Zürich

Truck Stop haben nie angehalten, sondern sich stets weiterentwickelt

Das 33. Internationale Country Music Festivalversammelt das «Who is Who» der Szene am Fussedes Zürcher Hausberges. Truck Stop (D) gehörenzu den musikalischen Höhepunkten. Seit 34 Jahrenmit dabei ist Pedal-Steel-Guitar-Spieler Knut Berwersdorff.

Bandleader Knut Berwersdorff verleiht dem Sound von Truck Stop mit seiner Pedal Steel Guitar eine ganz persönliche Note.

Bandleader Knut Berwersdorff verleiht dem Sound von Truck Stop mit seiner Pedal Steel Guitar eine ganz persönliche Note. Bild: zvg

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Knut Berwersdorff, mit neun ­Jahren lernten Sie Akkordeonspielen. Später folgte Gitarre;Sie gründeten eine Schülerband und waren Teil verschiedener Formationen. War es für Sieschon als Jugendlicher klar,ich werde Musiker?
Knut Berwersdorff: Nicht unbedingt. Diese Entscheidung musste erst reifen. Auf der Bühne zu stehen, machte mir Spass, und die Mädels standen drauf. Nachdem ich dann noch einige wei­tere musika­lische Exkursionen in unterschiedlichen Bands hinter mir hatte, war die Entscheidung, Musiker zu werden, herangereift. Da war ich 18 Jahre jung.

Wie hat die Familie, das Umfeld darauf reagiert? Gab es seitens der Eltern Einwände? Sie haben ja den Beruf des Musikalienhändlers erlernt …
Meine Mutter hat mich in der ­Jugend stets in meinem musika­lischen Bestreben unterstützt. Mein Vater hingegen war der ­Meinung, dass Schule, ein Studium oder eine Ausbildung wichtiger sei. Ich habe mich von dieser bedauerlichen Fehleinschätzung aber keineswegs beirren lassen und mein Ding durchgezogen. Wenn ich zu Hausarrest verdonnert wurde, war es meine Mutter, die mich aus dem Haus gelassen hatte, damit ich zur Bandprobe fahren konnte. Erst als ich im Herbst 1983 bei Truck Stop anfing, hatte ich endlich den Respekt meines Vaters.

Haben Sie Musik in Ihren Genen, diese schon mit der Muttermilch aufgesogen?
Meine Mutter hatte in ihrer ­Jugend Akkordeon gespielt und war auf den dörflichen Feiern die Stimmungskanone. Von meinem Vater habe ich in dieser Hinsicht nichts mitbekommen.

Schliesslich haben Siezu Ihrem Instrument – der Pedal Steel Guitar – gefunden. Weshalb?
Als für mich feststand, dass ich Musiker werden will, musste ich noch eine Frage klären – wie kann ich mir als Musiker eine Art Allein­stellungsmerkmal schaffen, um gegen die fast unüberschau­bare Menge von hervorragenden Musikern zu bestehen? Ich kam zum Schluss, dass dies am besten über die Art des Instrumentes möglich ist. Auf einer meiner LPs von Earl Klugh fiel mir ein Instrument auf, das ich vorher bei ihm noch nie gehört hatte. Die Pedal Steel Guitar – von Lloyd Green ­gespielt. Die Entscheidung war gefallen. Ich bin nach Hamburg gefahren und habe sämtliche Musik­geschäfte abgeklappert, bis ich endlich einen entsprechenden Lieferanten fand. Zwei Wochen später stand das Instrument vor mir, und das Abenteuer begann.

Was ist das Besondere, das Herausfordernde bei diesem Instrument?
Schlagzeuger haben ja schon recht viel zu tun, denn es werden Hände und Füsse benötigt. Im Gegensatz dazu fordert das Spielen einer Pedal Steel Guitar aber zusätzlich den Einsatz beider Knie, um neben den vielen Fusspedalen und dem Volumenpedal auch noch die unterschiedlichen Kniehebel zu betätigen. Die besondere Herausforderung liegt für mich darin, während der technisch sehr komplexen Spielweise, gleichzeitig zu singen. Da bin ich einer der Wenigen, der das tut.

Wenn sie darauf spielen, woran denken Sie, was fühlen Sie?
Möglichst fehlerfrei durchkommen … – Spass beiseite. Im Wesentlichen versuche ich, die Stimmung, die der Song vermitteln soll, so gut wie möglich zu treffen und den Sänger, die Band und das gesamte Arrangement so gut wie möglich mit meinem Instrument zu unterstützen.

