Wädenswil

Wo die Fussballstars sich frisieren liessen

Im Coiffeurgeschäft Zabeni schneiden und frisieren drei Familienmitglieder die Haare der Kundschaft. Sie sind auch bei der Fussball-Nati bekannt. 

Die Gebrüder William (hinten) und Diego Zabeni führen das Coiffeurgeschäft Zabeni beim Bahnhof, das Jubiläum feiert.

Die Gebrüder William (hinten) und Diego Zabeni führen das Coiffeurgeschäft Zabeni beim Bahnhof, das Jubiläum feiert. Bild: Sabine Rock

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Der Tag, an dem der Italiener Alfredo Zabeni in Wädenswil ankam, ist in die Geschichtsbücher eingegangen. Am 22. Februar 1948 ereignete sich nämlich ein folgenschweres Eisenbahnunglück. Die Tragödie mit mehreren Todesopfern sollte aber kein schlechtes Omen sein. Er fand schon bald eine Anstellung bei Coiffeur Raible im Haus «Zum Ziit». Zabeni, der seine Ausbildung noch im Heimatland absolviert hatte, lernte in Wädenswil auch seine spätere Frau Elisabetta Cappozzo kennen. In den 60er-Jahren bekamen die beiden drei Kinder: Morena, Diego und William. Diese verbrachten viel Zeit im Coiffeursalon, den die Eltern Zabeni 1969 von Raible übernehmen konnten. «Meine ersten Franken habe ich mit Wischen oder Kissenumdrehen verdient», erinnert sich William Zabeni, der seinem Vater bei der Arbeit besonders gerne zusah.

Seine Frisuren im TV

Für den jüngsten Sohn war auch bald klar, dass er eines Tages in die Fussstapfen seines Vaters treten würde. Als er im ersten Lehrjahr der Coiffeurausbildung war, musste die Familie einen Schicksalsschlag verkraften: Im Herbst 1986 verstarb Vater Alfredo unerwartet. Erst 58 Jahre alt war er. Elisabetta Cappozzo boxte sich durch, bis der jüngste Sohn seine Ausbildung abgeschlossen hatte. «Danach musste ich das Geschäft übernehmen», erinnert sich William Zabeni. Gerade mal 18 Jahre jung war er damals. Gerne hätte er nach seiner Meisterprüfung, die er in London ablegte, noch eine Weile länger dort gelebt und gearbeitet, aber das ging nicht. «Meine Mutter brauchte meine Hilfe.»

Nun führt William Zabeni das Familienunternehmen im Zentrum von Wädenswil schon seit 30 Jahren. Ihm gefielen die Kreativität, der Menschenkontakt, die Mode und dass jeder Kopf und jeder Kunde anders ist, sagt Zabeni. Während 15 Jahren war er der Hauscoiffeur der Schweizer Fussballnationalmannschaft. «Es war ein gutes Gefühl, meine Haarschnitte im Fernsehen zu sehen», erzählt er. An der Europameisterschaft 2004 wurde er auf Wunsch einiger Spieler sogar nach Portugal aufgeboten, um sich um deren Haare zu kümmern. Der Kontakt zu den Fussballern kam zustande, weil Murat Yakin, der in Wädenswil wohnte, zu Elisabetta Zabenis Kundschaft zählte.

Neben Fussballspielern gehören auch andere Prominente aus der Musik und der Schauspielerei zu seinen Kunden. Angeben wolle er nicht, Diskretion sei ihm wichtig.  Bei ihm würden sowieso alle Kunden gleich behandelt, sagt William Zabeni. Trotzdem gibt es noch einen Promi, den er gerne einmal auf seinem Coiffeurstuhl hätte: «Roger Federer würde ich gerne frisieren.» William Zabeni ist dankbar für die vergangenen 30 Jahre. «Es ist schön, dass ich das, was meine Eltern aufgebaut haben, weiterführen kann», sagt er. Sein Vater wäre stolz auf ihn. Seit eh und je wird Zabeni unterstützt von seiner Mutter Elisabetta. Heute 85-jährig, steht sie immer noch fast jeden Tag im Salon und betreut Kunden. «Einige Kunden wollen nur zu ihr», erzählt der Sohn.

Bruder steigt mit ein

Vor neun Jahren hat der Jüngste in der Familie weitere familiäre Unterstützung erhalten. Sein Bruder Diego trat in den Betrieb ein. Als gelernter Kaufmann reiste er über 20 Jahre in der Welt umher. Er arbeitete für verschiedene internationale Modeunternehmen, lebte zehn Jahre in New York, zwei Jahre in Paris. «Fehlende Perspektive und Neugier hatten mich zum Entscheid bewogen, einen Neuanfang zu wagen», erzählt Diego Zabeni. Aber vor allem die guten Gespräche mit seinem jüngeren Bruder und die gewonnene Unabhängigkeit hätten ihn inspiriert. Und so absolvierte er, im Alter von 42 Jahren, in London eine einjährige Ausbildung zum Hairstylist.

Heute beschäftigen die Brüder zusammen mit ihrer Mutter zwei Angestellte. Ein Traum von William Zabeni sei es, das Geschäft an der Engelstrasse 4 irgendwann noch zu vergrössern. Doch zuerst freuen sich die Brüder, dass sie das 50-Jahr-Jubiläum mit verschiedenen Kundenanlässen feiern können.

Erstellt: 27.04.2019, 13:01 Uhr

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