Zürich

Für Stéphane Lambiel verschmilzt «Art on Ice» Kunst in allen Facetten

Die Eislaufgala «Art on Ice» gastiert vom 2. bis 5. Februar im Hallenstadion. Bereits zum 15. Mal dabei ist Publikumsliebling Stéphane Lambiel. Für ihn ein «Familientreffen» der besonderen Art.

Publikumsliebling Stéphane Lambiel wird auch dieses Jahr mit viel künstlerischem Ausdruck für Emotionen auf den Zuschauerrängen sorgen.

Publikumsliebling Stéphane Lambiel wird auch dieses Jahr mit viel künstlerischem Ausdruck für Emotionen auf den Zuschauerrängen sorgen. Bild: Martin Allemann

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Livemusik verschmilzt mit Eiskunstlauf, das ist das Erfolgs-rezept von «Art on Ice». Wieder finden sich grosse Namen – James Morrison, Chaka Khan, das Zürcher Kammerorchester, Sarah Meier, Meryl Davis & Charlie White und natürlich Sté­phane Lambiel – im Programm.

Stéphane Lambiel, grosse Shows werfen ihre Glanzlichter voraus, bald beginnen die Vorbereitungen. Haben Sie besinnliche Weihnachts-feiertage erlebt?
Stéphane Lambiel: Ja, die Familie hat mich besucht. Wir waren vierzehn Personen. Meine Grossmutter aus Portugal tischte verschiedene leckere Spezialitäten auf. Wir sassen in entspannter Stimmung und mit vollen Bäuchen vor der Tanne, entsprechend viele Päckli lagen dar­unter. Im vergangenen Jahr hatte ich leider nicht sehr viel Zeit, um das Familienleben zu pflegen. Umso schöner waren dann diese gemeinsamen Stunden, glücklich, zusammenzusein.

Weihnachten – das Familienfest. Da werden doch auch Erinnerungen ausgetauscht, Anekdoten erzählt. Wie haben Sie Ihre Kindheit erlebt?
Mein Vater hat hart gearbeitet, um meiner Schwester Silvia und mir das Eiskunstlaufen zu ermöglichen. Aber auch meine Mutter hat – sie fuhr uns jeweils zum Training – viel Energie aufgewendet, um uns rundum zu unterstützen.

Weshalb Eiskunstläufer und nicht Eishockeyaner?
Am Anfang war es für meinen Vater nicht einfach, das zu akzeptieren. Im Wallis dachte man, diese Sportart sei eher für Frauen. Wir drei – ich habe noch einen Bruder (Christophe) – hatten eine unbeschwerte Kindheit. Das Familienleben war einfach, von Arbeit geprägt, aber schön. Wir haben gelernt, dass, wer etwas erreichen will, dafür arbeiten muss. Erfolg zu haben, wird einem nicht in die Wiege gelegt.

Und Talent?
Vielleicht die Liebe fürs Künstlerische.

Was fasziniert Sie denn daran, schwungvoll und mit Ausdruck über gefrorenes Wasser zu laufen?
Ich hatte oft Wettkämpfe am Fernsehen verfolgt, und die haben mich beeindruckt. Nicht nur die technische Seite dieser Sportart, auch die ästhetischen Bewegungen zu Musik. Ich liebe Musik, den Tanz. Die Leidenschaft für diese Künste findet man im Eiskunstlauf zu einem Gesamtkunstwerk choreografiert. Da kann ich mich perfekt einbringen. Früher, in Saxon VS, haben wir das spielerisch, auch mitden Nachbarskindern, ausgelebt. Seither lodert dieses Feuer in mir.

Sie sind musikalisch. Haben Sie gelernt, ein Instrument zu spielen?
Nein, leider nicht. Dazu fehlte mir die Zeit, weil ich das Schwergewicht aufs Eislaufen gelegt hatte.

Irgendwann kam wohl der Gedanke: Bleibt es ein Hobby, oder ist es meine Berufung?
Das wusste ich von Beginn weg. Einzig als meine Schwester vierzehn Jahre alt war und ich elf, hat sie sich entschieden, aufzuhören. Sie war meine Trainingspartnerin, und ich konnte mir damals das Eiskunstlaufen ohne sie nicht vorstellen. Eine Woche betrat ich kein Eis mehr, aber schliesslich war der Hunger danach wieder stärker. Es gibt immer mal Zeiten, in welchen man die Motivation zwischendurch verliert. Meine Mutter wusste, wofür mein Herz schlägt. Sie hat mich nie aufs Eis zerren müssen. Vielleicht hat man eine Pause gemacht, tief durchgeatmet, aber dann ging es konzentriert weiter.

