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Worte und Musik zwischen Tiefsinn und Blödsinn

Gitarrenklänge von Max Lässer und Geschichten von Pedro Lenz - im Rössli Stäfa erlebten 250 Personen ein ungewöhnliches Programm zweier bekannten Künstler.

Zwei, die sich in Wort und Musik verstehen: Pedro Lenz (links) und Max Lässer im Stäfner Rössli.
Zwei, die sich in Wort und Musik verstehen: Pedro Lenz (links) und Max Lässer im Stäfner Rössli.
Michael Trost

Mit vier Gitarren und einer Ukulele sowie über einem Dutzend Kurzgeschichten unterhalten zwei Meisters ihres Fachs das Publikum im ausverkauften Rösslisaal. Der grandiose Gitarrist Max Lässer, einst in Stäfa ansässig, tourt für einmal nicht mit seinem Überlandorchester durch die Lande. Der 69-Jährige hat sich mit dem derzeit wohl wichtigsten Schweizer Mundartautor aus Langenthal, Pedro Lenz, zusammengetan. Am Freitagabend haben die beiden vor rund 250 Zuhörern während 90 Minuten ohne Pause ihr gemeinsames Programm «Mittelland» musizierend und lesend dargeboten.

So ungleich die beiden in ihrer Erscheinung sind – der hünenhaft lange Lenz und der fast um zwei Kopflängen kleinere Lässer –, so harmonisch vereinen sie ihre Kunst: Es entsteht der Eindruck, dass die Worte erst durch die Musik ihre Bedeutung finden und umgekehrt die Instrumente ohne das Melodiemuster des Erzählens keine Daseinsberechtigung hätten. Mehr noch, dass mal die Gitarren eine Geschichte erzählen und im Gegensatz dazu die Worte einen eigenen Rhythmus entwickeln.

Ein sensibler Beobachter

Wenn der 54-Jährige Lenz in «Bündner Nusstorte und Thai Curry» dem Heim- und Fernweh huldigt, es ad absurdum auslotet, tönt das wie Sprechgesang, denn nach jeder Pointe folgt als Refrain «Bündner Nusstorte und Thai Curry». Die rhythmisierte Sprache mit dem behäbigen Berndeutsch des Autors entfaltet eine Klangwelt, die der Musiker auffängt und zu Improvisationen weiterspinnt. Mal mit melancholischen Weisen, mal rockig und aufbrausend, mal jazzig und immer wieder verspielt virtuos.

Was Lenz – oder vielmehr seine Texte – kennzeichnet, ist die sensible Beobachtung und eine frappante Wortpräzision, mit denen er Alltagssituation, aber auch Banales einfängt. Sei es das erste Lied im Radio, das Irene beim Erwachen hört und das sie nicht mehr loslässt oder die brummende, dicke, schwarze Fliege, die den Erzähler um den Schlaf bringt – den ganzen Abend trägt er seine Geschichten mit einer Gelassenheit und ernster Miene vor, dass schon diese Haltung Heiterkeit erweckt.

In totales Gelächter indes bricht das Publikum aus, als Lenz sich die fluchende Stammtischrunde vornimmt, die mit Ausdrücken wie «Sauhund, dumme Kuh, blöde Gans, sturer Esel» und dergleichen um sich werfen und von den Tierschützern in der Beiz ermahnt werden, das sei gegen die Würde der Tiere.

Und dann berührt er einen mit der Erinnerung an eine Zeit, als Schweizer Familien noch Mondo- und Silvapunkte sammelten und alle Bücherregale in Schweizer Stuben die gleichen Mondo- und Silvabände enthielten. Das waren dann die echten Schweizer. Wobei derzeit zwar wieder, aber andere Punkte gesammelt würden und dafür alle nun die gleichen Kuscheltiere hätten. Womit alles «tupfpunkt» gleich geblieben sei.

Melancholisch und heiter

Beim Wort «heimelig» gerät der Autor gar ins Schwärmen, lässt die drei Silben geniesserisch auf der Zunge zergehen, zuweilen singt er sie mit der sonoren Stimme. Was Gitarristen Lässer, der seit 1972 als freischaffender Musiker tätig ist und der sich mit Vorliebe alten Volksweisen annimmt, dazu verleitet, für diese Ode ans Heimelig folkloristische Melodien zu spielen. Das beherrscht einer wie er, der respektvoll mit Musik aus dem Alpenraum umgeht und der Ländler gekonnt mit Jazz und Pop durchmischt und daraus ureigene Heimatklänge erschafft.

Max Lässer und Pedro Lenz – das ungleiche Paar – versteht es in seinem ersten gemeinsamen Programm, zwischen Tiefsinn und Blödsinn, zwischen Melancholie und Heiterkeit, einen harmonischen Mix aus Konzert und Lesung zu bieten: witzig, berührend und total erfrischend.

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