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Politikerin gibt aufWarum Oetwils umstrittene Schulvorsteherin zurücktreten will

Vor kurzem beteuerte sie, weiterzumachen und über genügend Rückhalt zu verfügen. Nun gibt Tamara Läubli dem Druck aus der Bevölkerung nach und demissioniert.

Tamara Läubli hat beim Bezirksrat ihr Rücktrittsgesuch eingereicht.
Tamara Läubli hat beim Bezirksrat ihr Rücktrittsgesuch eingereicht.
Foto: PD

Die Medienmitteilung des Oetwiler Gemeinderats besteht nur gerade aus vier Zeilen: Tamara Läubli (parteilos) habe am 20. April ihr Rücktrittsgesuch von ihrem Amt als Gemeinderätin und Schulpräsidentin beim Bezirksrat eingereicht, schreibt er. Dieser werde die weiteren Schritte einleiten. Bis der Entscheid des Bezirksrats vorliegt, bleibt Läubli im Amt. Anfang April noch sagte sie dieser Zeitung: «Ich spüre in der Schulpflege und in der Lehrerschaft viel Rückhalt.» Gleichzeitig kommunizierte sie 21 Abgänge für das aktuelle Schuljahr, 12 mehr als in der Vorjahresperiode.

Nun also der plötzliche Rücktritt. «Der Druck ist zu gross geworden», sagt Tamara Läubli dazu. Für sie sei das Fass übergelaufen, als die Petitionäre zu Musterbriefen an die einzelnen Gemeinderatsmitglieder aufriefen – Briefe, in denen ihr Rücktritt gefordert wurde. Sie habe sich mit viel Herzblut für die Schule und das Volk engagiert. «Das Wohlergehen der Schule liegt mir sehr am Herzen. Deshalb ist mir der Entscheid auch äusserst schwergefallen», sagt sie mit gebrochener Stimme.

Mühe mit Petitionären

Gemeindepräsident Jürg Hess (parteilos) bedauert den Rücktritt von Tamara Läubli. Er habe sie in den vergangenen Monaten motiviert, weiterzumachen. «Für mich war immer klar, dass sie dem Amt gewachsen ist», sagt er. Doch irgendwann sei der Punkt erreicht, an dem eine vernünftige Weiterarbeit nicht mehr möglich sei. Er und andere Gemeinderatsmitglieder hätten Läubli in den vergangenen Wochen ihre persönliche Einschätzung zur Lage abgegeben.

Mit dem Vorgehen der Petitionäre bekundet der Gemeindepräsident Mühe. «Die Bevölkerung hat Tamara Läubli in den Gemeinderat gewählt», sagt er, das sei der politische Weg. Es gelte eine Amtspflicht, von der eine gewählte Person nicht einfach zu entheben sei. Die Forderungen der Petitionäre diskutierte der Gemeinderat, konnte ihnen aber nicht entsprechen, weil kein anderes Gemeinderatsmitglied bereit war, das Ressort Schule zu übernehmen. Jürg Hess klingt ratlos. «Es blieb gar keine Möglichkeit, auf die Petition einzugehen.»

Wahl ohne Stimmbürger

Seit Legislaturbeginn gab es in Oetwil mit dem Ressort Schule Schwierigkeiten. Zurückzuführen sind sie auf die Besetzung des Schulpräsidiums. Ein Amt, dessen Vorsteher oder Vorsteherin in Oetwil der gewählte Gemeinderat aus seinen eigenen Reihen heraus bestimmt. Die Stimmbürger haben keinen Einfluss darauf. Jürg Hess betont, dass die Besetzung des Schulpräsidiums durch Tamara Läubli ein Entscheid des Gesamtgemeinderats gewesen sei. Trotzdem, was würde er heute als Gemeindepräsident anders machen? «Einiges», sagt er. Auch sei es im Nachhinein ein Fehler gewesen, den Konfrontationen aus dem Weg zu gehen.

Mit dem Rücktritt von Tamara Läubli, der vom Bezirksrat noch genehmigt werden muss, sind nun zwei neue Behördenmitglieder für die Schule gesucht. Dem Rücktrittsgesuch von Schulpflegerin Erika Hürlimann ist der Bezirksrat inzwischen nachgekommen. Anordnen kann der Oetwiler Gemeinderat die Ersatzwahl aber frühestens am 1. Juni. Dies, weil der Regierungsrat einen Fristenstillstand bei kantonalen und kommunalen Volksbegehren und Wahlen bis zum 31. Mai beschlossen hat.

Erst seit 2018 im Amt

Läubli übernahm im Sommer 2018 das Schulpräsidium. Sie war 2016 in den Gemeinderat gewählt worden und stand zwei Jahre dem Ressort Bau vor. Dieses ging nach der Neukonstituierung vor zwei Jahren an den ehemaligen Schulpfleger Daniel Hasler (FDP), der sich ursprünglich für den Gemeinderat aufstellen liess, um das Ressort Schule zu übernehmen.