Thalwil

«Wir werden weiterhin in den Standort Thalwil investieren»

Der Chiphersteller U-Blox leidet an einem schwächelnden asiatischen Markt. CEO Thomas Seiler will ungeachtet dieser Probleme die Ausgaben für Forschung und Entwicklung erhöhen. Das kommt auch dem Firmensitz in Thalwil zugute.

2018 war nicht das stärkste Jahr in der Geschichte von U-Blox: CEO Thomas Seiler im Testlabor des Halbleiterspezialisten.

2018 war nicht das stärkste Jahr in der Geschichte von U-Blox: CEO Thomas Seiler im Testlabor des Halbleiterspezialisten. Bild: Sabine Rock

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Die Aktie von U-Blox ist nach einer kurzen Erholungsphase nach dem Investorentag vor gut zwei Wochen wieder getaucht: Haben Sie Ihr neu gewonnenes Vertrauen bei den Anlegern schon wieder verspielt?
Thomas Seiler: Der Investorentag ist eine wichtige Informationsplattform. Wir konnten aufzeigen, welche Megatrends uns antreiben, so etwa vernetzte Autos oder das Internet der Dinge. In der Schweiz sind wir in einer einzigartigen Situation, da es fast keine vergleichbare Firma zu unserem Geschäft im Halbleiterbereich und der drahtlosen Kommunikationstechnik gibt. Deshalb ist es wichtig, immer wieder zu sagen, woher wir kommen und was uns antreibt. Dass uns die Börse momentan nach unten korrigiert, hat nicht nur mit uns zu tun, sondern – ausgehend von den USA – auch mit einer grundsätzlichen Neubewertung von Technologietiteln. Diese Korrektur ist an und für sich gesund, denn die Bewertungen der Firmen waren generell zu hoch.

Dennoch: Die Aktien von U-Blox gehören mit einem Wertverlust von 50 Prozent seit Jahresbeginn zu den am schlechtesten rentierenden Titeln am Schweizer Aktienmarkt. Bereitet Ihnen diese Entwicklung keine Sorgen?
Meine Aufgabe ist es, diese Firma langfristig erfolgreich zu führen. Daher kann ich leider nicht viel dazu sagen, was die Marktreaktionen betrifft. Natürlich ist uns auch eine positive Wahrnehmung von der Investorenseite her wichtig. Darum wollen wir unseren Wachstumspfad einhalten. Das ist meine Aufgabe, und daran arbeite ich zusammen mit meinem Team.

Zwei Gewinnwarnungen innerhalb von drei Monaten sind für eine so erfolgsverwöhnte Firma wie U-Blox aber eine völlig neue Erfahrung: Was läuft da falsch?
Letztlich leben wir von unseren Kunden und sind abhängig davon, was sie selber am Markt erreichen. Dazu kommen gesamtwirtschaftliche Verwerfungen aus politischen Einflüssen, wie der Handelsstreit zwischen den USA und China, der auch uns betrifft und einen unserer wichtigsten Kunden in China lahmlegte. Im ersten Halbjahr haben wir erlebt, dass in den USA der Ausbau der Mobilfunknetze nicht so vorankommt, wie wir uns das vorstellten. Die angepeilten Umsätze konnten deswegen nicht realisiert werden. Inzwischen sind diese Probleme aber behoben.

Haben Sie die Entwicklung im chinesischen Markt falsch eingeschätzt?
Solche Vorkommnisse wie in China finden ausserhalb unseres Einflussbereichs statt. Wir müssen aber als Firma so robust sein, um mit solchen Situationen umgehen zu können. Das ist auch der Grund, weshalb wir nie von einem einzelnen oder nur wenigen Kunden abhängig sein wollen. Wir verfügen über einen breit abgestützten Kundenstamm und viele verschiedene Anwendungen, mit denen wir unser Geschäft betreiben. Wir weisen zwar Bremsspuren beim Wachstum auf, aber wir bleiben profitabel. Das ist wichtig, denn die Technologien, die wir entwickeln, entstehen nicht über Nacht, sondern in Zeitzyklen von ungefähr drei Jahren.