Tauchen Sie in die Geschichte des Liedes ab, oder lassen Sie sich von Emotionen, dem Zusammen­spiel tragen?
Auf der Bühne eher nicht, denn da schenke ich überwiegend dem Publikum und der Band meine Aufmerksamkeit. Das funktioniert aber nur, wenn man die Songs aus dem Effeff spielen kann. Bei Aufnahmen im Studio hingegen ist es wichtig, dass man beim Spielen auch auf den Text achtet und in den Song eintaucht. Es geht bei CD-Auf-nahmen nicht darum zu zeigen, was man kann, sondern darum, das zu spielen, was für den Song gut und dienlich ist.

Weshalb Country Music?
Weil die Pedal Steel Guitar nun mal eines der wirklich typischen Instrumente in der CountryMusic ist und ich diese Musik liebe.

Sie sind sozusagenProfi-Cowboy. Ist das eine Lebenseinstellung?
Im Grunde ja, denn Country ­Music ist eine relaxte Musik, die nicht aggressiv macht. So bin auch ich.

Haben Sie sich vor Ort ein Bild über die Ursprünge der Country («Cowboy») Musik gemacht?
Ich war mit Truck Stop im Jahr 1993 zwei Wochen in den USA, um dort Konzerte zu spielen und Urlaub zu machen. Wir waren in Kalifornien und Arizona – eine tolle Zeit. Ich war aber, ehrlich ­gesagt, glücklich, als ich wieder zu Hause war. Ich hatte mich nirgendwo derart eingeschränkt, unsicher und gemassregelt gefühlt wie in den USA – aktuell scheint sich das nicht gerade zu bessern.

Zu Ihren Hobbys zählen Modellflug und Hochseefischen. Sieht von der Seite betrachtet sehr ähnlich aus …
Zum Hochseefischen komme ich kaum noch. Ich habe daher mit dem Modellflug angefangen. Dieses Hobby kann man auch zwischendurch pflegen, wenn man für wenige Stunden aus dem Büro raus kann.

Truck Stop wurde 1973, alsovor 44 Jahren, gegründet und hat eine unglaublich erfolg­reiche Bandgeschichte geschrieben. Sie sind seit 34 Jahren ein Teil davon. Macht Sie das stolz?
Ja, sehr. Einerseits habe ich mir das hart erarbeitet, und andererseits habe ich das Glück, in der in Europa erfolgreichsten Countryband spielen zu dürfen. Dass Truck Stop noch immer erfolgreich ist, ist auch mir als Musiker, Sänger, Songwriter und Macher, zuzuschreiben, um es mal bescheiden auszudrücken.

Picken wir einige Ereignisse ­her­aus: 1988 spielte Truck Stop in der ehemaligen DDR trotz Verbot ihren Hit «Der wilde, wilde Westen». Wie haben Fans und «Offizielle» reagiert – ein Jahr später fiel ja dann die Mauer …
Ein unvergessliches Erlebnis. Sel­ten bin ich auf derart dank­bare und interessierte Fans gestossen. Sie haben unsere Musik aufgesogen.

Immer wieder gab es Auszeichnungen: goldene Schallplatten, CDs, Stimmgabeln usw. Was bedeuten Ihnen solche Ehrungen?
Ich freue mich über jede Art Auszeichnung, die eine Wertschätzung unseres künstlerischen Schaf­fens zum Ausdruck bringt.

Die Single «Maschendrahtzaun» mit Stefan Raab verkaufte sich unglaubliche 1-Mio.-mal.Hat es aus Sicht des Musikers nicht einen schalen Nachgeschmack, dies mit einem «Klamauktitel» erreicht zu haben?
Wieso denn «schaler Nach­geschmack»? Jeder erfolgreiche Song hat zu seiner Zeit auch die entsprechende Berechtigung und den passenden An- und Zuspruch gehabt. Ich möchte die Zeit mit dem Song nicht missen, wir hatten mit Stefan Raab viel Spass.

«Grosse Haie, kleine Fische»ist die Titelmelodie der TV-Serie «Grossstadtrevier». Selber schon daran gedacht, als Schauspieler zu agieren, oder reicht es Ihnen, in den Videoclips der Band mitzuwirken?
Ich glaube, dass ich keine schauspielerischen Talente besitze, und habe mich wohl deshalb auch nie dafür interessiert. Sollte ich ein Angebot für eine TV- oder Filmrolle bekommen, könnte ich mir durchaus vorstellen, das auszuprobieren.

