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Von der Frage, was stark ist

Drei starke Frauen, die Einblick in ihre Lebensentwürfe geben – das bot die Impulsschule am Donnerstagabend.

Deborah Wüthrich, Beatrice Tschanz und Barbara Rindisbacher diskutierten unter der Leitung von Ladina Spiess über das Attribut «stark» (v.l.n.r.).
Deborah Wüthrich, Beatrice Tschanz und Barbara Rindisbacher diskutierten unter der Leitung von Ladina Spiess über das Attribut «stark» (v.l.n.r.).
Patrick Gutenberg
Die SRF-Moderatorin liess den Frauen viel Freiraum und hakte nach, wo nötig.
Die SRF-Moderatorin liess den Frauen viel Freiraum und hakte nach, wo nötig.
Patrick Gutenberg
Deborah Wüthrich, Kindergärtnerin, weiss um den starken Willen, den man braucht, um seine Ziele zu erreichen.
Deborah Wüthrich, Kindergärtnerin, weiss um den starken Willen, den man braucht, um seine Ziele zu erreichen.
Patrick Gutenberg
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Für einen gelungenen Einstieg ins Thema sorgte die Joner Psychologin Katja Herz, die den selbst komponierten Song «I’m a Strong Woman» präsentierte. Mit weicher Stimme erzählte sie von der Ambivalenz der Gefühle – hier der Wunsch nach Stärke, dort Verunsicherung.

Zum Podium geladen waren Beatrice Tschanz, Unternehmerin; Barbara Rindisbacher, Kinderärztin, und Edith Wolf-Hunkeler, Rollstuhlsportlerin. Letztere fiel krankheitshalber aus, worauf sich kurzfristig Deborah Wüthrich, Kindergärtnerin und Familienfrau, zur Teilnahme entschloss. SRF-Moderatorin Ladina Spiess führte geschickt durch die gut besuchte Veranstaltung, hakte nach, wo nötig, und liess grossen Freiraum.

Tschanz sorgte bald für Lacher. Sie habe im Vorfeld je zehn Männer und Frauen gefragt, ob sie stark seien. Mit «Ja, sicher, bruchsch Hilf bim Zügle?» reagierten die Männer; Stärke gleich Muckis. Frauen hingegen hätten an Gefühle von innerer Stärke, Willen oder Zielstrebigkeit gedacht, immer auch verbunden mit Unsicherheit. Unzimperlich ging die Unternehmerin mit den Männerhierarchien in der Wirtschaft um. Sie seien es gewohnt, dass Frauen dienten und gehorchten. Selbstreflexion sei ein Fremdwort. Manchmal müsse frau ihnen auf den Sprung helfen.

Mix aus Tiefgang und Humor

Gelacht wurde oft – die starken Frauen erzählten selbstironisch und humorvoll von Elternhaus und Schulzeit, von Streichen und pubertären Anfällen. Rindisbacher verbrachte glückliche Jahre im Internat bei Klosterfrauen. Die Kommunikationsberaterin Tschanz lebte mit dem Zeugnisvermerk «schwatzhaft». Eigentlich habe sie die Schule als Störfaktor erlebt, bis ein junger Lehrer kam.

Offen über Privates geredet

Auch Tragisches und sehr Persönliches wurde am Podium angesprochen. Rindisbacher geriet als Zweijährige unter den Zug – schwerste Verletzungen mit Spätfolgen. Deborah Wüthrich erlitt mit sieben Jahren eine Hirnblutung, noch Jahre danach traten Hirnstörungen auf, welche diagnostiziert und medikamentös behandelt werden können. Tschanz begleitete ihren krebskranken Mann bis zum Tod.

«Fehler und schwere Zeiten machen uns zu dem, was wir sind.»

Beatrice Tschanz,Kommunikationsberaterin

Einig waren sich die drei Frauen, dass das Leben Beschränkungen einfordere. Diese zu akzeptieren, sei möglich, ohne daran zu zerbrechen. Tschanz meinte, gerade Fehler und schwere Zeiten machten einen zu dem, was man sei. Sie glaube daran, dass Frauen und Männer generell stärker seien, als sie sich zutrauten.

Die Kindergärtnerin Deborah Wüthrich weiss um ihren starken Willen, Ziele zu erreichen, auch gegen Widerstände. Das sei für sie wegweisend. Als Glaubende erklärte Wüthrich, Gott gebe ihr Rückhalt und begleite sie durchs Leben. Dadurch könne sie loslassen im Wissen, dass es gut sei, wie es ist.

Botschaft an die Jugend

Was sie den Schülerinnen mit­geben möchten, war den Frauen schnell klar: Den Jugendlichen müsse man Vertrauen entgegenbringen, zuhören, sie ernst nehmen, auch in Pubertätskrisen, Zuwendung und Liebe schenken. Es lohne sich, das spezifische Potenzial bei Kindern und Jugendlichen zu fördern.

Lebensweisheit und Erfahrungswerte prägten die Veranstaltung. In der heutigen Hektik bestehe die Gefahr, die Menschlichkeit zu verlieren. Einkehr bei sich selbst, Ruhe und Alleinsein seien unabdingbar. Der starke Applaus war verdient; das Publikum hatte sich berühren lassen. Mit Geschenken dankten die Schwestern. Als gültiges Schlusswort sagte Beatrice Tschanz: «Nur echt ist man gut.»

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