Ihre Schwester hat Medizin
studiert, also einen anderen Weg eingeschlagen. Hat sie das rückblickend bereut, als sie sah, wie erfolgreich Ihre sportliche Karriere verläuft?
Sie war sicher talentiert. Ich musste auch viel trainieren, aber mir lief es einfacher. Darüber hat sie sich Gedanken gemacht und fand, dass es vielleicht doch nicht ihr Ding ist.

Der Weg zum Erfolg ist intensiv. Haben Sie sich viele blaue Flecken geholt?
Wir stürzen täglich. Manche haben mehr blaue als helle Haut . . . Nein, ernsthaft, einige sind halt anfälliger darauf. Der Körper kennt fast keine Grenzen, und man hat den Ehrgeiz, diese auszuloten.

Gab es Momente, wo Sie die Schlittschuhe am liebsten an die Bande geknallt hätten – oder haben Sie?
Nein. Hat etwas mal nicht funktioniert, hat mich das nur noch mehr angetrieben. Mein Trainer Peter Grütter hat mir jeweils gesagt: «Stéphane, es gibt ein Morgen, und du hast noch viele gute Jahre vor dir.» Ich ging einfach beharrlich meinem Weg und folgte meinen Zielen.

Hinderte Sie Ihre Zielstrebigkeit nicht manchmal?
Das nicht, aber mein Trainer musste mich schon manchmal stoppen, damit sich der Einsatz auch nachhaltig lohnt.

Kann man sich übertrainieren?
Wichtig ist, die für einen passende Dosierung zu finden. Es braucht Ruhezeit, Entspannungsphasen – eben Freitage für die Regeneration von Körper und Geist.

2010 sind Sie vom aktiven Sport zurückgetreten. Was kam danach?
Ich bin in verschiedenen Shows gelaufen, habe 2014 meine eigene Eiskunstlaufschule gegründet, aber auch für Weltmeister und Olympiasieger deren Programme choreografiert. 2014 habe ich ausserdem meine eigene Show «Ice Legends» gegründet», die wir am 28. April in Genf zeigen. Die Organisation kostet viel Energie, und anderseits muss ich mich auf mich konzentrieren, um eine gute Leistung zu erbringen.

Apropos Show: Sie sind dieses Jahr zum 15. Mal bei «Art on Ice» dabei. Wie kam es eigentlich zu diesem Engagement?
Oliver Höner hat Sarah Meier,Kimena Brog-Meier und mich angefragt, mitzumachen. Er wolle junge Eiskunstläuferinnen und -läufer fördern und hat dann ein Talentteam gegründet. Er hat uns finanziell unterstützt, motiviert und mit «Art on Ice» eine Plattform geboten, uns zu präsentieren. Seither ist es jedes Jahr ein Traum, in dieser Show auftreten zu dürfen. Es ist toll, wenn manzu Livemusik verschiedener Künstler, Stars, Choreografien entwickeln und Kostüme entwerfen kann.

Hätten Sie gedacht, dass diese Show solche Dimensionen annimmt?
Das nicht, aber die Qualität stimmte von Beginn weg. Heute hat «Art on Ice» nicht nur beim Publikum einen guten Ruf, viele aktive Eisläuferinnen und -läufer hoffen auf ein Engagement.

Es fühlt sich dort ja auch sehr familiär an, oder?
Man kennt sich seit Jahren, das schweisst zusammen. Es ist fast wie Holiday – also nicht im wörtlichen Sinn. Wir sind drei Wochen zusammen, proben davon eine und erleben vieles.

Nun ist Sarah Meier – «Ihre kleine Schwester» – zurück in der Show. Muss man sich da erst wieder einarbeiten?
Ich sehe Sarah oft. Sie hat ja nicht aufgehört, sondern läuft immer noch Shows und ist fit. Sie liebt diesen Sport und ist voller Emotionen. So schnell erlischt dieses Feuer nicht.

