Öffentlicher Verkehr

Verstösse gegen die Tages-GA-Regeln

Gemeinde-Tageskarten erfreuen sich reger Beliebtheit. Bezugsberechtigt sind eigentlich nur Einwohner. Trotzdem verkaufen einige Gemeinden diese auch an Auswärtige.

Früh zugreifen muss man momentan, denn die Gemeinde-Tageskarten sind in der Sommerzeit besonders beliebt.

Früh zugreifen muss man momentan, denn die Gemeinde-Tageskarten sind in der Sommerzeit besonders beliebt. Bild: Patric Spahni

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Bezogen werden können die Tageskarten in den meisten Wohngemeinden um den Zürichsee, wobei der Preis zwischen 40 Franken (Herrliberg) und 45 Franken (Wädenswil) variiert. Die Billette sind jetzt während der Ferienmonate und an Feier- und Messetagen wie dem Auto-Salon in Genf besonders populär. Wer eines beziehen will, muss früh zugreifen. Im Monat August sind in den meisten Gemeinden bereits die Mehrheit der Karten ausgebucht.

Jede Gemeinde verkauft eine unterschiedliche Anzahl Karten. In Rapperswil-Jona zum Beispiel sind 16 pro Tag erhältlich, in Thalwil sieben und in Meilen fünf. Die Gemeinden kaufen Jahressets à 365 Karten bei den SBB. Ein Set kostet 14 000 Franken, somit bezahlt eine Gemeinde über 38 Franken pro Ticket. Dazu kommen Personalkosten und die Kosten für den Betrieb des Online-Reservationssystems. Einen Gewinn erwirtschaften die Gemeinden daher nicht. Oberrieden hat den Verkauf der Tageskarten deshalb eingestellt. Auch Zürich bietet keine an.

Unerlaubter Verkauf

Die Karten sind vordatiert und verfallen, falls sie ungenutzt verstreichen. Um sicherzustellen, dass sie nicht auf ihren Karten sitzen bleiben, bieten einige Gemeinden ihre Billette nicht nur Einwohnern, sondern auch Auswärtigen an. Rapperswil-Jona oder Herrliberg zum Beispiel verkaufen die Karten ab sieben Tage vor Bezug auch an Nichteinwohner. Schmerikon verkauft sie ihnen zu einem Aufpreis von fünf Franken. Gemäss AGB der Gemeinde-Tageskarten ist dies nicht gestattet.

Verantwortlich für Gemeinde-GA ist CH-Direct, der Verband der öffentlichen Transportunternehmen. Auf Anfrage teilte deren Mediensprecherin Sabine Krähenbühl mit, sie würden Gemeinden darauf hinweisen, falls diese gegen das Verbot verstossen. Reagiert sie nicht, behält sich CH-Direct vor, die Tageskarten einzuziehen beziehungsweise die Gemeinden vom Verkauf auszuschliessen. Bisher seien diese Schritte nie nötig gewesen, meint Krähenbühl. Zu­wi­der­handlungen werden nicht systematisch überprüft, sondern es werden lediglich Stichproben durchgeführt.

«Wir wurden noch nie auf einen Verstoss hingewiesen», meint denn auch Herrliberg. Rapperswil-Jona und Schmerikon sind solche Hinweise ebenfalls fremd. Im Gegenteil, den Gemeinden war gar nicht bewusst, Regeln zu brechen. Der Gemeindepräsident von Schmerikon Félix Brunschwiler stellt fest: «Uns war nicht klar, dass der Verkauf an Auswärtige nicht erlaubt ist. Wir müssen das überprüfen.» Praktikabel ist die Regelung jedoch ohnehin nicht, da die Karten unpersonalisiert sind und daher für einen auswärtigen Dritten gekauft werden können.

Auch Private verstossen

Doch nicht nur der Staat verhält sich unrechtmässig. Auf Onlinehandel-Plattformen finden sich Tageskartenangebote von Privaten, obwohl der Zwischenhandel nicht erlaubt ist. Gemäss CH-Direct liegt die Verantwortung dafür bei den Gemeinden, jedoch ist es für diese unverhältnismässig aufwendig, einen privaten Händler ausfindig zu machen. Im Angebot ist nämlich nicht ersichtlich, von welcher Gemeinde die Tageskarte stammt.

Neben den Gemeinde-Tageskarten gibt es die Möglichkeit, Spartageskarten bei den SBB zu kaufen. Das Prinzip ist dasselbe mit dem Unterschied, dass der Preis einer Spartageskarte flexibel ist. Er ist einerseits vom Kaufzeitpunkt abhängig, andererseits davon, ob man ein Halbtaxabonnement besitzt oder nicht. Wer die SBB-Spartageskarte der zweiten Klasse früh genug ersteht, zahlt 29 Franken mit Halbtax respektive 59 Franken ohne. Die Tickets werden jedoch mit der Zeit teurer. Kauft man heute ein Billett für morgen, zahlt man je das Doppelte. Unter Umständen fährt ein Halbtaxbesitzer wortwörtlich besser mit einer SBB-Spartageskarte. Für einen Nichtbesitzer ist eine Gemeinde-Tageskarte immer günstiger. Dazu war sie ursprünglich auch gedacht. Ziel war, jenen Personen ein Schnupperangebot zu bieten, die den öffentlichen Verkehr nicht oder nur selten nutzen. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 05.08.2018, 17:08 Uhr

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