Meilen

Wo Amateurmusiker wie Profis spielen

Das Sinfonie-Orchester Meilen feiert dieses Jahr sein 125-Jahr-Jubiläum. Mit einem vielseitigen Programm beweisen die Musiker am Winterkonzert, dass sie in den letzten Jahren grosse Fortschritte gemacht haben.

Der Dirigent Kemal Akçag gibt am Probenwochenende im Haus Wäckerling in Uetikon den Takt an.

Der Dirigent Kemal Akçag gibt am Probenwochenende im Haus Wäckerling in Uetikon den Takt an. Bild: Patrick Gutenberg

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Wie von weit her und ganz leise ertönt auf der kleinen Trommel ein immer gleicher Rhythmus. Mehr und mehr Instrumente kommen mit einer Melodie hinzu. Gegen Ende des Stückes steigert sich die Intensität und der volle Klang des Bolero von Ravel füllt den Raum. Eines der ältesten Amateurorchester der Schweiz, das Sinfonie-Orchester Meilen, ist am Proben für das Winterkonzert am Freitag.

Vor 125 Jahren gründeten einige Musikfreunde den Orchesterverein Meilen. Das Ensemble zählte im Gründungsjahr 1894 nur 13 Mitglieder. Nach vielen Höhen und Tiefen gehören dem Sinfonie-Orchester Meilen (SOM) heute 50 feste Mitglieder an, dazu kommen je nach Besetzung der Werke rund 10 Zuzüger. Damit ist es eines der ältesten Amateurorchester der Schweiz.

1995 übernahm Kemal Akçag, damals ad interim Konzertmeister des Tonhalle-Orchesters Zürich, den Dirigierstab von Robert Lüthi, der Solobratschist desselbigen Orchesters war. Er sei bis heute gerne geblieben, sagt Akçag. «Für mich ist dirigieren keine Arbeit, sondern Vergnügen.»

Technisch hohes Niveau

Am Winterkonzert lädt das SOM auf eine Reise durch verschiedene Epochen ein. «Das Programm wird ganz toll», ist sich Akçag sicher. Es sind unter anderem Stücke von Strauss, Brahms, Mozart und Ravel zu hören. Drei der sechs Berufsmusiker des Orchesters werden als Solisten ihr Können beweisen. «Wir zeigen verschiedene Klangfarben und -facetten», sagt der Dirigent. Das Niveau sei sehr hoch für ein Orchester mit fast ausschliesslich Amateurmusikern. Er habe immer versucht, Programme gezielt so zusammenzustellen, dass die Musiker gefordert seien.

«Unsere Konzerte zeigen, dass es sich lohnt, etwas zu wagen.» Nur so habe sich das Niveau in den letzten Jahren steigern können. Präsidentin Tina Calonder, die selbst Oboe spielt, bestätigt, wie streng das jetzige Programm sei. Trotzdem herrsche eine sehr gute Stimmung. «Stressmomente gibt es dank der ruhigen Art des Dirigenten keine.» Schweissausbrüche hervorzurufen und Musiker unter Druck zu setzen, bringe nicht viel, sagt Akçag. «Es muss eine Freude sein, im Orchester mitzuspielen. So bleiben die Leute auch jahrelang.»

Das Leiten des Orchesters sei ähnlich wie das Unterrichten eines Schülers. Man muss geduldig sein und ihm Zeit lassen, sich zu entwickeln. «Einem Geigenschüler gebe ich auch nicht von Beginn weg Tschaikowskys Violinkonzert zu spielen», sagt Akçag. Umso mehr war er stolz, als das SOM dieses Jahr den Kulturpreis 2019 der Mittwochsgesellschaft Meilen erhielt. «Das Preisgeld möchten wir in den Nachwuchs investieren», sagt Calonder. Das Orchester soll in den nächsten Jahren weiterhin blühen. Eine Idee sei, zusammen mit einem Jugendorchester oder -chor aufzutreten.

Die Jugend fördern

Auch mit den alljährlichen Preisträgerkonzerten, die Akçag 2005 ins Leben gerufen hat, fördert das SOM den Nachwuchs. Es bietet jungen Preisträgern die Möglichkeit, mit einem grossen Orchester aufzutreten und dabei Erfahrung zu sammeln sowie bekannt zu werden. Diesen Frühling beispielsweise spielte der Meilemer Alexander Sahatci mit zwölf Jahren als jüngster jemals mit dem SOM aufgetretener Solist ein Violinkonzert vom deutschen Komponisten Max Bruch. Das SOM arbeitet oft mit der Ruth-und-Ernst-Burkhalter-Stiftung zusammen, welche Solistengagen übernimmt. Dank ihr und zahlreichen Gönnern sind solch kostspielige Konzerte überhaupt möglich.

Auch das Winterkonzert ist mit viel Aufwand und hohen Kosten verbunden. Die Stücke erfordern viele Zuzüger, also Musiker, die keine Mitglieder sind und somit eine Gage erhalten. Auch für diese Ausgaben kommt dem SOM der Kulturpreis 2019 zugute. Das Orchester habe es sich verdient, etwas Besonderes zu machen, findet Akçag. «Ein Jubiläum erleben die meisten nur einmal.»

Zudem seien die Konzerte immer sehr gut besucht. Dies sei nicht selbstverständlich. Gerade im November gebe es viele Anlässe. Besonders freut es ihn, dass das Orchester sich über die Jahre ein Stammpublikum erspielt hat. Manchmal würden ihn Leute beim Einkaufen in Herrliberg ansprechen und fragen, was denn als Nächstes gespielt werde. Nicht nur einmal hat Akçag gehört: «Es war so schön, wir kommen wieder!»

Jubiläumskonzert mit Werken von Strauss, Donizetti, Brahms, Mozart, Reinecke und Ravel: Freitag, 22. November, 19.30 Uhr, reformierte Kirche Meilen; Samstag, 23. November, 19.30 Uhr, reformierte Kirche St. Jakob Zürich Stauffacher; Sonntag, 24. November, 17 Uhr, reformierte Kirche Egg. Weitere Infos unter www.s-o-m.ch

Erstellt: 16.11.2019, 09:49 Uhr

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