Vor wenigen Jahren verstarben zwei Gründungsmitglieder. Schliesslich hat man sich gegen die Auflösung der Band und für einen Neuanfang entschieden. Wie haben Sie diese schwierige Zeit überwunden?
Das waren harte Jahre, denn wir haben mit Lucius Reichling und Cisco Berndt nicht nur zwei Kollegen, sondern zwei Freunde verloren. Letztendlich heilt die Zeit aber in der Tat fast alle Wunden. Die Entscheidung, mit Truck Stop zu neuen Ufern aufzubrechen, brachte zudem eine Menge Arbeit mit sich, die uns die nötige Ablenkung verschafft hat. Auch die neuen Bandmitglieder Andres Cisek, Chris Kaufmann und Tim Reese haben dazu beigetragen, dass wir unseren Blick wieder nach vorne richten konnten.

Auch Plattenlabel und Produzent haben gewechselt. War das eine Chance, allzu festgetrampelte («Indianer»-)Pfade zu verlassen, Neues auszuprobieren?
Wir mussten neue Wege gehen. Den Weg, den wir mit der CD «Män­ner sind so» beschritten ­haben, hätten wir stilistisch und inhaltlich mit der alten Formation nicht gehen können.

Worin liegt das Erfolgsrezept von Truck Stop? Vielleicht, weil die Zuhörer die Texte verstehen, diese authentisch wirken und man sich damit identifizieren kann?
Ja, im Wesentlichen dürfte unser Erfolg wohl überwiegend durch die Texte begründet sein. Eigene Erlebnisse, die in Texten verarbeitet wurden, ehrliche ­Gefühle, bei denen man einfach mal schmunzeln kann. Die Mischung machts.

Die aktuelle CD «Männersind so» erreichte gute Chart-platzierungen. Ist Country im Trend oder zeitlos?
Ohne die Erfolge der Zeiten schmä­lern zu wollen, diese CD schafte es auf Platz 15 und ist ­somit der höchste Charteinstieg für Truck Stop. Wir scheinen mit der Umsetzung unseres moder­nisierten Konzepts richtig zu liegen. Mit dem neuen CD-Album «Made in Germany», das am 7. April erscheint, gehen wir den eingeschlagenen Weg konsequent weiter.

Unzählige Auftritte – berichten Sie von einem besonderen Erlebnis, einer Begegnung …
1993 haben wir in San Fran­cisco mit einigen Leuten eine Hochseeangeltour gemacht. Als wir im Mor­gengrauen unter der Golden Gate Bridge durchgefahren sind, hing knapp über dem Wasser ­zwischen Alcatraz und San Francisco ein schwacher Nebelschleier, und die Sonne ging über der Skyline von San Francisco auf. Dieses Bild werde ich nie vergessen.

Wie erlebt Ihr Eure Auftritte beim Country Music Festival Zürich?
Als wir vor vielen Jahren das ­erste Mal im Albisgüetli aufge­treten sind, waren wir zuerst ­etwas verwundert, dass dort ­während eines Konzerts getanzt wird. Wir finden es toll, dass man dort so dicht am Publikum ist. Das macht den Auftritt einfach persönlicher. Grossveranstaltungen, bei denen wir vor 50 000 Fans spielen (Nürburgring, Truck Grand Prix), machen uns natürlich auch Freude, aber irgendwie stehen wir mehr auf Gigs wie im Albisgüetli. Das Schweizer Publikum ist ein sehr dankbares.

Worauf freuen Sie sich besonders, wenn Sie hier auftreten?
Auf das tolle Publikum, die ­Gespräche mit netten Menschen, ein Zürcher Geschnetzeltes, einen Appenzeller Kräuterschnaps und das Birnenbrot, das immer wieder mal ein netter Fan für uns mitbringt.


Country Music Festival (bis 19. März) – Truck Stop (D) 6. Special Night mit Blueground & Klara (CZ). Donnerstag, 23. Februar, 19.30 Uhr.
Schützenhaus Albisgütli, Zürich.
Infos/Tickets: www.albisguetli.ch.

Erstellt: 03.02.2017, 14:19 Uhr

TICKETVERLOSUNG

Truck Stop – Die «Zürichsee Zeitung» verlost 2×2 Tickets für das Konzert von Donnerstag, 23. Februar, um 19.30 Uhr, Schützenhaus Albisgütli. Die Tickets werden an der Kasse hinterlegt, die Gewinner per Mail informiert.
Kennwort: Truck Stop
Teilnahme: kostenlos per E-Mail an ticketverlosung@zsz.ch bis Montag, 6. Februar, 8 Uhr. Über die Verlosung wird keine Korrespondenz geführt. Die Teilnahme ist nur einmal pro Person möglich; Mitarbeiter von Tamedia sowie deren im selben Haushalt lebende Angehörige sind nicht teilnahmeberechtigt.red

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