Von daher ist es doch ein Alarmzeichen, wenn der Umsatz bei U-Blox zwar wächst, allerdings auf Kosten des Gewinns.
Im Gegenteil. Wir haben für 2019 gute Aussichten für weiteres Umsatzwachstum, da sich die jüngsten Störfaktoren zum Glück nicht wiederholen und wir davon ausgehen, dass das gesamtwirtschaftliche Umfeld stabil bleibt. Wenn wir von der Profitabilität sprechen, bezieht sich das auf unseren Gewinnausweis, so wie er sich in der Erfolgsrechnung zeigt. Wir kommen mit U-Blox in eine Phase, in der wir Entwicklungsaufwände für wichtige neue Produkte abschreiben, was einen Einfluss auf den ausgewiesenen Gewinn hat. Viel zentraler in der Betrachtung ist aber, dass wir freien Cashflow generieren, also frei zur Verfügung stehende Mittel. Das ist die Massgabe für uns und unsere Aktionäre.

Werden die Mittel für Forschung und Entwicklung gekürzt?
Unsere Forschungsanstrengungen können nur so weit gehen, wie es uns möglich ist, weiterhin einen positiven Cashflow zu generieren. Die Diskussion über die Höhe der Forschungsgelder ist laufend im Gange und ist eine wichtige, weil wir eine Limite haben, innerhalb deren wir entscheiden müssen, welches die besten Ideen sind. Aber trotz eines Jahres, das nicht so stark ist, werden wir die Aufwände für Forschung und Entwicklung erhöhen. Wir gehen von einem wachsenden Geschäft aus. Das zeigen der Ausblick für 2019, aber auch unsere mittelfristigen Absichten.

Betrifft der Ausbau desGeschäfts auch das Personal?
Wir haben bereits dieses Jahr den Bereich Forschung und Entwicklung personell ausgebaut und werden diesen Prozess im nächsten Jahr fortführen. Das betrifft sowohl Thalwil als auch alle ausländischen Standorte. In der Tat sind wir am Zürichsee in den letzten Jahren kontinuierlich gewachsen und haben unsere Bürofläche ausgebaut. Schliesslich wollen wir weiter wachsen und müssen dafür unsere Fähigkeiten ausbauen. Wir werden auch weiterhin in den Standort Thalwil investieren, beispielsweise im Laborbereich. Wir unterhalten hier unter anderem zwei Testfahr­zeuge, an denen wir unsere GPS-Empfänger testen und gewisse Algorithmen entwickeln. Damit verbunden sind grosse Investitionen, da sich in den Fahrzeugen sehr viele Messgeräte befinden.

(Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 09.12.2018, 15:06 Uhr

U-BLOX

Fast in jedem Navigationsgerät steckt ein bisschen U-Blox. Das Unternehmen mit Sitz in Thalwil ist ein Anbieter von Halbleiterbausteinen und Modulen für die drahtlose Kommunikation und Positionierung für den Automobil-, Industriegüter- und Konsumgütermarkt. U-Blox hat in einem der am schnellsten wachsenden Märkte, dem «Internet der Dinge», eine lukrative Nische gefunden. Seit dem Börsengang von 2007 stieg der Umsatz von 80 auf fast 404 Millionen Franken, der Betriebsgewinn (Ebit) von fünf auf über 65 Millionen. Allerdings haben die Aktien seit Mitte 2018 fast die Hälfte an Wert verloren, nachdem U-Blox für dieses Jahr zwei Gewinnwarnungen erlassen hat. Die Profitabilität für 2018 dürfte sinken. Das enttäuschende Asiengeschäft lastet auf dem Wachstum der Gruppe. Für 2019 zeichnet sich keine Beschleunigung des operativen Gewinns ab. Der Chipdesigner, der ohne eigene Fertigung arbeitet, hat Niederlassungen in Europa, Asien und den USA und beschäftigt über 1000 Mitarbeitende, davon über 250 in Thalwil. Zwei Drittel der Belegschaft sind in Forschung und Entwicklung tätig.ths

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