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Warmes Bett als Überlebensfrage

In den Nächten sinken die Temperaturen nun stark. In den Zürcher Einrichtungen für Obdachlose wird man allenfalls etwas zusammenrücken müssen. Es sollte aber für alle ein warmes Bett geben – so sie eines wünschen.

Schlafen im Freien: Bei Minustemperaturen kann dies gefährlich sein.
Schlafen im Freien: Bei Minustemperaturen kann dies gefährlich sein.
Keystone

Minus zehn Grad sind angesagt für die Nächte auf morgen Freitag und auf den Samstag. Auch tagsüber wird das Thermometer nicht über 0 Grad steigen. Bei der Stadtzürcher Notschlafstelle und beim Pfuusbus von Pfarrer Sieber stellt man sich darauf ein, dass einige Obdachlose mehr anklopfen werden. An beiden Stellen betont man aber, dass man sicher allen helfen könne, die eine Übernachtungsmöglichkeit suchten.Der Pfuusbus von Pfarrer Sieber öffnet jeweils Mitte November seine Türen. Dieses Jahr konnte ein neuer Bus in Betrieb genommen werden. Mit rund 40 Betten stehen fünf Plätze mehr zur Verfügung als im alten Bus. Der Schneefall von dieser Woche habe sich bisher nicht in einem Anstieg der Übernachtungen bemerkbar gemacht, sagt Walter von Arburg, Mediensprecher der Sozialwerke Pfarrer Sieber. Erstaunlicherweise sei aber gleich vom Saisonstart weg die Belegung höher gewesen als in den Vor­jahren. Warum dem so ist, kann er nicht sagen.

Nachfrage im Mai grösser

52 Betten stehen in der Zürcher Notschlafstelle bereit. Zur Not könne man bis auf 80 erhöhen, sagt Seraina Ludwig, Kommu­­­nikationsmitarbeitende Soziale Ein­­richtungen und Betriebe der Stadt Zürich. Anders als der Pfuus­bus ist die Notschlafstelle ein Angebot nur für Personen, die in der Stadt Zürich gemeldet sind. Es ist dies noch ein Relikt aus der Zeit, als es die offene Drogenszene am Letten gab und auch viele Auswärtige in Zürich abstürzten und hängenblieben. Die Absicht war, dass sich ihre Wohngemeinden um sie kümmern. «Es wird aber niemand in die Kälte zurückgeschickt, wenn die Rückreise ­ge­rade nicht möglich ist», sagt Lud­wig. Sie macht im Übrigen ­darauf aufmerksam, dass die Notschlafstelle nicht im Winter den grössten Andrang hat. Letztes Jahr etwa war sie im Mai am ­meisten nachgefragt. Grund: Der ­Pfuusbus schliesst im April.

Die Einsamkeit gewohnt

«In Zürich muss niemand im Freien übernachten», betont Ludwig. Es bestünden für alle passende Angebote, sei es für Jugendliche, für Familien oder Einzelpersonen. Aber es gebe eben auch Menschen, die davon nicht Gebrauch machen wollten. Die Stadt Zürich geht von 10 bis 15 Obdachlosen aus, die unter Brücken oder in Telefonkabinen schlafen.

Die Zahl sei etwas tief gegriffen, findet Pfuusbus-Sprecher von Arburg. Zürich sei eine grosse Stadt. Gegen die Peripherie hin habe kaum jemand den Überblick. «Es gibt überall Leute, die sich verstecken.» Aus Gesprächen im Pfuusbus erfahre man zum Beispiel von Leuten, die im einen oder anderen Wald wohnten oder in einem Velokeller. Er geht daher eher von einigen Dutzend Obdachlosen in Zürich aus.

Der Pfuusbus schickt im Winter Kältepatrouillen aus, um nach den Obdachlosen zu sehen, ebenso die Stadt mit SIP Züri (Sicherheit, Intervention, Prävention) im Rahmen der aufsuchenden ­Sozialarbeit. Sie sucht zurzeit 10 bis 15 Obdachlose auf, die sich auf verschiedensten Plätzen in der Stadt aufhalten. Das Ziel sei es in erster Linie, die Obdachlosen zu einer Übernachtung in der Notschlafstelle zu überreden, sagt Ludwig. Gelingt dies nicht, wägt SIP Züri die Risiken ab und zieht bei Bedarf einen Notfallarzt bei.

Bei grossem Frost kann ein geschützter Schlafplatz zur Überlebensfrage werden, wie von Arburg sagt. Der Pfuusbus biete nicht nur ein Bett, sondern auch Gemeinschaft, betont er. Werde es richtig kalt, kämen dann aber auch jene, die «sonst Einsamkeit suchen und auch gewohnt sind». Thomas Marth

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