Ein solches lodert in Sarahs Fall ja auch für den Sänger James Morrison. Der Grund für deren Comeback?
Es ist ihr Traum, zu seiner Musik zu laufen, also hat Oliver Höner ihn aufgeboten. Ich freue mich für Sarah, dass das möglich wurde.

Sie scheinen sich auf der ­Showbühne, im Glamour, sehr wohlzufühlen. Sind Sie privat ein zurückhaltender Mensch?
Ich bin eher ein ruhiger Typ, aber ich liebe Kunst in all ihren Facetten. Eiskunstlauf vereint solche, es ist also mein Traumjob.

Wo tanken Sie Energie für Ihre Kreativität?
Ich esse sehr gerne gut, richte mir in der eigenen Küche leckere Vegi­menüs her. Das Herum­reisen ist anstrengend, deshalb hole ich auch Schlaf nach.

Kochen Sie auch gerne für Freunde?
Ja, sehr. Zum Jahreswechsel bekochte ich siebzehn Gäste.

Ich nehme an, Sie fahren kaum in die Antarktis in die Ferien . . .
Oh nein. Ich habe oft genug kalte Füsse. Im Urlaub brauche ich Wärme und lese endlich ein Buch.

Können Sie dort wirklich abschalten und eben nicht an Eiskunstlauf denken?
Es ist mein Blut, und wenn ich am Strand in eine Glasscherbe trete, dann blutet es – bildlich gesprochen. Es vergeht kaum ein Tag, an welchem meine Gedanken ganz woanders sind.

Um auf «Art on Ice» zurück-zukommen: Was ist das Besondere bei dieser Show?
Die Kombination von allem. Tolle Künstler aus den verschiedensten Genres und wir auf dem Eis. Es ist wie ein riesiges Puzzle, das sich nur mit Teamleistung zu einem wunderbaren Bild zusammenfügt. Alle arbeiten mit viel Herzblut – in Technik, Ton, Maske, Kostüm, Gastronomie und mehr. Sie machen diesen Event zum genussvollen Erlebnis. Wir möchten das Publikum verzaubern. Der Aufwand ist immens, die Kosten entsprechend. Das ist eine Verantwortung. Ich fühle mich verpflichtet, mein Bestes zu geben.

Nun könnte dieses «Märchen» ja ewig so weitergehen. Denken Sie bereits an die Zeit, wenn das Scheinwerferlicht ausgeht?
Solange ich gesund bin und Spass daran habe, verschwende ich keinen Gedanken daran. Denise Biellmann macht immer noch eine gute Figur, also habe ich noch 20 Jahre Zeit. Ich glaube, «Art on Ice» läuft sich nicht so schnell tot, die Show lebt von der Vielseitigkeit, von den besonderen Begegnungen, und die sind immer wieder anders und unerwartet.

Bei den After-Show-Partys haben Sie Ihr Gesangstalent schon mehrfach bewiesen. Eine Option für die Zukunft?
Es ist meine Art, nach einem ­gelungenen Auftritt die Familie zu feiern. Derzeit habe ich genügend Projekte, in denen ich mich ausleben kann – wie eben bei «Art on Ice».

Art on Ice 2. bis 5. Februar. Hallenstadion Zürich-Oerlikon. Infos/Tickets: www.artonice.com, Tickets: Telefon 0900 800 800(1.19 Fr./Min.).

Erstellt: 20.01.2017, 16:38 Uhr

Infobox

Art on Ice – Die «Zürichsee Zeitung» und der «Zürcher Unterländer» verlosen 2×2 Tickets für die Show von Sonntag, 5. Februar, um 19 Uhr. Die Gewinner erhalten die Karten per Post.
Kennwort: Ice
Teilnahme: kostenlos per E-Mail an ticketverlosung@zsz.ch (für Leser der «Zürichsee-Zeitung») oder ticketverlosung@zuonline.ch (für Leser des «Zürcher Unterländers») bis Montag, 23. Januar, 8 Uhr. Über die Verlosung wird keine Korrespondenz geführt. Die Teilnahme ist nur einmal pro Person möglich; Mitarbeiter von Tamedia sowie deren im selben Haushalt lebende Angehörige sind nicht teilnahmeberechtigt. (red)

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