Rapperswil-Jona

«Wir wollen Junge anlocken und Kunst verständlich machen»

Simone Kobler und Céline Gaillard übernehmen die Leitung des Kunstzeughauses in Rapperswil. Sie wollen das Haus besser in der Stadt verankern und mit anderen Kulturhäusern zusammenarbeiten.

Neue Führung: Céline Gaillard (links) und Simone Kobler leiten ab 2019 das Kunstzeughaus.

Neue Führung: Céline Gaillard (links) und Simone Kobler leiten ab 2019 das Kunstzeughaus. Bild: Jérôme Stern

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Ab dem 1. Januar hat das Kunstzeughaus in der Stadt Rapperswil-Jona ein Leitungsduo: Céline Gaillard und Simone Kobler treten gemeinsam die Nachfolge von Peter Stohler an. Im Interview sprechen sie über ihre Ziele und wie sie das Haus aus dem Dunstkreis des Elitären und aus dem Dornröschenschlaf befreien wollen.

Céline Gaillard, das Kunstzeughaus Rapperswil ist ein Haifischbecken. Wie springen Sie ins kalte Wasser?
Céline Gaillard: Wir empfinden das Kunstzeughaus überhaupt nicht als Haifischbecken und die Anstellung auch nicht als Sprung ins kalte Wasser. Die neue Aufgabe treten wir mit grossem Respekt und viel Elan an. Und da wir zu zweit sind, haben wir doppelte Mittel und doppelte Netzwerke. Es ist toll, dass wir als Co-Leitung das Haus führen dürfen. Die Stiftung Kunstzeughaus ist sehr visionär mit der Möglichkeit dieser Co-Leitung: Sie ist ideal für Menschen in Familienstrukturen, aber das ist nur ein Vorteil von vielen, die diese Form mit sich bringt.

Simone Kobler, sind Sie denn durch das Bewerbungsverfahren schicksalhaft in diese Leitung zusammengewürfelt worden?
Simone Kobler:Nein, ganz im Gegenteil. Die Ausschreibung stand ausdrücklich auch Leitungsduos offen, und wir haben uns als solches gemeinsam beworben. Wir haben uns im Studium an der Uni Zürich kennengelernt und schnell gemerkt, dass wir uns für dieselben kunstgeschichtlichen Themen interessieren. So ist es auch dazu gekommen, dass wir zusammen ein Buch über den Bergeller Maler und Bildhauer Piero Del Bondio realisiert haben, das demnächst erscheinen wird. Aufgrund unseres gemeinsamen Interesses an Kunst haben wir uns häufig getroffen, um Ausstellungen zu besuchen, so auch im Kunstzeughaus.

Die Eintrittszahlen im Kunstzeughaus sind nicht berauschend. Wie wollen Sie erreichen, dass mehr Besucher ins Haus strömen?
Gaillard: Die Eintrittszahlen haben sich in den letzten Jahren laufend verbessert. Trotzdem wollen wir unser Angebot auf die ganze Bevölkerung ausrichten und generationsspezifische Programme durchführen: Gerade bei jungen Leuten gibt es einen grossen Nachholbedarf, diese ins Haus zu locken, indem wir etwa Konzerte mit Ausstellungen kombinieren. Eine andere Möglichkeit ist die Zusammenarbeit mit Vereinen. Wenn es vom Ausstellungsthema her passt, zum Beispiel mit solchen, die sich um fremde Länder, um fremde Kulturen drehen. Kunst und exotisches Essen gemeinsam geniessen, wäre eine Möglichkeit. Zudem wollen wir weiterhin Tage mit Gratiseintritten anbieten, obwohl der Eintrittspreis sicher nicht match-entscheidend ist.

Das Kunstzeughaus wird im Volk oft als etwas Elitäres betrachtet. Die Leute verstehen nicht, was präsentiert wird. Wie wollen Sie da Gegensteuer geben?
Kobler: Gegenwartskunst bedarf eines Angebots der Vermittlung. Wir wollen in jedem Fall auch ein Publikum ins Haus locken, das weniger kunstaffin ist. Wir hoffen, dass wir es schaffen, Kunst zu erklären und zu vermitteln, interdisziplinär zu arbeiten. Schweizer Gegenwartskunst verfügt über eine grosse Bandbreite. Sie beinhaltet zum Beispiel auch Lichtinstallationen und Videos.

Wie würden Sie Ihr zukünftiges Programm beschreiben?
Gaillard: Das konkrete Programm werden wir wohl auch intern erst im Frühling besprechen. Was wir jetzt schon sagen können: Wir werden unter anderem auch thematische Ausstellungen präsentieren, die gesellschaftsrelevant und politisch sind und zum Nachdenken anregen. Kunst soll Betroffenheit auslösen. Unsere Erfahrung hat uns ausserdem gezeigt, dass es durchaus auch mit bescheidenen Mitteln möglich ist, bekannte Schweizer Künstler zu zeigen.

Welche Vorstellungen haben Sie bezüglich Finanzierung des Hauses?
Kobler: Wir hoffen, dass sich die Zusammenarbeit mit Stadt und Kanton weiterhin positiv entwickelt und dass wie bislang dank Fundraising und Unterstützung von Stiftungen grössere Beträge für spezifische Projekte möglich sein werden.

Wie könnte das Kunstzeughaus stärker in der Stadt verankert werden?
Gaillard: Wir wollen unter anderem gemeinsam mit den anderen Kulturhäusern der Stadt Rapperswil-Jona zusammenarbeiten. Zum Beispiel wäre es denkbar, bei einer thematischen Ausstellung das Stadtmuseum mit ins Boot zu holen. Möglich wären sicherlich auch gemeinsame Auftritte auf öffentlichen Plätzen. Wenn wir uns gemeinsam mit den anderen Häusern im öffentlichen Raum zeigen, dient dies sicherlich der Verwurzelung und der Ortsgebundenheit des Kunstzeughauses.

Was machen Sie, falls wider Erwarten die Beiträge gekürzt werden?
Gaillard: Wir haben keinerlei Hinweise darauf, dass die Beiträge gekürzt werden sollten. Falls wider Erwarten die Beiträge doch gekürzt würden, wäre das natürlich sehr schade. Da müssten wir dann möglichst flexibel darauf reagieren.

Ihr Vorgänger wurde kritisiert, was seine künstlerische Linie und die Führung des Hauses betraf. Was wollen Sie anders machen?
Kobler:Unser Vorgänger hat in sehr vielen Bereichen sehr grosse Erfolge erzielt und das Kunstzeughaus kompetent geführt. Natürlich gibt es im Bereich der Gegenwartskunst immer auch Kritik, dass sie allerdings überhäufend ausgefallen wäre, entspricht nicht unserer Beobachtung. Für uns geht es nicht darum, das Rad neu zu erfinden. Die «Grosse Regionale» und die Reihe «Seitenwagen» wollen wir weiterführen, ebenso die bestehenden Kooperationen mit dem Verein IG Halle und der Gebert Stiftung für Kultur / Alte Fabrik. Was wir sicherlich anstreben: Wir wollen die Beziehung der lokalen Bevölkerung von Rapperswil-Jona zum Kunstzeughaus verbessern. Ein grosses Potenzial jeder Kunstinstitution sind zudem ihre Mitarbeitenden, und wir freuen uns auf deren Erfahrungsschätze.

Erstellt: 04.11.2018, 17:36 Uhr

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