung beider Vorlagen müsste die Bootshabe Bürger für rund zwei Millionen Franken saniert werden – falls der Kanton eine neue Konzession erteilt. Andernfalls würde sie abgebrochen. Bei einer Ablehnung des Projektierungskredits und einer Annahme des Gestaltungsplans würde die Bootshabe aufgehoben, und die 56 Bootsplätze würden nicht ersetzt.

Es ist noch nicht klar, wann Thalwil über den Gestaltungsplan Seeufer Bürger befindet. In einem Zwischenschritt genehmigten im Juni über 60 Prozent den 9-Millionen-Baukredit für die Seeuferumgestaltung an der Urne.

Ob das Resultat der Urnenabstimmung am 31. Januar letztlich gültig sein wird, ist ebenfalls noch unklar. Denn: Die IG Pro Badi Bürger I hat beim Bezirksrat eine Stimmrechtsbeschwerde eingereicht, weil sie nicht will, dass an der Urne über das Geschäft abgestimmt wird. Der Entscheid des Bezirksrats steht aus.

Videos und Weisungen zur Hafenerweiterung sowie zu Budget und Steuerfuss 2021, über die ebenfalls an der Urne abgestimmt wird, finden Sie auf der Website der Gemeinde Thalwil unter Dorfleben>Unser Dorf>Thalwil informiert.

2 Kommentare
    Perter Müller

    Was an dieser Veranstaltung geboten wurde war sehr dilettantisch und manipulativ. Von den 20 Minuten (Nicht 30 Minuten) hat der GR 10 Minuten selber geredet. Die Fragen konnten nur per Mail geschickt werden. Da war es unmöglich etwas in einer so kurzen Zeit zu verfassen oder eine Replik auf das Gesagt zu tippen. Live heisst beide Seiten können Reden. Wie Bei Skype oder Zoom. Schlecht gelöst, wie die letzten drei GV. Die Fragen die schon vorher eingegangen sind wurden schöngeredet oder nicht behandelt. Jedoch wissen wir endlich, dass kein Zeitdruck herrscht, dass der GR selber nicht weiss, wann der Baustart für den Entlastungsstollen ist. Der Entlastungsstollen wurde nicht einmal im Kantonsrat behandelt oder bewilligt. Das wird leider von der GV nicht kommuniziert. Es hat noch einige Unwahrheiten oder Schönfärbereien die für die die Bürger von Thalwil wichtig zu wissen sind.

    Wurde vom Hafen mal eine Überprüfung zum Zustand gemacht?

    Wenn ja, was steht dort drin?

    Wie sind dort die Kosten beziffert?

    Könnte das die ZSZ einsehen und neutral überprüfen lassen?

    Es ist zuviel unklar um in diesen Zeiten 400'000 einfach mal zu bewilligen, was dann ev. nochmals 6-8 Mio kostet.