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Zwischennutzung geplantFür den Campingplatz Sihlwald zeichnet sich eine Übergangslösung ab

Die Hiobsbotschaft kam im Sommer: Der Campingplatz Sihlwald soll geschlossen werden. Nun lenkt die Stiftung Wildnispark ein und verspricht Lösungen.

In die Jahre gekommener Treffpunkt: Der Campingplatz im Sihlwald.
In die Jahre gekommener Treffpunkt: Der Campingplatz im Sihlwald.
Copyright: André Springer

Die Meldung hatte den Campern im Sihlwald den schönen Sommer verdorben. Ihr geliebter Campingplatz soll Ende Oktober geschlossen werden. «Die Infrastruktur ist erneuerungsbedürftig», begründete Wildnispark-Sprecherin Barbara Felix damals. Der «sehr schlechte Zustand» sei schon länger bekannt. Offen war, ob der Campingplatz überhaupt je wieder geöffnet wird.

Nun zeichnet sich eine Lösung ab, wie die Stiftung Wildnispark Zürich mitteilt: Für den Betrieb des Campingplatzes sei eine Zwischennutzung bis zum Vorliegen eines neuen Platzkonzepts und der entsprechenden Finanzierung anzustreben. Eingefädelt hat diese Lösung die IG Camping Sihlwald. Die Interessensgemeinschaft hatte sich nach den Medienberichten über die Schliessung gegründet. Präsidiert wird sie vom Affoltemer Pfarrer Werner Schneebeli.

Verein übernimmt Betrieb

Dass der Platz nun nicht einfach pro forma geschlossen wird, freut Schneebeli. Nicht nur aus eigenem Interesse, wie Schneebeli sagt, der selber einen Platz mietet: «Der Campingplatz kostet auch, wenn er nicht in Betrieb ist.» Deshalb sei es auch für die Stiftung Wildnispark und die beteiligten Gemeinden gut, wenn der Platz genutzt wird. Nur für die Umgestaltung soll der Camping dann geschlossen bleiben.

Den kommenden Monaten blickt Schneebeli allerdings auch mit Respekt entgegen. Denn aus der IG heraus gründet sich nun ein Verein, der ab der Saison 2021 für den Betrieb des Campings bis zur Neukonzeption verantwortlich sein wird. Bis Ende Oktober soll der Verein gegründet sein. 7 bis 8 Personen werden diesen führen, mittelfristig sollen aber auch die rund 130 Personen aus der IG im Verein Mitglied werden können.

Inspektion notwendig

Eine Herausforderung bleibt: Die Infrastruktur ist in die Jahre gekommen – das gilt auch für eine Zwischennutzung. Der Verein und die Stiftung Wildnispark werden deshalb gemeinsam eine Inspektion veranlassen, damit das Areal sicher betrieben werden kann. Schneebeli geht davon aus, dass nur kleinere Investitionen nötig sein werden.

Doch wie geht es mit der jetzigen Pächterin des Campingplatzes weiter? Man würde mit Conny Landolt gerne zusammenarbeiten, sagt Werner Schneebeli. Der Entscheid liege aber bei ihr. Über die Konditionen der Zusammenarbeit müssten sie nun in den kommenden Wochen verhandeln. Ziel sei es, bis Mitte November einen Vertrag abschliessen zu können. Conny Landolt sagt, sie wolle nun einmal die konkreten Vorschläge der IG abwarten, ehe sie einen Entscheid fälle.

Die heutige Campingplatzbetreiberin Conny Landolt soll an Bord bleiben.
Die heutige Campingplatzbetreiberin Conny Landolt soll an Bord bleiben.
Foto: André Springer

Juristische Probleme vermeiden

Das Vereinskonstrukt wirkt etwas seltsam. Die Stiftung Wildnispark hätte den befristeten Vertrag mit Conny Landolt ja auch einfach verlängern können, statt nun mit der IG und dem zu gründenden Verein eine Lösung zu suchen. Andres Türler, früherer Stadtrat von Zürich und Präsident der Stiftung Wildnispark, erklärt den Umstand so: «Wenn ein befristeter Vertrag zweimal verlängert wird, dann wird er zum Dauermietvertrag. Das ist Gerichtspraxis.»

Der Wildnispark sei aber darauf angewiesen, bei Vorliegen eines neuen Campingkonzeptes mit der Umgestaltung loslegen zu können. Bei einem Dauermietvertrag besteht laut Türler das Risiko, dass bei einer Kündigung Mieterstreckung verlangt wird – das Projekt wäre dann blockiert. Ein Risiko, das die Stiftung nicht eingehen will. Mit dem neuen Vertragspartner hat man nun einen Kniff gefunden, den Campingplatz weiter öffnen zu können. «Mit dieser Lösung ist allen gedient.»

Nachhaltiges Konzept

Laut Türler will man 2021 oder 2022 das neue Konzept für den Campingplatz vorlegen und die Finanzierung geklärt haben. Es soll unter anderem «nachhaltig» und »ressourcenschonend» sein. Auch Schulklassen oder Tagestouristen sollen den Campingplatz nutzen können. Wer am neuen Konzept arbeitet, will Türler nicht kommentieren. Die IG Camping Sihlwald soll, wie andere Partner auch, im Prozess angehört werden.