Küsnacht/Thalwil

Wind und Wellen sorgen für eine anspruchsvolle Seeüberquerung

An der 33. Seeüberquerung der SLRG Küsnacht hatten Teilnehmer und Helfer mit Wind und Wellen zu kämpfen. Sechs Schwimmer mussten aufgeben.

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Es ist erst kurz nach halb acht Uhr morgens, doch im Strandbad Küsnacht herrscht bereits reger Betrieb. Die 33. Seeüberquerung von Thalwil nach Küsnacht steht an und viele Küsnachter Schwimmer haben sich an diesem Samstag in der örtlichen Badi besammelt, um mit Booten nach Thalwil zum Start gebracht zu werden.

Doch erst heisst es Badekappen fassen. «Ich bin gar nicht aufgeregt, nur etwas verschlafen», gibt die 16-Jährige Franziska Boller zu, für die es die erste Teilnahme an einer Seeüberquerung sein wird. Der gleichaltrige Carol Greb hatte letztes Jahr schon in Zollikon teilgenommen. «Ich will eine Zeit unter 30 Minuten erreichen», erklärt der Wasserballspieler.

«Die Herausforderung heute sind die Wellen.»Patrick Fuchs, Einsatzleiter der Boote und Mitglied der SLRG Küsnacht

Unterdessen sind auf dem See die ersten Boote unterwegs. 31 Helfer der Schweizerischen Lebensrettungs-Gesellschaft (SLRG) Küsnacht sorgen auf dem Wasser dafür, dass alles reibungslos läuft.

Den Überblick über das Geschehen hat Boots-Einsatzleiter Patrick Fuchs, der bereits seit frühmorgens unterwegs ist. «Die Herausforderung heute sind die Wellen», sagt Fuchs. Die Seeüberquerer werden von einem starken Wind überrascht. «Aber zum Glück kommen die Wellen quer und nicht von vorne.»

Viele Schwimmer trotz Wind

Nach einem kurzen Briefing der Helfer zu Wasser steigt Einsatzleiter Fuchs in sein Motorboot, um die Helfer in sogenannten Weidlingen, kleinen Ruderbooten, auf den See rauszuziehen. «Weidlinge sind sehr gute Überwachungsboote, da man mit ihnen gut manövrieren und nahe an die Schwimmer fahren kann», erklärt er. Heute würden sie viel zu rudern haben.

Als Premiere sind dieses Jahr Stand-Up-Paddler dabei. «Damit können Schwimmer, die von der vorgegebenen Spur abdriften, leichter korrigiert werden», sagt Fuchs. Mit dem Motorboot wäre es zu gefährlich, durch die Schwimmspur zu fahren.

«Ich hätte mit weniger Teilnehmern gerechnet.»Patrick Fuchs

Mittlerweile sind alle Küsnachter Schwimmer ins Thalwiler Seebad Ludretikon überführt worden, wo weitere Schwimmer bereits warten. Nachdem Fuchs nochmals alle Positionen der Boote überprüft hat, gibt er per Funk das Okay zum Start.

Ab 9.20 Uhr stürzen sich die 380 Schwimmenden ins Wasser. «Das sind viele für die Wetterverhältnisse, ich hätte mit weniger Teilnehmern gerechnet», gibt Fuchs zu. Bald wimmelt der See von gelben und orangen Badkappen, das Starterfeld beginnt sich auseinanderzuziehen. Während die ersten bereits 150 Meter der insgesamt 1,8 Kilometer gekrault sind, stehen die letzten noch am Ufer in Thalwil.

So viele wie noch nie

Bereits um 9.30 Uhr erhält Patrick Fuchs per Funk die Nachricht, dass ein Schwimmer aufgegeben hat – sofort düst Fuchs mit seinem Motorboot zum Ermüdeten, um ihn ins Boot zu holen. Es sei ihm etwas übel geworden und er habe einen Krampf bekommen, berichtet der Schwimmer. Deshalb hat er die Überquerung abgebrochen.

Genau für solche Fälle sind Fuchs und seine Helfer auf dem See einsatzbereit. Am Ende der Überquerung haben Fuchs und Team sechs Leute aufgegabelt. «Das sind so viele wie noch nie», sagt Fuchs. Er vermutet den Grund beim hohen Wellengang.

«Es haben alle freiwillig aufgehört. Das ist uns lieber, als wenn es nicht mehr kontrollierbar ist.»Patrick Fuchs

Die Boote sind je mit einem Bootsführer und einem Seerettungsschwimmer bestückt. Diese haben entsprechende Kurse absolviert und wissen, wie sie im Notfall handeln müssen. Doch dazu kommt es glücklicherweise nicht. «Es haben alle freiwillig aufgehört. Das ist uns lieber, als wenn es nicht mehr kontrolliert ist», erklärt Fuchs.

Die Boote tuckern mit den letzten Schwimmern zurück während sich die ersten im Strandbad Küsnacht bereits abgetrocknet haben. Die schnellste Zeit betrug 28 Minuten bei den Männern und 33 Minuten bei den Frauen. Unter den schnellsten waren die Triathleten Jonas Altmann und Stefan Trüssel.

«Mit gefällt es, dass es ein Volksschwimmen für alle ist.»Miriam Andres, Schwimmerin

«Die Seeüberquerung war ein gutes Training für meinen nächsten Wettkampf», sagt Altmann. Die erste Hälfte sei aufgrund der vielen Wellen zwar fies gewesen. «Aber dafür war es wieder Mal eine Herausforderung», ergänzt Trüssel. «Es ist halt nicht wie im Hallenbad», findet auch Miriam Andres, die den See zum ersten Mal überquert hat. Auch sie ist mir ihrer Zeit zufrieden – die Zeit müssen die Teilnehmer selbst stoppen, da es kein Wettkampf ist. «Mit gefällt es, dass es ein Volksschwimmen für alle ist», sagt Andres.

Nächste Seeüberquerung

Als auch der letzte Teilnehmer das Ziel nach einer Stunde und 39 erreicht, springt Fuchs selbst auch noch kurz ins Wasser und hilft dem Mann an Land. Danach wird er mit seinem Team eine Schlussbesprechung halten und Rückmeldungen für die Seeüberquerung 2020 entgegennehmen. «Das ist Zugleich der Start für die Planung fürs nächste Jahr», sagt Fuchs.

Das Datum ist bereits festgelegt: Die 34. Seeüberquerung von Thalwil nach Küsnacht wird am 15. August stattfinden. Fuchs zeigt sich zufrieden: «Trotz herausfordernder Verhältnisse ist alles gut gegangen und alle sind heil angekommen.» Dies sei die Hauptsache.

Erstellt: 18.08.2019, 17:48 Uhr

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